Mafia im Retro-Review - Sprechtext des Videos als Fließtext

Kurz nach der Jahrtausendwende erschien ein Epos, das Gamer bis heute förmlich anbeten: Mafia gehörte zu den atmosphärischsten und spannendsten Titeln, die wir je gespielt haben. Anno 2002 war die Mafia-Thematik primär in anderen Medien präsent, was vor allem Francis Ford Coppolas Buchverfilmung von The Godfather zu verdanken ist, mit der sich Marlon Brando als Der Pate in der Filmgeschichte verewigte. Zwar gab es vor Mafia mit Grand Theft Auto und Driver bereits Spiele, welche die Gangster-Thematik aufgriffen, allerdings mit weniger Fokus auf die Story.

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Illusion Software, der Entwickler hinter Mafia, war durch Hidden & Dangerous bekanntgeworden. Der Titel ist im Zweiten Weltkrieg angesiedelt, dabei handelt es sich - abseits der Fahrzeugsequenzen - jedoch um einen klassischen First Person Ego Shooter. Bei Mafia hingegen entschied sich das Studio für eine Schulterperspektive, einzig beim Betreten der Straßenbahn wechselt die Ansicht. Damit einher geht ein größerer Aufwand, denn die Spielfigur muss voll animiert sein und auf ihre Umgebung entsprechend reagieren - und davon gab es für damalige Verhältnisse viel.

Mafia spielt in den 30er Jahren während und nach der Prohibition, der Schauplatz ist eine fiktive Stadt namens Lost Heaven im US-Bundesstaat Illinois, selbst einen Flughafen und eine Rennstrecke gibt es. In der Mitte thront eine durch mehrere Brücken und einen Tunnel mit dem im Osten wie Westen gelegenen Festland verbundene Insel, wobei Lost Heaven an eine Mischung aus Chicago, New York City und Los Angeles erinnert. Die rote Hängebrücke heißt Giuliano Bridge - nur eine von vielen Anspielungen, hier auf den damaligen Bürgermeister von NYC, Rudy Giuliani.

Auf Central Island etwa befinden sich ähnlich wie in Manhattan nicht nur allerhand Hochhäuser, sondern auch das Theater und das Kunstmuseum. Im Westen liegt Down Town mit dem Luxushotel Corleone, dahinter erstreckt sich Oak Hill mit den Villen der Noblen und Reichen. Im Osten hingegen ist das Industriegebiet verortet, China Town und Little Italy dürfen freilich nicht fehlen. Dort beginnt dann auch die Geschichte von Tommy Angelo, der an einem trüben Tag eigentlich nur seinem Job als Taxifahrer nachzugehen gedachte.

Unerwartet gerät er in eine Schießerei und statt gemütlich fertig zu rauchen, muss er bei vorgehaltener Waffe zwei fliehende Mafiosi in Sicherheit bringen. Illusion Software nutzt diese Szene geschickt, um die beiden Gangster als tragende Figuren einzuführen: Sam ist der nüchterne kalkulierende der zwei, während Paulie hitzig und gewalttätig vorgeht. Am Ziel angekommen fürchtet Tommy kurz um sein Leben, stattdessen bietet ihm der in Little Italy residierende Don Salieri als Dank einen Job an - den er erst ablehnt, dann aber doch annimmt, nachdem feindliche Schläger der Morello-Familie sein Taxi demolieren und auch ihm heftig zusetzen.

Tommy erzählt seine Geschichte selbst in Rückblenden, denn er möchte aussteigen - aus persönlichen Gründen, sprich Frau und Kind. Daher geht Tommy einen Deal mit Detective Norman ein: Er packt aus, gleichzeitig soll ihm der Kriminalbeamte ein neues Leben verschaffen. Dazu muss Tommy aber erst einmal schildern, wie es überhaupt so weit kam - und so beginnt für uns die Karriere in der Familie Salieri, die sich über fast ein Jahrzehnt erstreckt. Es ist geprägt von Gewalt, von Liebe, von Verrat - wie ein Film, nur eben interaktiv.

