Mario Kart 8 im Test: "Sieht jetzt richtig gut aus"

Mario – von Haus aus Klempner – sitzt in seinem sportlichen Kart, voller Konzentration angesichts des baldigen Rennbeginns. Luigi zu seiner Linken und Bowsers blauhaariger Zögling Ludwig zu seiner Rechten fiebern vor ihm in der Startaufstellung. Doch dank perfekten Timings flitzt Mario mit einem Superstart an die Spitze – nur um nach der ersten Kurve flutschigen Bananenschalen ausweichen zu müssen, die um ihn herum landen. Dann geschieht Wundersames: Seine Räder klappen ein, ein blaues Energiefeld zündet am Auspuff und Mario schwebt im Anti-Gravitations-Modus schwerelos durch einen Looping.

Streckenabschnitte wie diese sind das große und neue Highlight von Mario Kart 8. Spieler fahren zum Beispiel über Kopf durch Luigis Gruselvilla oder wie Batman in seinem Batmobil an der Wand entlang durch einen Tunnel. Der arcadige Fun-Racer von Nintendo gewinnt dadurch deutlich an Dynamik, ohne unübersichtlich zu werden. Schwindlig wird den Spielern dabei nicht, denn die Kamera schwenkt jederzeit passend mit.
Auf 32 liebevoll gestalteten Strecken – 16 davon sind neu, 16 aus den Vorgängern bekannt – treten zwölf Fahrer im klassischen Grand-Prix-Modus auf Karts oder Bikes gegeneinander an. Bei den Retro-Strecken hat Nintendo keine einfache Resteverwertung betrieben, sondern Neuinterpretationen kreiert. Alle Strecken sind nicht nur grafisch, sondern auch im Streckenverlauf angepasst, und Abschnitte ohne Schwerkraft wurden integriert. Besonders gut hat uns die neue Fassung der vom Game Boy Advance bekannten Strecke "Marios Piste" mit ihrer 180-Grad-Steilkurve gefallen.
Knochentrocken adé
Mit insgesamt 30 Fahrern in drei Gewichtsklassen bietet das neue Mario Kart mehr Piloten als alle bisherigen Vorgänger. Leider steuern einige Charaktere wie Knochentrocken oder Donkey Kong Jr. auf der Wii U kein Kart mehr. Sie wurden durch zahlreiche Koopalinge ersetzt. Die Fahrzeuge können wie bereits bei Mario Kart 7 für den Nintendo 3DS individuell konfiguriert werden. Im Laufe des Spiels werden durch das Sammeln von Münzen neue Kart-Teile freigespielt. Jedes Einzelteil, sei es Hörnchenschirm, Schwamm- oder Kissenreifen hat unterschiedliche Einflüsse auf das Fahrverhalten. Nintendo hat das Balancing der Motorräder angepasst. Sie sind nicht mehr so schnell wie in Mario Kart Wii.
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Im Allgemeinen besticht Mario Kart 8 durch seine Ausgewogenheit: Das Item-Balancing ist das bisher fairste der Serie. Der übermächtige Stachi-Panzer fliegt nicht mehr gefühlt jede Runde, und mit der neuen Superhupe kann er außerdem abgewehrt werden. Die Piranha-Pflanze verspeist witzig animiert Gegner, Münzen und Items auf dem Weg an die Spitze.












Die künstliche Intelligenz schummelt weniger auffällig – der Gummibandeffekt existiert zwar, stört aber kaum. Das kann auch daran liegen, dass die Gegner auch auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe dynamischer auf den Strecken umherfahren. Das Fahrerfeld bleibt auf 150 cc meist dicht beieinander.
Welchen Controller hätten Sie denn gern?
Gesteuert wird Mario Kart 8 mit der Wii-Remote und dem Steuerkreuz oder durch Neigung im optionalen Plastiklenkrad. Besser funktionieren die Eingaben mit Wii-Remote und Nunchuk-Controller oder mit dem alten und neuen Classic-Controller. Sogar das Wii-U-Gamepad allein reicht zum Mitspielen. Auf dem mobilen Display werden neben der aktuellen Fahrer-Rangliste auch die Mini-Map und eine Hupe angezeigt.
Vielfältige Spielmodi
Die Einzel- und Mehrspielermodi sind in verschiedene Kategorien unterteilt. Der Grand-Prix-Modus führt Spieler (inklusive gespiegelter Strecken) in vier Schwierigkeitsgraden durch acht verschiedene Cups mit jeweils vier Rennen. Für Einzelspieler ist außerdem der Zeit-Modus vorhanden, in dem gegen die Uhr gefahren wird. Im Versus-Modus entscheidet der Spieler, welche Strecke unter welchen Voraussetzungen gefahren werden sollen.
Den Schlacht-Modus hat Nintendo stark verändert: Unter dem Namen "Ballon Balgerei" versuchen die Spieler, die drei Ballons der Gegner zum Platzen zu bringen. Anders als in den Vorgängern werden die Kämpfe nicht in Arenen, sondern auf acht ausgewählten Rundkursen ausgetragen. Das nimmt dem Modus einiges an Spannung und Geschwindigkeit, denn selbst bei 12 Spielern muss meist nach einem Gegner gesucht werden. Sind nur noch wenige Spieler am Leben, nervt die Sucherei.
Ein Garant für altbewährten, stundenlangen Spielspaß ist dagegen der Multiplayer-Modus für Rennen, egal ob im Split-Screen mit 2 bis 4 Spielern oder im Online-Modus. Es wird wie schon bei den Vorgängern viel geflucht, geschrien und gejubelt. Leider ist die Mini-Map nur auf dem Gamepad zu sehen. Um allen Chancengleichheit zu gewährleisten, sollte dieses für alle gut sichtbar aufgestellt werden.
Onlineturniere und -features
Mit bis zu 2 Spielern an einer Konsole kann gegen andere Spieler aus aller Welt angetreten werden. Statt des nervigen Freundescodes gibt es nun eine Freundesliste, über die sich auch Turniere organisieren lassen. In der Lobby kann über das Mikrofon im Gamepad mit Mitspielen kommuniziert werden, im eigentlichen Rennen geht das leider nicht. Die Online-Server waren bei unseren Tests erreichbar.












