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Macbook Pro Retina im Test: Teuer, scharf und leise

Ein von Apple sogenanntes Retina-Display wird nun auch im Macbook Pro verbaut. Golem.de gefällt sowohl die scharfe Bilddarstellung als auch der Wechsel der virtuell nutzbaren Auflösungen. Nur der Energiebedarf des Displays mit 2.880 x 1.800 Pixeln ist enorm.
/ Andreas Sebayang
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Das neue Macbook Pro wäre mit Windows und langsamerem Prozessor ein Ultrabook. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Das neue Macbook Pro wäre mit Windows und langsamerem Prozessor ein Ultrabook. Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Apple hat nicht nur die normalen Macbook Pro aktualisiert , sondern auch ein ganz neues vorgestellt, das in Teilen auch das 17-Zoll-Modell ablöst: das Macbook Pro 15 Retina. Es ist eine komplett neue Konstruktion. Vereinfacht beschrieben, ein Ultrabook mit Quad-Core-Prozessor. Obendrein gibt es dedizierte Grafik, das Retina-Display mit 2.880 x 1.800 Pixeln und eine Gewichtsreduktion von 2,5 kg auf rund 2 kg.

Macbook Pro mit Retina Display - Test
Macbook Pro mit Retina Display - Test (04:14)

Um die Pixel des sogenannten Retina-Displays auch bei Grafikanwendungen ansteuern zu können, hat Apple eine Geforce GT 650M(öffnet im neuen Fenster) mit 1 GByte eigenem Speicher verbaut. Diese GPU übernimmt bei Bedarf, also beispielsweise bei Spielen, die Grafikarbeit des Core-i7-3615QM(öffnet im neuen Fenster) , der in unserem Testmuster steckt. Außerdem hat unser Muster eine 256 GByte große SSD sowie 8 GByte RAM. Es ist das Einstiegsmodell, das bereits deutlich über 2.000 Euro kostet und nicht aufgerüstet werden kann.

Die Konstruktion wurde so grundlegend verändert, dass einige Teile der Macbook-Pro-Serie nun nicht mehr zur Standardausstattung gehören. Neben verschwundenen, aber auch hinzugekommenen Schnittstellen fällt vor allem auf, dass das optische Laufwerk weggefallen ist. Insgesamt hat es Apple geschafft, das Gehäuse mit Standfüßen auf etwa 18,5 mm Höhe zu reduzieren.

Damit ist das leichte und flache Notebook recht gut ausgestattet. Uns interessiert im Test vor allem, wie sich das neue Panel macht und ob Apple es schafft, dieses leistungsstarke Notebook trotz beengter Platzverhältnisse annehmbar leise zu kühlen.

Gute Ausleuchtung, aber spiegelndes IPS-Panel

Das Next Generation Macbook Pro hat ein extrem gutes Display mit einer bis dato in einem normalen Notebook, aber auch in einem Monitor nicht gesehenen Auflösung. 2.880 x 1.800 Pixel bietet das Panel und nutzt laut Apple die IPS-Technik.

IPS-Panel sind im Notebookbereich etwas Seltenes. Einige Outdoor-Notebooks sowie Convertibles haben sie, manchmal zu einem heftigen Aufpreis. Lenovo bietet sie in seinem Thinkpad X220 an und Asus setzt ganz neu auch auf diese hochwertigen Panels. Die neuen Ultrabooks der Zenbook-UX-Serie bieten auf kleinem Raum Full-HD-Auflösung und sogar eine matte Oberfläche. Ein Vorteil der eigentlich ziemlich alten IPS-Technik ist vor allem die Blickwinkelunabhängigkeit. Ob von oben oder - bei Notebooks häufig extrem schwierig - von unten: Der Blick aufs Bild wird bei einem IPS-Panel nur wenig getrübt. Bei TN-Paneln invertiert hingegen die Farbdarstellung schnell.

Einen direkten Vergleich haben wir nur mit dem Thinkpad X220 und einem 2740p mit der jeweils blickwinkelstabilen Displayoption. Im Unterschied zu Lenovos IPS-Panel hat das Apple-Panel keine Probleme mit der Ausleuchtung. Screen Bleeding von unten und oben ist bei Notebooks leider normal, so auch beim IPS-Panel vom Thinkpad X220 und das uns vom Typ unbekannte Outdoor-Panel (BOE-Hydis). Apple gibt sich hingegen keine Blöße. Auch die Farbdarstellung gefällt uns.

