Wegen fehlender Vernetzung war die Lage in den Häfen unübersichtlich

Entweder waren Boxen, die sie holen wollten, noch nicht angelandet, oder das Schiff, auf das der anzuliefernde Container verladen werden sollte, war noch nicht eingelaufen. "Außerdem verschoben sich mögliche Verladezeiten laufend, so dass Spediteure und ihre Fahrer keine belastbare Planungsgrundlage hatten."

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"Hätten die an den Transportketten Beteiligten die ihnen jeweils vorliegenden Informationen zu Ankunftszeiten und Verspätungen umfassender ausgetauscht, hätten sie viele Schwierigkeiten umschiffen können", ist Lange überzeugt. Die Krise habe aber gezeigt, wie sehr es Spediteuren, Reedereien und Häfen noch an der Bereitschaft fehle, sich wirklich zu vernetzen und Daten zu teilen.

Statt die Lage im Seeverkehr für die Spediteure an Land mit Hilfe der Digitalisierung transparenter zu machen, versuchten Reeder die Situation durch Änderungen ihrer Fahrpläne in den Griff zu bekommen. So liefen die zwei größten Reedereien Maersk und MSC mit einigen ihrer Dienste das Eurogate-Terminal im Hamburger Hafen vorübergehend nicht mehr an. Hapag Lloyd steuerte auf einer Linienverbindung Rotterdam sieben Wochen lang nicht an.

Die Fahrplanänderungen ließen die Rundläufe von Containern endgültig kollabieren. Jede vierte Box verluden Häfen auf Weisung der Reeder in den vergangenen Monaten auf Frachter, auf denen die Kiste gar nicht gebucht war. Andernorts mussten die Schiffe daher Container am Kai zurücklassen.

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Inmitten dieser Krise der maritimen Logistik havarierte dann am 23. März 2021 die im Dienst der taiwanischen Evergreen-Reederei stehende Ever Given im Suez-Kanal und verhinderte sechs Tage lang die Durchfahrt von mehr als 400 Schiffen durch die wichtigste Wasserstraße der Welt. "Der Unfall bereitet inzwischen allerdings nicht mehr die größten Probleme", versichert der stellvertretende Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC), Burkhard Sommer.

Viertgrößter Hafen der Welt eine Woche gesperrt

Dass der Unfall des mit 14.000 Containern beladenen Schiffes bei der massiven Schlagseite der globalen Containerschifffahrt heute kaum mehr ins Gewicht fällt, liegt jedoch vor allem daran, dass es für Reeder und ihre Kunden noch viel schlimmer kam. Sie warten daher immer noch auf Lieferungen. "Inzwischen gehen Verzögerungen im maritimen Warenverkehr aber überwiegend auf die Sperrung des Hafens in Shenzhen-Yantian Ende Mai und weitere pandemiebedingte Verzögerungen in vielen anderen Häfen zurück", erklärt Sommer.

Schifffahrt im 21. Jahrhundert

Diesen legten die chinesischen Behörden eine Woche lang komplett still, nachdem sich einige der Mitarbeiter des viertgrößten Containerhafens der Welt mit Corona infiziert hatten. Auf der Reede des südchinesischen Containerhubs warteten zuletzt 130 Schiffe bis zu 16 Tage auf ihre Abfertigung. Über 500.000 Container stapelten sich währenddessen an den Terminals.

Andere Schiffe strichen den Hafen am Perlfluss-Delta vorrübergehend ganz aus ihren Fahrplänen. In den ersten beiden Juni-Wochen legten dort 298 Frachter nicht wie vorgesehen an, berichtet die Logistikplattform Project 44.

IT-, Elektro- und Elektronikbranche besonders betroffen

Die Probleme in Yantian führten auch in Ausweich-Terminals wie Shenzhens zweitem Hafen Shekou, in Guandong-Nansha und Hongkong zu längeren Wartezeiten. Bis sich die Lage entspannte, lagen im Perlfluss-Delta fünf Prozent aller weltweiten Containerschiff-Kapazitäten auf Reede, errechnete das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

Getroffen hat dies vor allem die IT-, Elektro- und Elektronikbranche. Etwa 90 Prozent seiner Elektronikexporte führt China über den Hafen in Shenzhen aus. Wann die Empfänger der dort noch immer in Containern auf ihre Verschiffung wartenden Halbleiter, IT-Hardware und Elektrogeräte mit deren Eintreffen rechnen können, ist ungewiss.

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 Maritime Logistik: Frachtschifffahrt sieht noch lange kein LandSind die Großreedereien an den Problemen selbst schuld? 
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_2xs 12. Aug 2021 / Themenstart

Transportkosten China -> Hafen = Transportkosten Hafen -> Stadt in Deutschland So haben...

che (Golem.de) 11. Aug 2021 / Themenstart

Stimmt natürlich, pardon!

hamburger124 10. Aug 2021 / Themenstart

Das stimmt, wenn man keine langfristigen Verträge mit den Reedereien abgeschlossen hat...

crew 10. Aug 2021 / Themenstart

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