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Mad Max im Test: Sandbox voll mit schönem Schrott

Eine frei zugängliche, teils sehr sehenswerte Riesenwüste, packende Verfolgungsjagden und Kämpfe: Das offizielle Actionspiel zur Filmserie Mad Max macht zwar längst nicht alles richtig - trotzdem finden Jäger und Sammler viel Spaß im Ödland.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Mad Max (Bild: Warner Bros Interactive Entertainment)
Artwork von Mad Max Bild: Warner Bros Interactive Entertainment

Wir sind heilig? So ganz verstehen wir das nicht: Wir können uns nach einem verlorenen Kampf mitten im Ödland kaum noch auf den Beinen halten, und dann steht da plötzlich ein buckliger Automechaniker vor uns und hält uns für den Erlöser! Fürs Erste soll uns das in Mad Max aber egal sein. Hauptsache, der Kerl beschafft uns wieder ein Auto und hilft uns dann im Kampf gegen einen größenwahnsinnigen Warlord!

Mad Max Videospiel - Fazit
Mad Max Videospiel - Fazit (01:31)

Der Mechaniker Chumbucket begleitet uns fortan bei unseren Abenteuern - für ihn ist es eher eine Art Kreuzzug. "Chum" repariert das Auto, sagt mal mehr und meist weniger lustige Sachen und kennt sich erstaunlich gut aus im Ödland. So heißt die Spielewelt, ein zur Wüste ausgetrockneter Ozean. Der ist in mehrfacher Hinsicht eine Sandbox: Neben den geologisch offenkundigen Gegebenheiten - Sand - ist das Ödland ein riesiges Gebiet, in dem wir uns die meiste Zeit frei wie der liebe Gott höchstpersönlich bewegen können.

Glücklicherweise ist das Ödland längst nicht so öde, wie der Name andeutet: Überall liegen riesige, verrostete Schiffswracks voller Schrott herum. Gewaltige Rohre durchziehen die Landschaft und es gibt immer wieder Berge, kleine Siedlungen und andere Überraschungen. Und dann die Farben: Zum Start stehen wir in einem langweiligen beigen Wüstengebiet, aber später sind wir in wunderschön blau oder gelb gefärbten Umgebungen vor orangerotem Abendhimmel unterwegs, fern am Horizont lodern Feuer und am Himmel türmen sich gewaltige Wolken.

Die Navigation in diesem Gebiet funktioniert so ähnlich wie in GTA 5: Wir markieren auf der Übersichtskarte die Stelle, zu der wir fahren wollen, und bekommen dann die bestmögliche Route auf der kleinen Karte am Bildschirmrand angezeigt. Wichtige Ziele unserer Mission werden außerdem sehr gut sichtbar direkt in der Welt eingeblendet - sich zu verfahren, ist damit fast unmöglich.

Das ist auch gut so, denn Chumbucket hat direkt nach dem Start zwar einige Hauptmissionen für uns, die uns zu einem besseren Auto verhelfen. Später geht es dann wieder verstärkt um den quasi heiligen Krieg gegen den Warlord - eine mit netten Zwischensequenzen erzählte, aber nicht sehr interessante Handlung.

Den Großteil der Zeit verbringen wir aber mit den vielen kleinen Nebenaufgaben und mit zusätzlichen Missionen. Das muss man sich in Mad Max nicht vorstellen wie in The Witcher 3 oder in GTA 5, wo selbst Nebenjobs in eine aufwendige Story verpackt sind. Stattdessen liefern wir uns während einer Fahrt einen Autokampf gegen Banditen, sammeln in Hunderten von sogenannten Suchbereichen nach Schrott und zerstören die Wachtürme eines Gegners, indem wir sie mit möglichst viel Nachbrennerschub über den Haufen fahren - heilig's Blechle!

