Manipulierte Benchmarks: Intel muss US-Käufern des Pentium 4 Schadensersatz zahlen

Im Rahmen einer Sammelklage hat sich Intel außergerichtlich geeinigt. Wer als Privatmann von Ende 2000 bis Mitte 2002 einen PC mit Pentium 4 gekauft hat, erhält 15 US-Dollar. Die Vorwürfe manipulierter Benchmarks, die den Athlon von AMD schlechter aussehen ließen, erkennt Intel damit aber nicht an.

Artikel veröffentlicht am ,
Späterer Pentium 4, schon mit LGA-Kontakten
Späterer Pentium 4, schon mit LGA-Kontakten (Bild: Intel)

Ein Konsortium von Anwälten ruft US-Bürger dazu auf, sich an der außergerichtlichen Beilegung eines Rechtsstreits zwischen PC-Käufern und Intel anzuschließen. Diese Form der Erweiterung einer Sammelklage (class action suit) ist eine Spezialität des US-Rechts, um langwierige Prozesse zu vermeiden. Schon die Vorbereitung der jetzigen Einigung hat über 10 Jahre gedauert, denn die beiden mutmaßlich geschädigten Anwender hatten bereits im März 2004 Klage eingereicht.

Stellenmarkt
  1. Projektmanager_in (w/m/d) Digitale Services
    Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt am Main
  2. IT-Consultant im Bereich ERP-Systeme/ERP-Systemadmini- strator (m/w/d)
    CCV GmbH, Au i. d. Hallertau
Detailsuche

Der Vorwurf ist drastisch: Intel soll, als die erste Generation des Pentium 4, Codename Willamette, im Jahr 2000 auf den Markt kam, Benchmarks manipuliert haben. Dazu soll, so ist der Klageschrift (PDF) zu entnehmen, der Test Webmark 2001 gleich ganz selbst von Intel geschrieben worden sein. Er soll später dem Industriekonsortium Bapco zur Verfügung gestellt worden sein, wobei Intel keinerlei Hinweise darauf wünschte, wer den Test programmiert hat. In einer Stellungnahme zu der Einigung weist Intel die Vorwürfe zurück (PDF).

Auch beim schon existierenden Sysmark, der damals von Version 2000 auf Version 2001 aktualisiert wurde, soll Intel Veränderungen zu seinen Gunsten bewirkt haben. Dieser Test, der echte Anwendungen mit Skripten ausführt, galt zu dieser Zeit als eines der wichtigsten Instrumente zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit von PCs, vor allem im Büroalltag. Intel hat der Klage zufolge beim Wechsel der Versionen vor allem solche Funktionen der Programme ausführen lassen, bei denen der Pentium 4 gegenüber dem Athlon von AMD Vorteile hatte.

Auch mit späteren Ausgaben des Benchmarks könnte das weitergeführt worden sein, wie aus einem heute noch verfügbaren Bericht von Van's Hardware hervorgeht, was aber nicht Teil der aktuellen Einigung ist. Beim Vergleich von Sysmark 2001 und 2002 hatte AMD weitere Verschlechterungen seiner Ergebnisse bemerkt: Waren vergleichbare Prozessoren von AMD mit dem älteren Test noch schneller, so verkehrte sich das mit Sysmark 2002 ins Gegenteil - Intel gewann deutlich. AMD, damals selbst Mitglied des Bapco-Konsortiums, hatte die Tests genau untersucht, und dazu auch ein PDF erstellt.

Widerspruch nur bis zum 15. Dezember 2014 möglich

Golem Akademie
  1. First Response auf Security Incidents: Ein-Tages-Workshop
    26. November 2021, Virtuell
  2. IT-Grundschutz-Praktiker mit Zertifikat: Drei-Tage-Workshop
    15.–17. November 2021, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Für US-Bürger gilt nun, dass sie sich der Einigung anschließen können. In der Regel verzichten die Teilnehmer damit auf weitere rechtliche Ansprüche. Wer zwischen dem 20. November 2002 und dem 31. Dezember 2001 einen PC mit einem beliebigen Pentium 4, oder zwischen dem 1. Januar 2002 und dem 30. Juni 2002 einen Rechner mit einem derartigen Prozessor unter 2,0 GHz gekauft hat, kann sich bei den Anwälten melden. Die Unterscheidung soll sicherstellen, dass nur die ersten Pentium 4 von der Aktion erfasst sind.