Die Aussage, dass die Reflexionen des Macbook Pro um 75 Prozent reduziert wurden, ist hingegen Mogelei. Zwar spiegelt das Macbook Pro tatsächlich weniger als die alten Pro-Modelle und ist damit auf dem Niveau der spiegelnden Macbook Air. Das liegt aber daran, dass Apple nun auf eine Doppelverglasung verzichtet. Statt vor ein spiegelndes Display eine zusätzliche spiegelnde Scheibe zu setzen, sind Display und Frontglas nun vereint - auch ein Grund für die Gewichtsreduktion. Zudem ist der Displayrahmen etwas schmaler ausgefallen, so dass das 15-Zoll-Notebook nicht mehr ganz so breit wie die alten Macbook Pro 15 ist. Ähnliches haben wir auch schon im Test des Ultrabooks XPS 13 von Dell gesehen . Stabilität von hinten ist durch den Aludeckel des Macbooks weiter gewährleistet. Von vorne kann hingegen Druck ausgeübt werden, das Panel gibt etwas nach.

Retina-Display macht einige Displayoptionen überflüssig

Displayoptionen gibt es für dieses Notebook nicht mehr. Leider gibt es auch keine matte Variante, die hier sehr wünschenswert wäre, wenngleich die alten matten Panel weder an die Schwarz- noch die Farbdarstellung des Retina-Displays herankommen. Erfreulich ist hingegen, dass sich der Nutzer mehr oder weniger die Auflösung, die er effektiv nutzen will, aussuchen kann.

2.880 x 1.800 Pixel stehen allerdings nicht als nutzbare Fläche zur Verfügung, offiziell zumindest. Wie das aussehen kann, haben wir mit Starcraft 2 herausgefunden (siehe Bildergalerie). Wird das Spiel im Fenster-Vollbildmodus betrieben statt im normalen Vollbildmodus, muss auch Mac OS X selbst in die Auflösung 2.880 x 1.800 Pixel wechseln. Dann ist alles ziemlich klein. Mit dieser Auflösung lässt sich durchaus arbeiten, auf die Dauer ist das aber arg anstrengend. Es ist daher verständlich, dass Apple virtuell nur niedrigere Auflösungen unterstützt.

Offiziell unterstützt Apple mit dem Display fünf niedrigere Auflösungen unterschiedlicher Qualität. Anwendungsentwickler haben die Möglichkeit, die volle Retina-Auflösung zu nutzen, was aber eine Anpassung an das Retina-Display erfordert. Mit einigen Updates hat Apple das schon gemacht und auch Mac OS X selbst ist daran angepasst. Das gilt dann etwa für Teilbereiche wie die Anzeige von Fotos oder Grafiken. Bedienungselemente bleiben hingegen schön groß.

Die Standardeinstellung und zugleich die mit der besten Bildqualität ist genau ein Viertel des Panels: 1.440 x 900 Pixel hat der Anwender dann virtuell. Die zusätzlichen Pixel nutzt Apple unter anderem, um Schrift besonders scharf darzustellen. In Aperture sieht der Nutzer mehr Details in den Vorschaubildern - hier wird die native Auflösung direkt umgesetzt - oder bei den Fotos selbst. Es reicht für eine 1:1-Darstellung von 5-Megapixel-Fotos. Was größer ist, muss weiterhin skaliert werden, oder der Anwender muss scrollen.

Wer effektiv, also mit dem Interface, mehr Platz braucht, kann die Auflösungen 1.680 x 1.050 oder 1.920 x 1.200 nutzen. Alles wird dann entsprechend kleiner und Apple skaliert so gut es geht auf diese Auflösungen herunter. Das gelingt im System auch sehr gut. Zwar ist die Darstellung minimal unschärfer, das ist aber nur bei genauem Hinsehen sichtbar - kein Vergleich zu dem, was bisher passierte, wenn die Auflösung einfach angepasst wurde.

