Feministischer Film
Diesen Zweck erfüllt sie im Grunde auch, aber auf eine Weise, die fast schon einzigartig ist. Es gab nach Frankensteins Braut in den 1930ern einen anderen Braut-Film mit Jennifer Beals und Sting. Aber keiner dieser beiden, von Männern inszenierten Filme hat es geschafft, den männlichen Blick abzulegen. Es bedurfte einer Frau, um der Braut echtes Leben einzuhauchen.
Gyllenhaals Film ist zutiefst feministisch. Er zeichnet ein Frauenbild, das nicht von Männern bestimmt ist, sondern eines, das Frauen stark, unabhängig, auch wild zeigt – und nie nur an der Seite eines Mannes. Dass die Braut Frank (wie Frankensteins Monster sich nennt) lieben wird, ist nicht vorherbestimmt; es ergibt sich aus Leidenschaft, die dann infrage gestellt wird, als ihr klar wird, dass ihr Leben vor ihrem Tod ein anderes als das mit Frank war.
Großartig gespielt
In der Rolle der Braut ist Jessie Buckley zu sehen, die brillante irische Schauspielerin, die schon für den Oscar nominiert war und für ihre Leistung in Hamnet(öffnet im neuen Fenster) ein weiteres Mal nominiert wurde. Sie ist eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation, enorm wandlungsfähig und immer in der Lage, hinter der Rolle zu verschwinden. Buckley ist die treibende Kraft dieser überbordenden Liebesgeschichte.
Für die Rolle des Monsters heuerte Gyllenhaal ihren The-Dark-Knight-Kollegen Christian Bale an, der sich, wie für ihn typisch, ausgesprochen intensiv in die Rolle einfindet. Zum weiteren Ensemble gehören außerdem Penélope Cruz, Annette Bening, Jake Gyllenhaal und Peter Sarsgaard – Letzterer ist der Ehemann von Maggie Gyllenhaal.
Wer kennt die Braut?
Maggie Gyllenhaals eigene Faszination für die Figur entstand, als sie gerade für ihren ersten Film als Regisseurin warb, den Oscar-nominierten The Lost Daughter. Ihr Interesse sei durch die Begegnung mit einem Mann, der eine großflächige Tätowierung der Braut von Frankenstein trug, ausgelöst worden.
Das Motiv orientierte sich an Elsa Lanchesters ikonischer Erscheinung(öffnet im neuen Fenster) , geprägt durch Jack Pierces Maskenbild in den Dreißigerjahren, und ist bis heute weltweit wiedererkennbar – selbst für Menschen, die den fast hundert Jahre alten Film nie gesehen haben.
Obwohl Gyllenhaal mehrere bekannte Stoffe angeboten wurden, ließ Gyllenhaal das Bild der Lanchester-Figur nicht los. Beim Anschauen des Klassikers von James Whale fand sie: Der nach der Braut benannte Film handelt inhaltlich kaum von ihr, dennoch hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck – obwohl sie nur wenige Minuten zu sehen ist. Ihre Wirkung entsteht aus ihrer Haltung und aus dem Moment der Verweigerung: Sie erwacht und lehnt ab.
Gyllenhaal erkannte die Möglichkeit, dieser wiederbelebten Frau eine Stimme zu geben und die Legende weiterzuführen, die bereits in Mary Shelleys Roman angelegt ist, in dem Frankensteins Monster eine Gefährtin fordert. Diese Bitte ist Teil des Mythos und leicht nachvollziehbar, wirft aber eine andere Frage auf: Was ist mit der Frau selbst? Was will sie? Das beantwortet Gyllenhaal in ihrem Film.
Und das auf eine höchst interessante Art und Weise. The Bride! mag keine leichte Kinokost sein, erzählt aber vielleicht die schönste Liebesgeschichte des Kinos in diesem Jahr, die die Braut und ihren Frank zu einer Art Monsterversion von Bonnie und Clyde werden lässt.
Ob dem Pärchen das Happy End, das Bonnie und Clyde nicht hatten, vergönnt ist, wollen wir hier natürlich nicht verraten. Das muss jeder selbst herausfinden – es lohnt sich!