Fast alles davon wirkt generisch, also nach dem immer gleichen Muster in der Landschaft untergebracht. Mad Max spricht so eher die Sammler und Trophäenjäger als die Abenteurer unter den Spielern an - aber bei uns hat das System ganz gut funktioniert. Hier noch ein Kampf, um an bessere Autokomponenten zu gelangen, dort noch ein paar Erfahrungspunkte für den Ausbau der Fähigkeiten von Max. Und schon ist eine halbe Stunde bei nicht erstklassiger, aber vergleichsweise entspannter Unterhaltung vergangen.

Kampfsystem und das Fazit

Dieses Spielgefühl zieht sich durch viele Elemente von Mad Max. Es gilt auch für die Nahkämpfe: Immer wieder müssen wir etwa Banditen in Prügeleien von ihrem traurigen Schicksal erlösen. Das Kampfsystem ist von der Batman-Serie abgekupfert - einem Spiel, das über den gleichen Publisher (Warner Bros Interactive Entertainment) entstanden ist.

Mad Max - Gameplay Trailer (Gamescom 2015)
Mad Max - Gameplay Trailer (Gamescom 2015) (02:54)

Zwar sind die Schlägereien in Mad Max weniger komplex, die Steuerung und Feindaufschaltung funktioniert nicht ganz so perfekt wie beim Kollegen Batman. Aber nach kurzer Eingewöhnung hat uns das Ganze dann doch Spaß gemacht, auch wenn sich das Schema trotz kleinerer Fähigkeiten-Upgrades im Spielverlauf kaum ändert. Generell ist der einzige Schwierigkeitsgrad in Mad Max irgendwo zwischen "fair" und "zu einfach" angesiedelt - erfahrene Spieler dürften sich unterfordert fühlen.

So haben wir etwa irgendwann gemerkt, dass wir in vielen Autokämpfen unser Vehikel auch einfach verlassen können. Die Gegner versuchen dann zwar noch ein paarmal, uns umzufahren - aber da können wir so gut wie immer problemlos ausweichen. Nach ein paar Augenblicken steigen die Feinde ebenfalls aus ihrem Wagen und lassen sich mit ein paar Faustschlägen oder einem Schuss aus unserer Schrotflinte so gut wie immer erledigen.

Das Spiel ist beim schwedischen Entwicklerstudio Avalanche(öffnet im neuen Fenster) entstanden, das parallel übrigens für Square Enix am Sandbox-Actionspiel Just Cause 3 arbeitet. Beide Titel basieren auf der hauseigenen Avalanche Engine, die sich in Mad Max gut macht. Insbesondere die detailreiche, vielfältige und flüssig dargestellte Landschaft sowie die sehenswerten Wettereffekte wie Sandstürme machen einen starken Eindruck.

Mad Max ist für Windows PC (rund 40 Euro) sowie für Playstation 4 und Xbox One (rund 60 Euro) erhältlich. Das Programm enthält deutsche Bildschirm- und Menütexte sowie (sehr kleine) Untertitel. Die sind auch nötig, denn deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, und das teils auch noch genuschelte Australisch der Originalsprecher ist kaum zu verstehen. Schnitte inhaltlicher Art gibt es keine, die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Die ersten paar Stunden in Mad Max machen richtig gute Laune! Ständig passiert was Neues, es gibt schön animierte Schlägereien und rasante Verfolgungsjagden. Dazu kommen eine sehenswerte Landschaft und der eine oder andere skurrile Charakter.

Auf Dauer gibt es aber zu wenig Abwechslung. Die Kämpfe etwa fanden wir die ersten paar Male zwar herausfordernd - aber als wir den Dreh raushatten, blieb fast nur Routine. Ähnliches gilt für andere Spielsysteme, von der Suche nach Schrott bis zum Erkunden der Umgebung. Auch die Story hat uns nicht richtig gepackt, zumal der anarchisch gemeinte Humor nur selten zündet.

Aber trotz seiner Schwächen bleibt Mad Max vermutlich noch länger auf unserer Festplatte. Wer kein extrem schweißtreibendes Spektakel sucht, sondern nach Feierabend einfach mal eine halbe Stunde mit spaßiger Baller- und Fahr-Action in eine offene Welt eintauchen möchte, macht mit diesem solide gemachten Abenteuer wenig falsch.


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