Mark Zuckerberg: Facebook-Chef will global einheitliche Internet-Regulierung

Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagiert auf Rufe nach einer strikteren Regulierung oder gar einer Zerschlagung von Facebook. Er macht Gegenvorschläge.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark Zuckerberg (Bild: Alain Jocard/AFP/Getty Images)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine international abgestimmte Regulierung im Internet gefordert. Dabei hob er auch die EU-Datenschutzverordnung (DSGVO) als ein Vorbild für die Welt hervor. Seine Geschäftsführerin Sheryl Sandberg erklärte zugleich, das Online-Netzwerk prüfe nach dem Livestream des Massakers von Christchurch Einschränkungen für Direktübertragungen auf der Facebook-Plattform. Ein Faktor dabei könnten frühere Verstöße gegen Verhaltensregeln bei Facebook sein, schrieb sie im New Zealand Herald.

"Ich bin überzeugt, dass anstelle nationaler Regulierungen ein gemeinsamer globaler Rahmen notwendig ist, um eine Fragmentierung des Internets zu verhindern, damit Unternehmer nützliche Produkte entwickeln können und alle Menschen den gleichen Schutz erhalten", betonte Zuckerberg in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der Washington Post.

Dabei hoffe er, dass Gesetzgeber bei der Verabschiedung neuer Datenschutzbestimmungen auf einige der Aspekte eingehen, die die DSGVO offenlasse. "Wir brauchen klare Regeln, wann Informationen im öffentlichen Interesse genutzt werden können und wie wir mit neuen Techniken - zum Beispiel der Künstlichen Intelligenz - sowie Datenschutz umgehen wollen."

Defizite in der Regulierung

Auch bei Maßnahmen gegen politische Manipulation sieht Zuckerberg Defizite in der Regulierung. "Gesetze für politische Werbung im Internet konzentrieren sich in erster Linie auf Kandidaten und Wahlen anstatt auf politische Themen, die die Gesellschaft polarisieren", bemängelte er. "Unsere Systeme wären effektiver, wenn es einheitliche Standards für die Verifizierung politischer Akteure gäbe." Manche Gesetze gälten nur in Wahlkampfzeiten. "Desinformationskampagnen gibt es jedoch auch unabhängig von Wahlen." Nach Ansicht von Facebook sollten die entsprechenden Gesetze aktualisiert werden, "um den tatsächlichen Bedrohungen Rechnung zu tragen und branchenweite Standards festzulegen".

Facebook war in die Kritik geraten, nachdem eine großangelegte Propaganda-Kampagne aus Russland im Zuge des US-Präsidentenwahlkampfs bekannt wurde. Dabei ging es vor allem darum, die Spaltung in der US-Gesellschaft zu verstärken. Danach verschärfte Facebook die Maßnahmen gegen den Missbrauch von Anzeigen zu politischen Themen. So wurden 2017 vor der französischen Präsidentenwahl und der Bundestagswahl tausende gefälschte Konten gelöscht. Zur anstehenden Europawahl verbietet Facebook gänzlich politische Werbung, die aus dem Ausland finanziert wird.

Beim Datenschutz sind Forderungen nach einer strengeren Regulierung von Facebook lauter geworden, nachdem vor gut einem Jahr der Skandal um Cambridge Analytica ausgebrochen war. In dem Fall waren Daten mehrerer Millionen Facebook-Nutzer vom Entwickler einer Umfrage-App an die Datenanalysefirma Cambridge Analytica übergeben worden. Der Fall liegt zwar mehrere Jahre zurück, sorgte aber für viel Aufregung, unter anderem, weil die Firma später für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete. Facebook wusste seit Ende 2016 von der Weitergabe der Daten, begnügte sich damals aber mit der Zusicherung, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht.

Zuckerberg verlangt Datenportabilität

Zuckerberg ging aktuell nicht direkt auf Forderungen ein, Facebook zur Abspaltung der Chatdienste Whatsapp und Messenger oder der Fotoplattform Instagram zu zwingen. Er setzte sich aber für eine Regulierung ein, die den Grundsatz der Datenportabilität gewährleistet. Bei dem Prinzip geht es darum, dass Nutzer Daten von einem Dienst zu einem anderen übertragen können. Zuckerberg schrieb: "Dieser Punkt ist wichtig für das Internet und für die Entwicklung von Dienstleistungen." Facebook unterstütze daher ein einheitliches Datenübertragungsformat.

Im Fall von Chatdiensten würde eine solche Regulierung es zugleich für Facebook einfacher machen, Nutzer von kleineren Whatsapp-Rivalen oder Apples Dienst iMessage auf seine Plattform zu bringen.

Zuckerberg ging nicht auf die Debatte um die Livestreaming-Plattform des Online-Netzwerks nach dem Anschlag im neuseeländischen Christchurch ein, bei dem ein Rechtsextremist 50 Menschen in zwei Moscheen tötete. Der Mann übertrug die Attacke live bei Facebook. Das 17 Minuten lange Video wurde von einigen Nutzern aufgezeichnet und immer wieder neu veröffentlicht. Facebook entfernte nach eigenen Angaben allein in den ersten 24 Stunden nach dem Angriff 1,5 Millionen Kopien des Videos, davon 1,2 Millionen bereits beim hochladen. Der Fall löste auch Forderungen aus, Facebook müsse die Livestreaming-Plattform strenger überwachen.

Sandberg erklärte unter anderem, Facebook investiere in Verfahren, mit denen auch veränderte Kopien von Videos und Fotos mit Darstellung von Gewalt schneller erkannt werden könnten.

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theSens 02. Apr 2019

Ihr erster Absatz ist vermutlich der Grund, warum ich glaube, dass es keinen Sinn hat...

theSens 01. Apr 2019

Nur das China auf diesem Markt nichts braucht. Weil die ihrer eigenen Social Media etc...

Ach 01. Apr 2019

Zuckerberg kann man von keiner Seite über den Weg trauen. Weder bei seinen Steuertricks...

denta 01. Apr 2019

Was hält ihn ab, für alle Länder DSGVO-konforme Systeme anzubieten? Mich deuscht, mit...



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