Mainframe-Modernisierung: IBM-Aktie bricht trotz starkem Mainframe-Wachstum ein
Der Technologiekonzern IBM hat zu Wochenbeginn einen heftigen Rückschlag an der Börse erlitten. Die Aktie knickte am Montag um fast 13,2 Prozent(öffnet im neuen Fenster) auf 223,35 US-Dollar ein. Ausgehend von einem Kurs von rund 297,95 US-Dollar zu Jahresbeginn beläuft sich das Minus mittlerweile auf rund 25 bis 27 Prozent. Auslöser der jüngsten Verkaufswelle ist die verstärkte Aufmerksamkeit für das KI-Unternehmen Anthropic , das mit seinem Werkzeug Claude Code die Modernisierung veralteter Cobol-Systeme automatisiert.
Die Sorge der Anleger gilt einem Bereich, der für IBM zwar nicht mehr das alleinige Kerngeschäft darstellt, aber zuletzt eine Renaissance erlebte. Während Software, Consulting und Hybrid-Cloud heute die größten Umsatztreiber sind, wuchs das Z-Mainframe-Segment im vierten Quartal 2025 überraschend um 48 Prozent(öffnet im neuen Fenster) im Vergleich zum Vorjahr – das höchste Niveau seit 20 Jahren.
IBM kontert mit eigener KI-Lösung
Die Interpretation, Anthropic stoße hier in ein wehrloses Vakuum, greift allerdings zu kurz. IBM ist in diesem Feld längst selbst aktiv: Mit dem Watsonx Code Assistant for Z bietet das Unternehmen eine eigene KI-Lösung an, die Kunden bei der Transformation von Cobol-Code unterstützt. Die Position von Big Blue ist damit deutlich differenzierter, als es die aktuelle Marktreaktion vermuten lässt. Dennoch scheint die Angst vor einer Disruption durch externe Akteure derzeit die Oberhand zu gewinnen.
Besondere Aufmerksamkeit erregte am 23. Februar die erneute mediale Fokussierung auf das Code Modernization Playbook(öffnet im neuen Fenster) von Anthropic. Darin wird argumentiert, dass KI die wirtschaftliche Gleichung bei der Modernisierung von Altsystemen umkehrt. Da schätzungsweise 95 Prozent der US-Geldautomaten-Transaktionen weiterhin auf Cobol basieren, ist das Potenzial enorm. Claude Code soll Abhängigkeiten kartieren und Risiken identifizieren können, wofür menschliche Analysten Monate benötigen würden.
Analysten sehen Marktreaktion als übertrieben an
Trotz des Kurseinbruchs bleiben viele Marktbeobachter gelassen. Analysten mit moderaten Kauf-Ratings und Kurszielen von bis zu 314 US-Dollar bewerten das aktuelle Minus als überzogen. Auch an der Wall Street wird der Crash teils als Überreaktion eingestuft; laut Analysen, etwa von Trefis(öffnet im neuen Fenster) , hätten die Märkte überreagiert, da IBMs Geschäftsmodell heute wesentlich breiter aufgestellt sei.
Das aktuelle Marktumfeld scheint dennoch von der Mentalität geprägt zu sein, erst zu verkaufen und später Fragen zu stellen. Ein ähnliches Muster war bereits am Freitag im Cybersecurity-Sektor zu beobachten: Dort gerieten Werte wie Zscaler(öffnet im neuen Fenster) und Crowdstrike(öffnet im neuen Fenster) unter massiven Druck, nachdem Anthropic mit Claude Code Security neue Funktionen für automatisierte Schwachstellen-Scans angekündigt hatte.