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Malware: Rombertik zerstört den MBR

Es ist eine außergewöhnlich destruktive Malware: Rombertik überschreibt den MBR eines Rechners, wenn ihr die Enttarnung droht. Bleibt Rombertik unentdeckt, greift es Eingaben im Browser ab.
/ Jörg Thoma
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Die Malware Rombertik versucht seine Analyse mit unsinnigem Code zu erschweren. (Bild: Talos/Cisco)
Die Malware Rombertik versucht seine Analyse mit unsinnigem Code zu erschweren. Bild: Talos/Cisco

Rombertik ist ein besonders fieses Malware-Exemplar: Droht seine Entdeckung, überschreibt es den Master Boot Record (MBR) und löscht damit die Partitionsinformationen eines Rechners. Funktioniert das nicht, verschlüsselt Rombertik sämtliche Dateien im Benutzerverzeichnis unter Windows. Bleibt die Malware jedoch unentdeckt, klinkt sie sich über APIs gängiger Browser ein und greift Texteingaben ab. Die gesammelten Daten werden nach Base64 kodiert und unverschlüsselt an die Domain www.centozos.org.in versendet. Rombertik macht es selbst IT-Sicherheitsforschern schwer – mit viel unnützem Code.

Die Forscher der Abteilung Talos bei Cisco hätten bei der Analyse von Rombertik einige Schwierigkeiten gehabt, schreiben sie in einem Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) . Über 97 Prozent der Malware besteht aus Bildern und über 8.000 überflüssigen Funktionen, die einerseits die Malware harmlos aussehen lassen sollen und andererseits Tracing-Werkzeuge bei ihrer Analyse überfordern. Rombertik schreibt beispielsweise 960 Millionen zufällige Daten in den Speicher, die, von Analysewerkzeugen protokolliert, mehrere hundert Gigabyte an Daten produzieren.

Zahlreiche Tarnversuche

Dass Rombertik so viele unnütze Daten in den Speicher schreibt, soll aber nicht dazu dienen, Tracing-Werkzeuge zu überfordern. Stattdessen versucht die Malware damit die Sandbox-Funktionen auszuhebeln. Eine gängige Methode für Malware aus einer abgeschotteten Umgebung auszubrechen, ist, sich selbst in den Schlafmodus zu versetzen, bis die Sandbox sich abschaltet und der Schadcode ungehindert auf das System zugreifen kann. Seitdem wurde die Funktionalität der verschiedenen Sandbox-Lösungen angepasst und sie reagieren auf solche Tricks. Rombertik versetzt sich aber nicht in den Schlafmodus, sondern verbringt stattdessen viel Zeit damit, wahllose und somit harmlose Daten zu generieren.

Anschließend führt Rombertik zahlreiche Checks durch, darunter auch das Durchsuchen der Prozessliste nach Textzeilen, die auf Analysewerkzeuge hinweisen könnten. Außerdem ruft die Malware mehrere hunderttausende Mal die Debugging-API von Windows auf, um seine Analyse zu erschweren. Erst dann installiert sich Rombertik ins Benutzerverzeichnis.

Rombertik hinterlässt einen unbrauchbaren Recher

Scheitert die Malware bei seinen Tests, überschreibt Rombertik nicht nur den MBR, sondern auch die Partitionstabelle, was eine Wiederherstellung zwar erschwert, aber nicht unmöglich macht. Besitzt die Schadsoftware nicht genügend Rechte, um den MBR zu überschreiben, verschlüsselt Rombertik sämtliche Dateien im Benutzerverzeichnis mit einem selbst generierten RC4-Schlüssel. Anschließend startet Rombertik den Rechner sofort neu.

Verbreitet wird Rombertik als E-Mail-Anhang. Die Schadsoftware ist als PDF getarnt, es handelt es sich aber um eine ausführbare Datei in Form eines Screensavers (SCR). Offenbar helfen sämtliche Verschleierungstaktiken aber nicht gegen aktuelle Antivirensoftware. Die Cisco-Experten raten, diese möglichst aktuell zu halten.


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