Unter dem Namen Mario Kart TV veröffentlicht Nintendo die Replays eines Spielers. Die Highlights bei Nahaufnahmen in die optionale Slow Motion zu versetzen, sorgt für zahlreiche Schmunzler. Aktuell läuft Mario Kart TV nur auf der Wii U selbst. Künftig soll es aber auch auf einer gleichnamigen Smartphone- und Tablet-App ausgestrahlt werden können.
Shader-Platten und Pixel-Schatten
Grafisch ist der Fun-Racer mit seiner quietschbunten Optik im HD-Zeitalter angekommen: Das Spiel löst nativ in 720p auf und läuft mit einer stabilen Bildrate von 59 Bildern pro Sekunde(öffnet im neuen Fenster) . Anti-Aliasing wird nicht verwendet, so dass an manchen Kanten Treppeneffekte zu sehen sind – das ist uns besonders bei Toads Hafenstadt aufgefallen. Ebenfalls störend ist der suboptimal umgesetzte Unschärfeeffekt im Hintergrund. Auf manchen Strecken sind die einzelnen Stufen des Mip-Mappings deutlich sichtbar.
Die Texturen sind allesamt hoch aufgelöst und sehen sehr schick aus. Auch die verschiedenen liebevoll gestalteten Animationen sowie die Luftblasen in den Unterwasserteilen der Strecken gefallen uns sehr. Hier und da entdecken wir zudem aufwendige Shader-Effekte auf Straßenplatten oder den Charakteren. Zusammen mit der dynamischen Beleuchtung entsteht ein stimmiger Gesamteindruck der Strecken und Fahrzeuge. Jeder, der Mario Kart 8 in der Redaktion das erste Mal sah, kommentierte es mit: "Mensch, das sieht ja jetz' richtig gut aus!"
Ab drei Spielern im Splitscreen-Modus sinkt die Bildrate auf 30 Bilder pro Sekunde. So kommt es öfters zu sichtbaren Rucklern. Hier fällt auch die fehlende Kantenglättung noch stärker auf, und Schatten werden pixeliger. Immerhin bleibt Mehrspielern die dynamische Beleuchtung erhalten.
Verfügbarkeit und Fazit
Mario Kart 8 ist ab dem 30. Mai für 50 Euro in der Standard-Edition erhältlich, die Limited-Edition mit blauer Stachi-Panzer-Figur kostet 70 Euro. Der Fun-Racer ist für Spieler ab 0 Jahren freigegeben.
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Fazit
Die Streckenabschnitte im Anti-Gravitationsmodus machen Mario Kart 8 zu einem besonders guten Serienteil. Die Kreativität der Entwickler ist beim abwechslungsreichen Streckendesign jederzeit spürbar, und in punkto Items bietet das Rennspiel für die Wii U die bisher beste Balance der Serie.
Die Plastizität der Charaktere, das dynamische Licht und die verspielten Animationen sind allesamt nett anzusehen. Auch musikalisch ist der Arcade-Racer gelungen.
Abseits der tollen Kurse finden wir aber auch viel Altbewährtes. Wer viele Stunden mit Mario Kart 7 auf dem 3DS verbracht hat, kennt die meisten Tuning-Optionen für die Karts und auch das Fahrverhalten ist sehr ähnlich. Beim Multiplayermodus vermissen wir die Arenen für vier Spieler schmerzlich. Im Split-Screen für 4 Spieler stößt die Hardware außerdem sichtbar an ihre Grenzen.
Insgesamt sprechen wir Mario Kart für die Wii U aber eine klare Empfehlung aus. Nur um die klassische Ballon-Balgerei hat uns Nintendo betrogen.