Auch die virtuellen Auflösungen 1.024 x 640 und 1.280 x 800 Pixel existieren. Das ist vor allem für Nutzer interessant, die nicht so gut sehen können.

Etwas lächerlich: Apple hat keine neuen Hintergrundbilder in das Image des Betriebssystems integriert. Dementsprechend wirken diese Bilder sehr grob. Ärgerlich sind Anwendungen, die auf ihre eigene Art und Weise Schrift darstellen. So sieht die Schrift in Steam zum Teil sehr grob aus. Prinzipbedingt sind Grafiken, zum Beispiel auf Webseiten, nicht so schön scharf, denn diese werden wie gehabt gerendert. Apples Garageband zeigt ebenfalls keine schönen Grafiken an.

Doppel-Thunderbolt für professionelle Anwendungen

Mit der Einführung des Retina-Macbooks wurde das Macbook Pro 17 eingestellt und damit das letzte Gerät, das noch einen Expresscard-Schacht bot. Gerade Profiequipment braucht die Erweiterungsmöglichkeiten des Schachts, denn der ist schlicht sehr viel schneller als herkömmliche Schnittstellen. Thunderbolt - jetzt in zweifacher Ausführung - ist die Ablösung, doch der Umstand, dass erstaunlich viel Equipment kein Daisy-Chaining erlaubt, stört. Da ist es nur logisch, dass Apple bei einem Rechner, der auch für Videoschnitt geeignet ist, eine zweite Thunderbolt-Schnittstelle verbaut.

Über diese lassen sich wie zu erwarten auch Monitore anschließen. In einem kurzen Test gelang es uns, maximal zwei Monitore anzuschließen und dabei das Notebook-Display aktiv zu lassen. Ein dritter externer Monitor wird leider nicht aktiv geschaltet, egal in welcher Kombination. Wer drei Thunderbolt-Displays anschließt, kann maximal zwei nutzen. Zudem wird eines der beiden Thunderbolt-Displays abgeschaltet, sobald ein Displayport-Gerät aktiviert wird.

Das Macbook hat mit der Displayerkennung einige Probleme und reagiert empfindlich auf den Standby-Modus. Danach funktionieren die Displays unter Umständen nicht mehr. Manchmal hilft ein Ein- und Ausstecken, in einer anderen Situation half nur ein Neustart des Macbooks.

Viele Anschlüsse und doch irgendwie zu wenige

Apple hat bei den Anschlüssen einiges geändert. Dabei sind einige schlicht verschwunden. Altes Firewire-800-Zubehör muss mit dem Thunderbolt-auf-Firewire-800-Adapter angeschlossen werden. Der kostet 30 Euro extra. Auch Gigabit-Ethernet fehlt und ist nur über einen Thunderbolt-Adapter möglich, den Apple separat verkauft. Als Alternative gibt es Dual-Band-WLAN mit maximal 450 MBit/s brutto. Das wird der internen SSD aber nicht gerecht.

Apple unterstützt jetzt zudem USB 3.0 - und zwar auf beiden Seiten des Notebooks. Im Unterschied zum Macbook Air bietet das Macbook Pro Retina viele Anschlüsse, aber trotzdem muss der Anwender gerade bei Altequipment einige Kompromisse inklusive Kabelsalat eingehen. Eine Alternative ist nur eine der teils sehr teuren Thunderbolt-Docking-Stationen. Matrox und Belkin haben solche bereits vorgestellt, aber sie sind noch nicht auf dem Markt.

Apple hat für das neue Macbook Pro zudem den Magsafe-Anschluss verändert. Der ist jetzt länglicher, aber dafür flacher. Alte Steckernetzteile passen nur mit einem Magsafe-Adapter für 10 Euro. Das ist vor allem für Besitzer der ziemlich neuen Thunderbolt-Displays ärgerlich. Das neue 85-Watt-Netzteil lässt sich nicht an alten Macbooks betreiben.

Zur weiteren Ausstattung gehören Bluetooth 4.0, zwei Mikrofone, eine 720p-Webcam sowie ein Headset-Anschluss.