Sind die Ansprüche berechtigt, sollen die Teilnehmer 15 US-Dollar erhalten. Das klingt nach wenig, kann für Intel aber dennoch teuer werden: Laut damaligen Berichten hatte das Unternehmen bis Mitte 2002 weltweit rund 50 Millionen Pentium 4 verkauft. Wie viele CPUs dabei in Rechnern für Privathaushalten landeten - denn nur diese sind von der Einigung erfasst - ist aber nicht bekannt.

Bis zum 14. April 2015 kann man sich an dem aktuellen Verfahren beteiligen, wer auf eigene Faust klagen will, muss das schon bis 15. Dezember 2014 bekannt geben. Abhängig von den Rückmeldungen der Betroffenen wird es am 23. Januar 2015 noch eine Anhörung in dem Verfahren geben. Inwieweit europäische Kunden davon in irgendeiner Weise betroffen sind, konnte Intel Deutschland auf Anfrage von Golem.de noch nicht sagen. Die derzeitige Einigung gilt jedenfalls nur für US-Bürger, mit einer Berufung gegen eine Kartellstrafe der Europäischen Union war Intel im Juni 2014 gescheitert. Darin war aber nicht von Schadensersatz für die Käufer die Rede.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


pica 30. Okt 2014

und der Pentium III wie auch sein Vorgänger der Pentium II basieren auf dem PentiumPro...

__destruct() 29. Okt 2014

Das habe ich hier auch schon nachgefragt und keine richtige Antwort bekommen. In den...

HubertHans 29. Okt 2014

Das AMD dadurch ins Hintertreffen geraten ist halte ich fuer ein Geruecht. Der Pentium...

tbone 29. Okt 2014

Als ob sich bei 15$ jetzt Tausende Leute melden, die noch einen Kaufbeleg vorweisen können.

HubertHans 29. Okt 2014

Ich habe doch gesagt, das ein P3 1,4Ghz Thua-S schneller ist als ein Williamette mit...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Amazon, Apple, Google
Die EU macht ernst mit der Plattformregulierung

Die stärkere Regulierung von großen IT-Plattformen rückt näher. Die EU-Mitgliedstaaten unterstützen weitgehend die Pläne der EU-Kommission.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Amazon, Apple, Google: Die EU macht ernst mit der Plattformregulierung
Artikel
  1. Studie: Jede siebte Onlinebestellung wird zurückgeschickt
    Studie
    Jede siebte Onlinebestellung wird zurückgeschickt

    In einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom gaben Handelsunternehmen an, dass die steigenden Retouren das Geschäft belasteten. Sie hoffen auf KI.

  2. S9U fürs Homeoffice: Samsung stellt 49-Zoll-Ultrawide-Monitor mit KVM-Switch vor
    S9U fürs Homeoffice
    Samsung stellt 49-Zoll-Ultrawide-Monitor mit KVM-Switch vor

    Der S9U ist Samsungs neuer 32:9-Bildschirm. Er integriert USB-C mit 90 Watt Power Delivery und einen KVM-Switch. Das Panel schafft 120 Hz.

  3. XTurismo: Fliegendes Jetski aus Japan für knapp 600.000 Euro
    XTurismo
    Fliegendes Jetski aus Japan für knapp 600.000 Euro

    Wo auch immer man sie fliegen dürfen wird, Multikopter für den Personentransport sind im Kommen. Dieses Flugobjekt stammt aus Japan.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • WD Black SN750 1TB 89,90€ • PS5 Digital Edition + 2. Dualsense + 100€-Amazon-Gutschein mit o2-Vertrag sofort lieferbar • Switch OLED + Metroid Dread 399€ • Kingston 1TB PCIe-SSD 69,90€ • GTA Trilogy Definitive 59,99€ • Alternate (u. a. Apacer 960GB SATA-SSD 82,90€) [Werbung]
    •  /