Mac Mini im Gaming-Test: Gaming-Zwerg auf Spielesuche

Unser Test hat dem Apple Mac Mini mit M4-Pro-Prozessor sowohl einen guten Funktionsumfang als auch hohe Leistung bescheinigt, auch in Spielen. Das macht ihn allerdings noch lange nicht zu einem guten Gaming-Rechner, wie unser spezieller Gaming-Test jetzt zeigt. Dabei ist das Potenzial vorhanden, wie einige Beispiele zeigen.
Bevor wir uns ins Spiel stürzen, müssen natürlich erst einmal die Grundvoraussetzungen stimmen, schließlich gehören für ein gutes Spielerlebnis auch ordentliche Peripheriegeräte, eine gute Internetanbindung und ein passender Monitor dazu. Wer mit Apples Philosophie bei Anschlüssen vertraut ist, erlebt hier wenig Überraschungen.
Es braucht die richtigen Kabel, sonst wird die Adapter-Sammlung schnell sehr groß. Das Display kann zwar praktisch jedes Format haben, vom alten 5:4-Monitor bis zum aktuellen 8K-HDR-Display ist alles möglich, allerdings muss entweder HDMI oder ein Typ-C-Kabel vorhanden sein. Einen Displayport in voller Größe gibt es nicht, auch nicht als Mini-Displayport, wie er an älteren Macs genutzt wurde.
Unnötiges Peripherie-Chaos
Was beim Monitor noch mit einem passenden Kabel zu lösen ist, wird bei Tastaturen, Mäusen und Headsets schwieriger. Denn noch immer liefern die meisten Hersteller ihre Geräte mit Kabeln und Dongles für USB Typ-A aus, selbst wenn auf der Geräteseite bereits Typ-C verwendet wird.
Apple verlangt praktisch ein Konzept, mit dem der Anschluss von Typ-A-Geräten am Mac überflüssig wird. Eine organisch gewachsene Peripherie-Sammlung ist nicht vorgesehen. Am einfachsten geht es, wenn Maus, Tastatur und Kopfhörer per Bluetooth verbunden werden. Auch, weil die insgesamt fünf Typ-C-Ports auch für die Bildschirme genutzt werden.
In unserem Fall ist die Lösung des Problems der im Monitor integrierte USB-Hub, der uns die einfache Weiternutzung unserer Typ-A-Peripheriegeräte ermöglicht. Als Testmonitor nutzen wir einen Asus PG32UCDM, der per USB Typ-C verbunden ist und darüber sowohl Displayport als auch USB-Signale überträgt.
Ebenfalls wichtig für viele Spieler ist ein LAN-Anschluss, der beim Mac Mini sogar als 10-GBit/s-Variante erhältlich ist. Wi-Fi 6E und Bluetooth 5.3 machen die Kabel zumindest für unsere Ansprüche aber eher überflüssig. Auch ein Microsoft-X-Box-Controller wird problemlos per Bluetooth erkannt und kann zum Spielen verwendet werden.
Leistung auf Mittelklasseniveau
Wir lesen in Foren häufig, dass Apple eher mittelmäßige Hardware zu einem hohen Preis verkaufe. Diese Aussage ist zumindest in ihrer generellen Form nicht haltbar, denn insbesondere die Apple-Silicon-Prozessoren zählen aktuell zu den schnellsten Notebook- und Desktop-Chips überhaupt.
Das betrifft aber in erster Linie die Single-Core-Performance der CPU-Kerne. Was die Grafikleistung betrifft, zeigt schon die von uns im Test gemessene maximale Leistungsaufnahme von 99 Watt, dass keine Wunder zu erwarten sind. Die Grafik-Performance unseres Testgerätes mit 20-Kern-Grafikeinheit liegt grob zwischen einer Nvidia Geforce RTX 3060 und 3060 Ti.