Der Matratzentest ist für die trägen Lüfter kein Problem

Das Notebook ist mit 18,5 mm inklusive Standfüßen ziemlich dünn, hat einen Quad-Core-Prozessor mit Turboboost und obendrein dedizierte Grafik - eigentlich Voraussetzungen dafür, dass ein System sehr laut wird. Was wir tatsächlich hörten, überraschte uns. Bei ganz normalen Arbeiten ohne CPU-Last ist der Lüfter fast gar nicht hörbar. Er schaltet zwar nicht ab, aber die 2.000 U/min sind nicht wahrnehmbar. Wir mussten schon mit dem Ohr an der entsprechenden Stelle lauschen, um überhaupt etwas zu hören.

Doch selbst unter Prozessorlast stören die beiden Lüfter nicht. Wenn sie auf 4.000 bis 5.000 U/min hochfahren, sind die Geräusche immer noch erträglich. Nur beim Spielen drehen die Lüfter hoch, da die Grafikkarte zusätzliche Hitze produziert. Dann nervt die Geräuschkulisse, auch wenn sie angenehmer ist als bei den alten Macbook Pro. Die recht guten Lautsprecher des Notebooks können die Lüfter übertönen (ab Stufe 10 bis 13).

Träge Lüfter halten das Macbook leise

Ein Macbook Pro 17 des vergangenen Jahres tourt beim Cinebench bereits innerhalb weniger Sekunden auf 5.500 U/min hoch und ist dann unangenehm laut. Um sich wieder abzukühlen und leise zu werden (2.000 U/min), braucht das alte Notebook 2:20 Minuten. Beim Retina-Macbook braucht es mindestens fünf Benchmarkdurchgänge, um in den Bereich der 3.000 U/min zu kommen, also fast 6 Minuten Volllast auf die CPU-Kerne. 4.500 U/min sind erst nach 10 Minuten Last erreicht. In weniger als einer Minute kühlt das Notebook dann stark genug ab, um die Lüfter von 4.500 in den unhörbaren Bereich von 2.500 U/min zu bringen.

Apple hat eigenen Angaben zufolge das Lüftungssystem so weit optimiert, dass die Schaufelräder selbst schon dafür sorgen, dass Lärm vermieden wird. Tatsächlich ist das Lüftungsgeräusch etwas angenehmer. Es sind aber vor allem die niedrige Drehgeschwindigkeit und die Trägheit des Lüftungssystems, die offenbar selbst im niedrigen Drehzahlbereich sehr gut Abwärme aus dem Gehäuse leiten können.

In der Praxis bedeutet dies, dass eine schnelle Videokonvertierung oder ein Import von Fotos keinen Krach bedeutet. Auch das Abspielen eines kurzen Flashvideos nervt nicht mehr. Eine deutliche Verbesserung verglichen mit den Vorgängernotebooks. Es hilft aber nichts bei Anwendungen oder gar Webseiten, die eine hohe Grundlast erzeugen.

Die seitlichen Lufteinlässe lassen befürchten, dass das Notebook überhitzen könnte. So war es bei Dells XPS 13 , das seine Luft von unten einzieht. Das Ultrabook führte beim Spielen auf einer Matratze nach wenigen Spielminuten einfach eine Notabschaltung durch. Beim Asus UX31 war das nicht so, aufgrund der besseren Konstruktion überhitzt es nicht, obwohl es ebenfalls die Luft von unten einzieht. Das Macbook Pro Retina überhitzte beim Spielen von Diablo 3 auf einer Matratze ebenfalls nicht, da es die Luft etwas seitlich im unteren Bereich einzieht. Die Form des Gehäuses sorgt außerdem für einen Bodenabstand von etwa einem halben Zentimeter. Apple kann so auch auf übergroße Standfüße verzichten. Damit sind weiche Matratzen kaum ein Problem.

Dennoch ist ein guter und ebener Untergrund von Vorteil. Das Notebook ist dann nochmals etwas leiser. Wer unter Last das Notebook gar herumträgt, bekommt die Lüfter nicht über 3.500 U/min. Die Luftschlitze an der Seite sind übrigens laut Apple auch für den niederfrequenten Ton zuständig, der von den Lautsprechern kommt. Wir konnten aber keinen Unterschied hören, wenn wir die Schlitze abdeckten.

