MacOS 26 ist da: Wie ... kaum Bugs?!
Drei Dinge sind sicher im Leben: der Tod, die Steuer – und das jährliche Upgrade für Apples Betriebssysteme. Nach langer Stagnation in Sachen Usability und Versionierung hat Apple sich im Sommer zu einem etwas größeren Schritt entschlossen: Alle Betriebssysteme – also MacOS, iOS, iPadOS, watchOS und tvOS – tragen jetzt die gleiche Versionsnummer, nämlich die des Folgejahres. Und alle Betriebssysteme werden mit der neuen Liquid-Glass-Oberfläche ausgestattet.
Liquid Glass hatten wir beim ersten Check der Betaversionen ja zunächst eher als störend empfunden. Doch dieser Eindruck täuschte: Apple brauchte in der Betaphase nur ein paar Anläufe, um das neue Liquid-Glass-Design anzupassen.
Es wobbelte ordentlich, viele Elemente schienen durch, alles wirkte ein wenig wie durch Gummibärchen betrachtet. Manch ein User fürchtete schon eine Neuauflage der unglückseligen Aero-Glass-Versuche in Windows Vista.
Liquid Glass wurde deutlich reduziert
Zunächst eine Entwarnung: Viel geblieben ist davon in der finalen Version nicht! Offensichtlich ruderte Apple im Lauf der Betaphase zurück und entschärfte Liquid Glass deutlich. Hier wobbelt nichts mehr.
Dadurch sieht MacOS 26 nun wieder aus, wie MacOS eben seit Jahren aussieht, nur freundlicher und minimalistischer. Man möchte fast sagen: kindlicher. Denn die Symbolleisten in Systemapplikationen wie dem Finder, Safari, Mail oder Apple Music sind gegenüber MacOS 15 Sequoia deutlich gewachsen und wurden gleichzeitig optisch reduziert.
Was bei Safari sehr gut funktioniert, sorgt in komplexeren Apps wie Apple Mail, das ohnehin schon seit vielen Betriebssystemversionen einer Komplettüberarbeitung der Oberfläche harrt, eher für Frust als für Lust: Altbekannte Symbole sind weniger abgesetzt und schwerer zu erkennen. Hinzu kommt, dass Apple hier auch noch Apple Intelligence stärker integriert und einen dicken, bunten "Zusammenfassen"-Knopf an jeder Mail anzeigt. Dessen Ergebnisse sind, Apple-Intelligence-typisch, auch unter MacOS 26 Tahoe eher von der schlechteren Sorte.
Inkonsistenzen werfen Fragen auf
Weniger gut gelungen ist dann auch die Konsistenz der neuen Oberfläche: Während zum Beispiel die Lautstärke- und Helligkeitssteuerung sowie das Kontrollzentrum in Liquid Glass erscheinen, werden Widgets oder Menüzeilen-Menüs nach wie vor "klassisch" und nicht durchscheinend angezeigt.
Und es wird noch kurioser: Eine neue Option "Widgets abdunkeln" in den Desktop-Einstellungen erlaubt durch Einstellen von "Immer", Widgets in den Liquid-Glass-Modus zu setzen – aber nur solche, die auf dem Desktop liegen. Eine entsprechende Option für die Menüzeile fehlt.
Solche Inkonsistenzen hinterlassen bei einigen Nutzern große Fragezeichen. Schließlich wurde Liquid Glass groß angekündigt. In der Finalversion ist davon tatsächlich wenig übrig geblieben.
Funktional erstaunlich rund
Ganz anders sieht es bei der Funktionalität aus – die ist für die erste Ausgabe einer MacOS-Version erstaunlich rund. Das System arbeitet flott und ohne die Hardware unnötig zu belasten, und das auch auf den doch schon recht betagten M1-Geräten. Tägliche Arbeiten gehen wie gewohnt von der Hand, auch wenn hier bei so mancher Drittanbieter-App noch die Anpassung an die neue Benutzeroberfläche fehlt.
Typische Bugs, wie sie bei neuen MacOS-Versionen fast schon Tradition sind, sind uns in der Praxis nicht aufgefallen: Bluetooth, WLAN und externe Laufwerke arbeiten an unserem Tahoe-Testsystem genauso sauber wie am Vergleichs-Mac mit dem schon viele Male aktualisierten MacOS 15.6.1 Sequoia. Möglich, dass man sich statt auf Eye-Candy-Optimierung diesmal auf ein halbwegs fehlerfreies Start-Release konzentriert hat.
App-Updates: Wieder einmal Evolution statt Revolution
Funktional bleibt in MacOS, wie auch bei den System-Apps, alles beim Alten. Die bahnbrechendste Neuerung an der Oberfläche ist sicherlich die Möglichkeit, MacOS nun optisch anzupassen. Wer mag, kann Elemente wie das Dock durchscheinend oder einfarbig gestalten. Apple hat das gut gelöst: Auch Apps, die noch nicht an Tahoe angepasst wurden, werden im Dock passend zum Rest angezeigt, wodurch an dieser Stelle alles optisch einheitlich bleibt.
Wer einen Blick unter die Haube wirft, sprich die Einstellungen der Apps öffnet, findet hier die altbekannten Optionen, die sich nur wenig von den Vorgängern unterscheiden. Die wohl größte "Änderung" wurde der Musik-App verpasst, die jetzt ein wenig anders aussieht als all die Jahre zuvor und ein wenig abgespeckt wurde.