Bevor wir Spiele testen, müssen wir sie natürlich installieren. Selbst beim Test wird die verbaute 1-Terabyte-SSD schnell voll, und dabei handelt es sich schon um eine aufpreispflichtige Option. Im Preisvergleich macht sich Apple mit den Aufpreisen für Arbeitsspeicher und SSDs zum Gespött der Hardwareforen, denn sie entbehren jeglicher Marktrealität. NAND-Chips und DRAM kosten einen Bruchteil der von Apple aufgerufenen Preise.
GPU-Performance ist nicht auf Topniveau
Der Rechner wird also teuer, soviel ist klar. Aber ist er dabei auch gut? Die Antwort fällt in vielen Fällen nicht zu Gunsten Apples aus, obwohl wir uns Mühe geben und soweit es möglich ist, Spiele gewählt haben, die nativ auf Apple Silicon lauffähig sind. Emulation per Wine/Whisky soll hier nicht Thema sein, möglich ist sie aber.








Bei der Vorstellung des Mac Mini M4 nutzte Apple unter anderem World of Warcraft für einen Leistungsvergleich. Blizzards MMORPG ist seit 20 Jahren eines der wenigen Spiele, die zum Release stets auch für den Mac erschienen und nativ auf Apples Hardware laufen.
Ob PowerPC, x86 oder ARM: World of Warcraft lief immer. Auch heute gehört es zu den wenigen Titeln, die praktisch perfekt auf unserem Mac Mini mit M4-Pro-SoC laufen. Auf Grafikstufe 7, einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln und bei reduzierter Zauberdichte erreichen wir in Dungeons und Raids zwischen 70 und 145 Bilder pro Sekunde, in der offenen Welt meistens einen niedrigen dreistelligen Wert.
Sobald Curseforge, Teamspeak und Discord installiert sind, vergisst man schnell, dass man an einem Mac spielt. Auch Aufnahmen und Livestreams mit OBS sind kein Problem, der Hardware Encoder für H.264 und HEVC macht's möglich. Leider, so zeigt der restliche Test, ist World of Warcraft eine absolute Ausnahme, die meisten Spiele laufen nicht so gut.
Apple zeigt, wie Ressourcenverteilung richtig geht
Einen letzten positiven Aspekt fanden wir noch, bevor wir uns Abstürzen und fehlendem Interesse der Spieleentwickler widmen. Das Spielerlebnis ist auf dem Mac Mini oft angenehmer als auf einem ähnlich leistungsfähigen PC mit einer Nvidia Geforce RTX 3070 und einem AMD Ryzen 7 7700X.
Beide Systeme schaffen eine flüssige Darstellung von World of Warcraft, Baldur's Gate 3 oder Stray. Spannend wird es, wenn man auf dem zweiten Monitor andere Inhalte wiedergeben möchte. Bei einer voll ausgelasteten Grafikkarte im PC ruckelt die Darstellung von Inhalten, etwa Netflix, Youtube oder Twitch-Streams, auf einem zweiten angeschlossenen Monitor in vielen Fällen. Per Frame-Limiter lässt sich dies leicht umgehen, auf dem Mac scheint die Ressourcenzuweisung jedoch besser zu funktionieren. Auch bei voller Last läuft die Serie auf dem Zweitbildschirm einfach weiter.
Viel Auswahl bei Indie-Games, wenige Blockbuster
Leider stellen die drei oben genannten Spiele die Speerspitze der Mac-Spiele dar, wobei Factorio auch noch lobend erwähnt sein sollte. Es ist generell nicht so, dass es für Macs keine Spiele gäbe. Was hingegen fehlt, sind die großen Titel der größeren Publisher und Entwicklerstudios, hier wird der Mac oft einfach ignoriert.








Eines der besser laufenden Spiele, Stray, quittierte nach Einstellung der Bildschirmauflösung den Dienst und führte damit dazu, dass keine Steam-Spiele mehr starten konnten. Auch eine Neuinstallation des Spiels oder des Steam-Clients half nicht, wir haben kurzerhand das Betriebssystem komplett zurückgesetzt.