Die Akkulaufzeit reagiert enorm auf die Helligkeitseinstellungen

Für den Batterietest haben wir verschiedene Szenarien durchgespielt, um herauszufinden, ob das Notebook wirklich die angegebenen 7 Stunden Laufzeit durchhält. Normalerweise sind die Werte von Apple durchaus realistisch. Beim Macbook Pro mit Retina-Display lagen wir tendenziell darunter. Der Akku bietet eine Kapazität von 95 Wattstunden, ist also sehr viel größer als der Akku des schwereren alten Macbook Pro mit nur 78 Wattstunden. Eine längere Laufzeit ergibt sich dadurch nicht, denn das neue Display benötigt enorm viel Strom. Für unsere Tests ist WLAN immer aktiv, Bluetooth inaktiv.

Apples Laufzeitangaben werden nur in Ausnahmefällen erreicht

Wir haben nur beim Nichtstun Werte oberhalb der 7 Stunden erreicht. Bei mittlerer Helligkeit kommt das Macbook Pro Retina dann auf 7:25 Stunden. Kurze Tests mit Helligkeitseinstellungen ergeben, dass das Display die Akkulaufzeit maßgeblich beeinflusst. Wer statt mittlerer Helligkeit volle Helligkeit einstellt, verliert über 2 Stunden Laufzeit. Anhand der Akkukapazität lässt sich so schnell ausrechnen, dass schon im Ruhebetrieb das Notebook eine elektrische Leistungsaufnahme von fast 20 Watt hat. Tests mit einem Strommessgerät bestätigten dies, wenngleich offenbar Stromsparmechanismen im Netzbetrieb deaktiviert sind: Bei mittlerer Helligkeit werden rund 19 Watt angezeigt und bei voller Helligkeit fast 23 Watt. Setzen wir noch Last an, steigt das auf fast 70 Watt (Cinebench R11.5) und Spitzenwerte von 77 Watt (Diablo 3).

Schon beim Nichtstun hoher Energiebedarf

Ein testweise abgeschaltetes Display reduziert die Leistungsaufnahme auf etwa 17 Watt. Auch das ist ein extrem hoher Wert. Die Ergebnisse decken sich also mit dem, was sich schon bei unserem iPad-3-Test zeigte . Das Retina-Display ist ein wahrer Stromfresser und alle Fortschritte in der Akkutechnik nutzt Apple für dieses Display.

Um die Mindestakkulaufzeit zu ermitteln, haben wir eine Runde Starcraft 2 bei voller Helligkeit gespielt und kamen dabei auf gute 1:34 Stunden. Hierbei musste zusätzlich eine Maus mit Energie versorgt werden. In den letzten 5 Minuten ging aber offenbar ein Stromsparmodus in Betrieb. In dieser Zeit ruckelte das sonst weitgehend flüssige Spiel bei 2.880 x 1.800 Pixeln sehr deutlich. Wer nur Filme guckt, kommt auf 4:10 Stunden bei voller Helligkeit. Wir haben als Beispielvideomaterial die Community-Folge Digital Estate Planing (1080p) in einer Dauerschleife verwendet. Es handelt sich um eine MP4-Datei aus dem US-iTunes-Store.

Beim Laden zieht das Netzteil fast 90 Watt aus der Steckdose, wenn das Notebook lädt und aktiv ist. Im ausgeschalteten Zustand sind es etwa 70 Watt. Leider fehlt ein Ladeindikator an der Seite, so dass im geschlossenen Zustand keine genaue Beurteilung des Ladezustands möglich ist.

Benchmarks - das Notebook schafft Diablo 3 mit 2.880 x 1.800 Pixeln

USB 3.0 haben wir nur kurz vermessen. Mit einer etwas älteren USB-3.0-Festplatte (Lacie P9220) erreichten wir etwa 70 MByte/s. Mit einer SSD ist vermutlich viel mehr möglich. Wir haben dies aber nicht getestet. Uns ging es nur darum herauszufinden, ob USB-3.0-Festplatten an Macs überhaupt profitieren. Sie sind jetzt eine Alternative in der Mac-Welt, vor allem zu den sehr teuren Thunderbolt-Festplatten.