Viele Verbesserungen unter der Haube
Tatsächlich sind die interessantesten Neuerungen in MacOS 26 Tahoe unter der Haube zu finden: Apple verspricht zum Beispiel ein deutlich besseres Zusammenspiel mit anderen Geräten wie iPhones, iPads oder anderen Macs. In Cupertino wurde offensichtlich an Sidecar gefeilt: Die Verbindung zu den Endgeräten mit gleichem oder älteren Versionsstand funktioniert wie von Apple versprochen deutlich reibungsloser als in älteren MacOS-Versionen. Bei der neuen Endgeräte-Generation, die wie die neuen iPhones Bluetooth 6 an Bord haben dürfte, soll das noch einmal besser laufen.
Ohnehin macht MacOS 26 Tahoe vom Start weg einen guten Eindruck: Es gibt eine ganze Reihe kleiner Verbesserungen in den Standard-Apps. So beherrscht Notizen jetzt einen Export als Markdown. Und die KI-gestützte Suche der Fotos-App ist jetzt noch treffsicherer. Alles in allem sind das kleine, aber feine Optimierungen, die Lücken schließen und das Gesamterlebnis mit dem Betriebssystem im 2025er-Upgrade deutlich verbessern.
Neue Spotlight-Suche ist in der Praxis ausgesprochen nützlich
Wirklich neu ist hingegen nur die rundum erneuerte Spotlight-Suchfunktion: Sie war bislang eher simpel und bekommt mit MacOS 26 ein deutliches Update mit KI-Unterstützung. So kann gezielt in Apps, Dateien, Aktionen und der Zwischenablage gesucht werden, die ihrerseits erweitert wurde: Über Spotlight besitzt der Mac jetzt einen rudimentären Clipboard-Manager, der automatisch kopierte Inhalte sichert und sie durchsuchen kann. Apps wie Maccy(öffnet im neuen Fenster) oder Paste(öffnet im neuen Fenster) werden dadurch zwar nicht überflüssig. Doch in vielen Fällen werden sie tatsächlich nicht mehr benötigt.
Apple nahm sich zudem Produktivitäts-Apps wie Alfred zum Vorbild(öffnet im neuen Fenster), die es ermöglichen, den Mac direkt über die Tastatur zu steuern. Das neue Spotlight ist auch hier bei Weitem nicht so leistungsfähig, erlaubt aber die Verwendung vieler App-Funktionen direkt über die Suchzeile. Schnell eine Nachricht verschicken, eine Erinnerung erstellen oder eine Notiz machen? Kein Problem – und das ohne die Finger von der Tastatur nehmen zu müssen!
Zudem ist das System offen für Drittanbieter: KI-gestützte Apps wie Perplexity haben entsprechende Spotlight-Funktionen bereits integriert, wodurch sich die KI ebenfalls direkt via Spotlight nutzen lässt. Dank der Möglichkeit, Schnelltasten zu definieren, etwa "ns" für "Nachricht senden", geht das alles wunderbar leicht von der Hand – und beschleunigt die Arbeit am Mac zum Teil deutlich.
Das Ende der Intel-Ära rückt näher
Obwohl der Gesamteindruck positiv ist, hat das MacOS-Upgrade wieder einmal ein "Geschmäckle". Denn Apple nutzt Tahoe dazu, viele ältere Intel-Macs aus dem Spiel zu nehmen, darunter solche, die eigentlich für den größten Teil der Funktionen mehr als genug Leistung hätten, zum Beispiel diverse iMacs und Macbooks vor dem Modelljahr 2020. Damit dürfte Tahoe das letzte MacOS sein, das überhaupt noch für Intel-Systeme ausgeliefert wird.
Auf der Habenseite kann man Apple an dieser Stelle zugutehalten, dass sich Tahoe nicht durch Uralt-Hardware bremsen lässt: Durch den Umstieg auf Apple Silicon und den M1-Prozessor 2020 wurde die Systemleistung selbst einfachster Macs wie des Einstieg-Macbook-Air deutlich erhöht und überflügelte aus dem Stand fast alle Intel-Systeme.
Sich hier aus Gründen der Kompatibilität zu Alt-Aluminium einzuschränken, sieht Apple nicht ähnlich (und fördert natürlich auch die Absatzzahlen). Nutzer entsprechender Macs schauen leider in die Röhre, was jedoch nicht schlimm ist: MacOS Sequoia erhält noch mindestens zwei Jahre Sicherheits-Updates.
Fazit: Ein erstaunlich rundes Upgrade
In den letzten Jahren wurde seitens Apple-Nutzern zurecht viel darüber gemeckert, dass Start-Releases von MacOS so verbuggt sind, dass teilweise sogar Kernfunktionen wie die Verwendung externer Festplatten nicht rundliefen. Hier hat Apple bei MacOS 26 Tahoe viel richtig gemacht: Das System läuft vom Start weg rund, und viele clevere Features machen das Mac-Erlebnis tatsächlich besser, ohne dass nervige Bugs auffallen.
Völlig bugfrei wird auch MacOS 26 Tahoe nicht sein, aber zumindest so gut, dass interessierte Privatnutzer sich die neue Version direkt installieren können. Nutzer in Produktivumgebungen mit spezieller Software oder speziellen Hardwaretreibern sollten wie immer zunächst abwarten, bis Apple das erste Update zum Upgrade liefert. Das homogenisiert dann vielleicht auch die inkonsistente Liquid-Glass-Optik.
Wer möchte, kann MacOS 26 aber auch ohne Risiko testen: Die Open-Source-App Virtualbuddy(öffnet im neuen Fenster) erlaubt die Installation als virtuelle Maschine.
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