Was bei einem Testgerät ohne aufwendige Konfiguration schnell erledigt ist, dürfte für echte Anwendungsszenarien der GAU sein. Immerhin ließ sich das Problem nicht mehr reproduzieren, Abstürze gab es dafür auch in anderen Spielen mehrfach.
Entwickler kümmern sich nicht um ihre Spiele
Der Aufwand, eine eigene Spielversion für eine sehr überschaubare Nutzergruppe zu pflegen, ist den meisten Studios wohl zu groß. Wenn wir in Steam, Origin oder im Epic-Launcher nach Mac-Spielen filtern, wird die Auswahl an bekannten Spielen verschwindend gering.
Was uns aber viel mehr stört ist, dass viele davon gar nicht funktionieren. Die Liste der Spiele, die entweder nicht starten, mit einer Fehlermeldung abstürzen oder wie im Fall von Die Sims 4 gleich den ganzen Rechner neu starten lassen, ist lang.
Viele Dauerbrenner aus den Spielecharts gibt es für MacOS nicht. Dazu gehören Fortnite, PUBG, Apex Legends, League of Legends, GTA Online, Counter Strike 2 und viele weitere. Nur weil ein Spiel startet oder per Emulation verfügbar ist, heißt dies zudem nicht, dass es am Ende wirklich spielbar ist oder gar vergleichbar gut funktioniert wie es auf Konsolen oder unter Windows der Fall wäre.
Mac Mini M4 als Gaming-PC: Preise, Verfügbarkeit und Fazit
In der von uns getesteten Konfiguration kostet ein Mac Mini M4 Pro mit 14-Kern-CPU und einer GPU mit 20 Kernen 2.600 Euro. Einen nicht unerheblichen Anteil an den Kosten hat die SSD-Erweiterung von 512 GByte auf 1 Terabyte, die mit 230 Euro an die Preise günstiger 4-TByte-SSDs für PCs heranreicht.
Der Arbeitsspeicher wurde von 24 auf 48 GByte erweitert, was angesichts der gemeinsamen Verwendung für CPU und GPU dringend zu empfehlen ist, wenn der Rechner für Gaming genutzt wird. Das Upgrade macht 460 Euro des Kaufpreises aus. Ohne beide Upgrades kostet der Mac Mini M4 Pro 1.900 Euro.
Fazit
Für 1.900 bis 2.600 Euro bekommt man einen gut ausgestatteten Gaming-PC, der die Leistung eines Mac Mini klar übertrifft. Die geringe Auswahl an nativen Spielen führt dazu, dass wir den Kleinstrechner trotz guter Hardware auch sonst nicht als reinen Gaming-Rechner empfehlen können.








Ein Mac Mini mit M4- oder M4-Pro-SoC ist nur dann wirklich zum Spielen geeignet, wenn ausschließlich die wenigen gut optimierten Spiele wie Baldur's Gate 3, Stray, Factorio oder World of Warcraft gespielt werden. Im Jahr 2025 soll Cyberpunk 2077 als weiterer AAA-Titel hinzukommen.
Leider fehlt das Interesse der Entwickler
Alle anderen Spieler sollten einen großen Bogen um den Mac machen, so interessant die darin verbaute Technik sein mag. Im Spielbetrieb verbraucht der kleine Computer zwischen 70 und 100 Watt und ist flüsterleise, wohlgemerkt bei einer Performance, die vergleichbar mit einer Nvidia Geforce RTX 3060 ist.
Wenn die Kompatibilität zu Spielen ähnlich gut wäre, hätte Apple den vermutlich besten und sparsamsten Mini-Gaming-PC gebaut. Um diese zu erreichen, müssten sich Entwickler gezielt um die Entwicklung ihrer Spiele für Apple Silicon kümmern. Das scheint angesichts der Nutzerzahlen aber eher unrealistisch. Ohne großes Interesse und Investment seitens Apple wird Mac-Gaming eine Nische bleiben.