Um die reine Rechenleistung zu beurteilen, haben wir den Cinebench R11.5 benutzt. Damit erreicht der Core i7-3615QM rund 6,15 Punkte. Als Vorgängermodell des Macbook Pro haben wir ein 17-Zoll-Modell mit einem i7-2820QM (2,3 GHz) verwendet, das nur auf 5,32 Punkte im Cinebench kommt. Zum Vergleich: Ein C ore i7-3720QM im Asus G75 schafft 6,82 Punkte unter Windows. Ein iMac des vergangenen Jahres mit Core-i7-2600 erreicht 6,68 Punkte. Wie enorm die Leistungszuwächse im Notebookbereich der vergangenen Jahre waren, zeigt ein Vergleich mit einem Mac Pro aus dem Jahr 2008 mit Xeon E5420(öffnet im neuen Fenster) : Dieser schafft mit 6,55 Punkten zwar immer noch mehr als unser Testmuster, besitzt aber auch zwei Prozessoren mit jeweils vier Kernen. Der Core i7 hat hingegen vier Kerne plus Hyperthreading. Wir gehen davon aus, dass das etwas schneller getaktete Modell des Retina-Macbooks sehr nahe an diesen Mac Pro herankommt.

Diablo 3 mit voller Auflösung

Mit rund 15 bis 20 Bildern (Vsync aus, alles auf hoch, AA aktiv) in der Auflösung 2.880 x 1.800 Pixeln beim Wandern in der Welt von Diablo 3 schafft das Macbook Pro einen erstaunlich hohen Wert. Wer die Einstellungen reduziert, bekommt teils die doppelten Werte. Es empfiehlt sich, die Schattendarstellung und die Kantenglättung zu reduzieren. Das Notebook ist also spieletauglich, auch wenn die Auswahl unter Mac OS X weiterhin sehr gering ist. Wie wir festgestellt haben, ist der Grafiktreiber der Geforce GT650M noch nicht fehlerfrei. Wer zwischendurch in den Standby-Modus wechselt, verliert Leistung beim Spielen. Außerdem fällt manchmal HDCP aus, so dass ohne Neustart keine geschützten Videos mehr abgespielt werden können.

In Diablo 3, wie auch bei Starcraft 2, ist es möglich, die native Auflösung anzupassen. Während das bei Starcraft nicht bemerkbar ist, werden die Figuren bei Diablo 3 aber arg klein. Ein kommender Patch soll eine Anpassung an das Retina-Display bringen. Das Bild sieht derzeit nur bei 2.880 x 1.800 Pixeln gestochen scharf aus. Wer mit 1.440 x 900 Pixeln spielt, sieht vom scharfen Display nichts. Im Gegenteil, der Retina-verwöhnte Anwender empfindet das Bild als unscharf. Ein kommender Patch sollte dies ändern, so dass das Spiel auch bei dieser Auflösung vom Retina-Display profitiert. Übrigens sind bei 2.880 x 1.440 Pixeln durchaus die Strukturen an scharfen Kanten, wie etwa von einem Schwert am Gürtel in Diablo 3, erkennbar. Kantenglättung lohnt sich trotzdem. Das menschliche Auge sieht dann noch einen deutlichen Unterschied, vor allem, wenn sich die Kanten langsam bewegen. Mit der Kamera ist der Effekt hingegen sehr schwer aufzunehmen.

Ältere Spiele wie Portal 2 oder Stacraft 2 sind für das Macbook Pro selbst bei der höchsten Auflösung kaum ein Problem. Valves Rätselspiel zeigte allerdings eine Eigenart: Die Entwicklerkonsole ist bei nativer Auflösung so klein, dass sie nicht mehr lesbar ist. Offenbar nutzen die Entwickler einen viel zu kleinen Font. Dafür bräuchte es wohl ein 400-PPI-Display.

Wer die systeminterne Skalierung auf 1.920 x 1.200 Pixel stellt oder auch andere Auflösungen aussucht, verliert beim Spielen übrigens Leistung. Diablo 3 zeigte bei 1.920 x 1.200 (Spieleeinstellung) in der Einstellung Retina (1.440 x 900 vervierfacht) noch Bildraten um die 30 FPS. Bei 1.920 x 1.200 Pixeln, sowohl im Spiel als auch den Systemeinstellungen, brach die Bildrate auf Werte knapp über 20 FPS ein. Die richtigen Einstellungskombinationen zu finden, ist also etwas komplizierter geworden. Den Flugsimulator X-Plane 10 haben wir separat in einem Artikel getestet . Uns interessierte vor allem der Vorteil von 2.880 x 1.800 Pixeln beim steuern eines Flugzeugs.

