Lunar Gateway: Das (vorläufige) Aus für die Mond-Raumstation
Die Nasa hat am 24. März 2026 den vorläufigen Stopp für das Lunar-Gateway-Projekt bekannt gegeben(öffnet im neuen Fenster), das bisherige Herzstück der Artemis-Missionen. Die Raumstation sollte als Umstiegspunkt für Mondlandungen dienen, weicht nun jedoch einer Neuausrichtung des Programms zugunsten einer schnelleren Oberflächenpräsenz.
In der Umlaufbahn des Erdtrabanten wird es demnach vorerst keine Station geben. Die zukünftigen Mondastronauten sollen direkt vom Orion-Raumschiff an die Landefähre andocken und umsteigen.
Jedoch war das Gateway ein Gemeinschaftsprojekt, ähnlich wie die Internationale Raumstation ISS. Sowohl die Europäer als auch Japaner, Kanadier und die Vereinigten Arabischen Emirate sollten Module und Technologien bereitstellen.
Der Verlust von Missionszeit durchs Gateway-Aus
Besonders die europäische Raumfahrtbehörde Esa trifft die Entscheidung hart: Ihre Module I-Hab, View und Link sind exakt auf das Gateway zugeschnitten. Die Zukunft dieser bereits laufenden Entwicklungen muss nun bis zur Ratstagung im Juni 2026 politisch geklärt werden.
Vertraglich sind die genannten Länder immer noch Partner des Artemis-Programms. Die Nasa stellte in Aussicht, die ausgewählten Gateway-Technologien und die finanzielle Mittel dafür in die Entwicklung einer dauerhaften Präsenz auf der Mondoberfläche einfließen zu lassen.
Die Module sind allerdings für den Einsatz in der Schwerelosigkeit konzipiert. Es wären also eine massive Umplanung als Oberflächen-Habitat und hohe Umrüstungskosten nötig.
Ohne das Gateway in der strategisch günstigen Halo-Umlaufbahn (NRHO) entfällt nicht nur ein stabiler Kommunikations-Hub für den Südpol des Mondes und eine kontinuierliche Sicht auf diesen, sondern auch die Basis für Langzeitmissionen. Statt auf bis zu 90 Tage im All ist der Aufenthalt der Crew in der Orion-Kapsel auf maximal 21 Tage limitiert. Besonders für Langzeitmissionen auf der Mondoberfläche wäre die Station ein wichtiger Vorteil.
Lunar Gateway als Milliardengrab?
Die ersten Elemente des Gateways sollten voraussichtlich 2027 starten, wodurch der operative Betrieb erst ab 2028 möglich gewesen wäre. In den ursprünglichen astronautischen Mondlandeplänen spielte die Mond-Raumstation ohnehin keine Rolle, da Raumschiff und Landefähre auch während Artemis III (mittlerweile Artemis IV) ohne Zwischenstopp am Gateway aneinander andocken sollen.
Das Gateway-Programm hätte laut einer Analyse des spanischen Tech-Nachrichtenmagazins Tyn(öffnet im neuen Fenster) die internationale Zusammenarbeit gestärkt und einen beitragsbasierten Rahmen geboten, wie es von der ISS bekannt ist.
Der Stopp (und die mögliche Streichung) schwächt das Modell, verlagert die Zusammenarbeit hin zu eher bilateralen oder missionsspezifischen Vereinbarungen und untergräbt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die langfristige Programmführung der USA.
Gestärkt wird durch die Neuausrichtung hingegen das kommerzielle Weltraum-Ökosystem. Immerhin will die Nasa ab 2027 monatliche robotische Mondlandemissionen im Zuge ihres kommerziellen lunaren Nutzlastprogramms CLPS durchführen.
Die Anfangsinvestitionen der Nasa für das Gateway beliefen sich für die Jahre von 2019 bis 2025 auf etwa 4,4 Milliarden US-Dollar. Weitere Milliarden waren bis zum Ende des Jahrzehnts veranschlagt.
Dem gegenüber soll das Infrastrukturprogramm für die Mondoberfläche einen Umfang von etwa 20 Milliarden US-Dollar haben. Immerhin stärkt die Verlagerung hin zu einer vorrangigen Oberflächenarchitektur (Surface First) die Bedeutung des Aufbaus einer Mondbasis am lunaren Südpol. Dort will auch China eine Station errichten und wird mit der bevorstehenden robotischen Mission Chang'e-7 ab Sommer 2026 nach Wassereis suchen.
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