Manipulierte Emotionen: Finanzierte die US-Regierung Facebooks umstrittene Studie?

Die Diskussion über Facebooks Studie darüber, wie sich Statusmeldungen auf die Stimmung der Nutzer auswirken , nimmt kein Ende. Inzwischen hat sogar Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg zugegeben(öffnet im neuen Fenster) , dass die Aktion "dürftig kommuniziert" worden sei. Nun ist ein weiteres interessantes Detail bekanntgeworden: Offenbar hat das US-Verteidigungsministerium das Experiment bezuschusst. Oder doch nicht.
Die Geschichte, die der ORF hier ausführlich aufgeschrieben hat(öffnet im neuen Fenster) , ist etwas komplizierter: In der ursprünglichen Pressemitteilung der Cornell University(öffnet im neuen Fenster) von vor einigen Wochen hieß es, dass die Studie von der James S. McConnell Foundation und dem Army Research Office mitfinanziert worden sei. Darauf weist der renommierte Journalistikprofessor Jay Rosen von der New York University in einem Facebook-Posting(öffnet im neuen Fenster) hin. Diese Information wurde allerdings später korrigiert: Das Experiment habe keine externen finanziellen Mittel bekommen, heißt es nun.
Fragwürdiger Irrtum
Rosen wundert sich, wie es zu einem solchen Irrtum kommen kann. "Ich denke schon, dass es mir auffallen würde, wenn meine Universität der Welt fälschlicherweise erklären würde, dass meine Forschung teilweise vom Pentagon finanziert worden ist" , schreibt er auf seinem Facebook-Profil. Schließlich spreche er sich bei solchen Angelegenheiten immer genau mit der PR-Abteilung seiner Universität ab. "Aber, hey, vielleicht gibt es ja auch eine unschuldige und langweilige Erklärung, die ich übersehe."
Bei dem Experiment waren ohne Vorwarnung die Newsfeeds von 689.003 Nutzern der englischsprachigen Facebook-Version manipuliert worden. Über drei Millionen Einträge wurden nach Stichworten von der Software ausgewertet, die diese bestimmten Gefühlen zuordnete. Bei dem einwöchigen Experiment im Januar 2012 wurden die Einträge vorgefiltert: Einer Gruppe wurden mehr positive Nachrichten angezeigt, der anderen mehr negative. Die Studie ergab, dass Menschen, die mehr positive Nachrichten sahen, etwas eher dazu neigten, auch selbst Einträge mit positivem Inhalt zu veröffentlichen - und umgekehrt.