X-Plane 10 auf dem Macbook Pro Retina
X-Plane 10 auf dem Macbook Pro Retina (02:22)

Die SSD haben wir nur sehr kurz mit einem Praxisbeispiel getestet. Statt von einer DVD wurde die Installation von Starcraft 2 von der SSD selbst gestartet. Nach 2:06 Minuten war diese abgeschlossen. Zu kurz für das Spiel, um die Hintergrundgeschichte nochmal zu zeigen.

Fazit und Verfügbarkeit des Macbook Pro Retina

Apple verkauft sein neues Macbook Pro eigentlich bereits. Doch noch während unseres Tests sind die Lieferzeiten enorm nach oben gegangen. Vor Mitte Juli 2012 kann weder Apple noch Cyberport liefern.

Unser Testmuster ist das Einstiegsgerät zu einem Preis von fast 2.300 Euro. Es lässt sich noch mit 16 GByte RAM ausstatten. Das kostet dann 200 Euro extra und ist nur bei Apple möglich, da nur dort die Speichererweiterung als Built-to-Order-Option (BTO) angeboten wird. Einige wenige Händler verkaufen sie aber auch.

Wer eine SSD mit 512 GByte Kapazität haben will, muss zum nächsthöheren Gerät greifen, das mit einem 2,6-GHz-Quadcore-Prozessor rund 2.900 Euro kostet. 768 GByte kosten noch mal 500 Euro extra (ebenfalls BTO). Die Vollausstattung mit 16 GByte RAM, 2,7-GHz-Prozessor und dieser SSD kostet dann stolze 3.850 Euro.

Fazit

Apples Notebook ist ein absolutes Luxusgerät und hat denselben Effekt auf den Anwender wie vorher ein iPhone 4 oder das iPad 3: Wer dieses Display erst einmal in Aktion gesehen hat, findet danach alles andere unscharf oder grob aufgelöst. Das ungewohnt gestochen scharfe Bild will der Anwender nicht mehr missen. Displays mit sehr hoher Auflösung kommen jetzt auch in der Arbeitswelt an und werden Auswirkungen auf viele Bereiche der Softwareentwicklung und der Webseitenbetreiber haben. Andere Hersteller werden sicher bald nachziehen.

Die anderen Verbesserungen rücken damit in den Hintergrund, doch auch dort hat Apple respektable Arbeit geleistet. Ein Quad-Core-Notebook mit einer so kompakten Form und schneller dedizierter Grafik müssen andere erst hinbekommen.

Der Preis für die vielen Vorteile ist allerdings hoch. Er ist unser Hauptkritikpunkt. Das Gerät ist extrem teuer und wer die Anschaffung nicht mit Bedacht tätigt, ärgert sich sehr schnell, denn das Macbook Pro 15 mit Retina-Display lässt sich überhaupt nicht aufrüsten. Immerhin hat bereits die Grundausstattung 8 GByte RAM, eine Notwendigkeit für Mac OS X. Ein derart teures Notebook allerdings nur mit einer 256-GByte-SSD zu kaufen, würde für uns nicht in Betracht kommen. 512 GByte gibt es leider nur im teureren Modell: 2.900 Euro sind allerdings bereits weit oberhalb unserer Schmerzgrenze für ein Notebook, auch wenn uns das Retina-Display sehr gut gefällt. Außerdem ist anzunehmen, dass das teurere Modell etwas lauter als unser Testmuster ist, da der Prozessor 300 MHz schneller taktet.

Wer über den Preis und mangelnde Aufrüstbarkeit hinwegsehen kann, der bekommt mit dem neuen Macbook Pro ein sehr gutes und erstaunlich ruhiges Notebook im Ultrabook-Format, das in Sachen Leistung keine Kompromisse eingeht und selbst bei wenigen Minuten andauernden Lastspitzen schön leise arbeitet.


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