Mafia: Definitive Edition

Anfangs muss sich Tommy erst noch beweisen, im Laufe der Geschichte werden die Aufträge allerdings immer heikler und es zeigt sich, dass vermeintliche Freundschaft einen Scheißdreck wert ist, denn Geschäft ist Geschäft. Zu Beginn ahnt Tommy wenig von den Abgründen innerhalb der Familie, diese entfalten sich erst mit der Zeit in den zahlreichen Zwischensequenzen sowie in den Gesprächen mit Pauli und Sam während der häufigen Fahrten durch Lost Heaven.

Illusion Software hat es dabei geschafft, eine Stadt zu entwerfen, die vor Leben nur so strotzt: Passanten flanieren am Fluss entlang, die Straßen sind gefüllt mit hupenden Oldtimern, die Tram und die Hochbahn rattern vorbei, Ampeln regeln den Verkehr und Brücken klappen nach oben, um den Schiffsverkehr zu gewährleisten. Zudem ist in Lost Heaven überall die Polizei präsent: Überfahren wir eine rote Ampel oder rasen durch Downtown, kommen wir noch mit einem Strafzettel davon. Wer hingegen einen Fußgänger erwischt oder eine Schusswaffe bei sich trägt, der wird verhaftet - Game over.

Die sich realistisch steuernden Fahrzeuge zu beherrschen, ist gar nicht so einfach, da sie zum Schlingern und Ausbrechen neigen. Besonders wichtig war das beim legendär schweren Wagenrennen, weshalb das Entwicklerstudio per Patch die Schwierigkeit anpassbar machte und sich Kollisionsschäden deaktivieren ließen. Die Abkürzung nach der Haarnadelkurve ist seitdem von einer unsichtbaren Wand blockiert - zuvor ließ sich mit dieser Route der erste Platz erschummeln.

In der Stadt hingegen gilt es, das Tempolimit im Blick zu behalten oder den Geschwindigkeitsbegrenzer einzuschalten - aber wer will das bei einer rasanten Verfolgungsjagd schon. Wer es sich zutraut, kann sogar manuell schalten und sollte darauf achten, dass genügend Benzin vorhanden ist - sonst bleibt der flotte Flitzer einfach stehen. Gefährlich wird es auch bei zerschossenen Reifen oder gar einem Treffer in den Tank, denn Autos explodieren im schlimmsten Fall.

Mafia: Definitive Edition

Auch bei den häufigen Gefechten muss sich Tommy in Acht nehmen, denn Mafia ist knüppelhart: Ein Deckungssystem fehlt, wenige Treffer reichen, um unser Alter Ego zu Boden zu strecken, Heilung gibt es einzig bei den wenigen Medizinschränken, im Laufen feuern ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und selbst beim quälend langsamen Nachladevorgang sollten wir immer daran denken, dass noch nicht verschossene Patronen im Magazin verloren sind, wenn wir es wechseln.

Unterm Strich hat das Mafia aber nicht geschadet, denn das Familienepos ist heute aktueller denn je: Zwar wurde Illusion Software übernommen, in 2K Czech umbenannt und später mit Hangar 13 in den USA zusammengelegt. Das Remake, die 2020 veröffentlichte Mafia Definitive Edition, hält sich ungeachtet dessen sehr nahe am Original - mit einigen modernen Elementen und viel besserer Technik. Wir empfehlen zwar prinzipiell die Neuauflage, der fehlen allerdings aus lizenzrechtlichen Gründen einige der grandiosen Radio-Stücke.

Allerdings dreht sich im Leben eines Gangsters alles um die Familie, ums Geschäft, und da gibt es selten Platz für die wirklich schönen Dinge des Lebens oder gar für Sentimentalitäten. Wer sie sich doch erlaubt, muss mit Konsequenzen rechnen: "Der Typ, der zu viel erreichen will, riskiert, absolut alles zu verlieren."

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 Mafia (2002): Don Salieri lässt grüßen
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