Lumia 1020 im Test: Mäßige Digitalkamera zum Telefonieren

Quietschgelb ist unser neues Lumia 1020 und hat einen auffälligen Wulst auf der Rückseite. Darin ist ein Objektiv von Zeiss verbaut, das zusammen mit einem 41-Megapixel-Sensor gute Fotos und Videos machen soll. Auf dem Gerät selbst sehen sie auch toll aus, erst auf dem Monitor offenbaren sie einige Schwächen.

Das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss. Es ist aus Polycarbonat mit einer angerauten Oberfläche. Dadurch fühlt sich das Smartphone auch an heißen Tagen in leicht verschwitzten Händen gut an. Das Material des Gehäuses ist robust. Nachdem wir es einen Tag zusammen mit dem Schlüsselbund in der Hosentasche hatten, konnten wir keine Kratzer feststellen.








Das Gehäuse des Lumia 1020 wirkt wegen der nur leicht abgerundeten Ecken etwas klobig. Es ist allerdings mit 130,4 x 71,4 x 10,4 mm kaum größer als andere aktuelle Smartphones wie das Galaxy S4 mit 137 x 70 x 7,9 mm oder das HTC One mit 137,4 x 68,2 x 9,3 mm. Auch wegen der verbauten Kamera ist es aber etwas dicker als die meisten anderen aktuellen Geräte. Es ist mit etwa 158 Gramm auch ziemlich schwer. Selbst das mit einem Aluminiumgehäuse ausgestattete One von HTC wiegt mit 143 Gramm weniger.
Der Einschub für die Micro-SIM-Karte ist am oberen Rand des Gehäuses platziert. Mit einem beigelegten Dorn lässt sich die Lade entfernen. Seitlich sind der Ein- und Ausschalter, die Lautstärkewippe und der Auslöser für die Kamera platziert. Unten befindet sich der Mikro-USB-Anschluss sowie der Lautsprecher.
Smartphone mit Sonnenbrille
Das Displayglas ist aus kratzresistentem Gorilla-Glas 3. Es ist polarisiert und dunkel getönt. Dadurch erhöht sich der Kontrast auf dem 4,5-Zoll-Display. Der Bildschirm nutzt Amoled-Technik und hat eine Auflösung von 1.280 x 768 Bildpunkten. Es ist äußerst blickwinkelstabil. Das entspricht einer Pixeldichte von etwa 332 ppi. Zudem ist es multitouchfähig.
Im Grafikbenchmark GFXBench 2.7.0 schneidet das Gerät im Vergleich zu anderen Smartphones nicht besonders gut ab: Das Ergebnis bei T-Rex HD im Offlinemodus sind 3,2 fps, in Egypt HD 2.5 sind es 7,7 fps. Zum Vergleich: Das Galaxy S4 schaffte in Egypt HD 2.5 41 fps. Das One von HTC lag mit 34 fps ebenso dahinter wie Sonys Xperia Z, das auf 30 fps kam. Den besten Wert von 42 fps schaffte bislang das Padfone 2 von Asus ohne Tablet.
Standardmäßig ist die Berührungsempfindlichkeit auf hoch gesetzt. Das führte auf unserem Gerät dazu, dass beispielsweise die Microsoft-Suchmaschine Bing oftmals unerwartet startete, auch wenn wir das Gefühl hatten, das Smartphone noch nicht einmal berührt zu haben. Außerdem löste bereits beim Scrollen im Browser die Markierungsfunktion aus. In den Einstellungen unter "Berührung" konnten wir die Empfindlichkeit auf "Normal" stellen.
Knallige Fotos
Der verbaute SoC MSM8960 Snapdragon von Qualcomm hat zwei Krait-Kerne, die jeweils mit bis zu 1,5 GHz getaktet werden können. Mit der Adreno-225-GPU läuft Windows Phone 8 ruckelfrei und zügig. Im Javascript-Benchmark Octane v1 schneidet der Internet Explorer auf dem Lumia 1020 mit durchschnittlich 585 Punkten jedoch nur mittelmäßig ab. Die Benchmark-Anwendung Geekbench gibt es noch nicht für Windows Phone 8, daher mussten wir hier auf einen Vergleichstest verzichten.
Da sich die Rückseite nicht entfernen lässt, lässt sich auch der Lithium-Ionen-Akku mit einer Nennladung von 2000 mAh nicht ohne weiteres auswechseln. Die Akkulaufzeit war mäßig, bei normaler Nutzung reichte eine Akkuladung für etwa 8 Stunden. Die Videolaufzeit bei einem 1080p-Video lag bei etwa 5 Stunden. Mit dem beigelegten Netzteil war das Gerät nach etwa zwei Stunden wieder komplett aufgeladen. Nokia bietet eine spezielle Erweiterung für die Rückseite an, mit der sich das Smartphone auch drahtlos aufladen lässt. Es kostet wie beim Lumia 925 etwa 25 Euro.
LTE und Radio
Das Gerät ist LTE-fähig. GSM unterstützt es mit 850 MHz, 900 MHz, 1.800 MHz und 1.900 MHz. Das UMTS-Modul unterstützt die zusätzliche Frequenz von 2.100 MHz. Es ist HSDPA- und HSUPA-fähig. Zudem verbindet es sich über WLAN nach 802.11 a/b/g/n mit dem Netzwerk. Mediendateien kann es über DLNA verteilen und es lässt sich als WLAN-Hotspot nutzen. Außerdem unterstützt das Lumia 1020 Bluetooth in Version 3.0 samt A2DP. Ein GPS-Modul gibt es ebenfalls, mit dem sich auch Glonass verwenden lässt. Außerdem unterstützt das Gerät NFC. Ein Radioempfänger ist ebenfalls dabei, der Kopfhörer dient dabei als Antenne. Intern hat das Lumia 1020 32 GByte Speicher und 2 GByte Arbeitsspeicher. Einen Steckplatz für eine Micro-SD-Karte gibt es nicht. Microsoft stellt dafür 7 GByte kostenlosen Onlinespeicher bei Skydrive zur Verfügung. Der Klang des Monolautsprechers auf der Unterseite des Geräts ist mittelmäßig.
Objektivwulst
Das im Wortsinn herausragende Merkmal des Lumia 1020 ist die Kamera. Die Linse samt LED-Leuchte und Xenon-Blitz stehen deutlich auf der Rückseite hervor. Über einen Auslöser an der Seite des Smartphones lässt sich die Kamera-App starten, die Nokia Pro Cam nennt. Ist der Sperrbildschirm des Smartphones aktiviert, dauert es etwa 4 bis 5 Sekunden, bis die Kamera bereit ist.
Nokia hat im Lumia seine Pureview-Technik verbaut, samt einem 41-Megapixel-Sensor. Der allerdings macht Aufnahmen mit maximal 38 Megapixeln. Zusätzlich werden Bilder in einer Version mit 5 Megapixeln gespeichert. Wegen des hochauflösenden Sensors hat Nokia auf einen optischen Zoom verzichtet und stattdessen einen dreifachen digitalen Zoom verwendet, der vor allem beim Zoomen in Videoaufnahmen deutlich schneller funktioniert als der optische Zoom. 1080p-Videos nimmt die rückseitige Kamera bei 30 fps auf. Die Kamera auf der Vorderseite reicht mit 1,2 Megapixeln für die Videotelefonie und nimmt 720p-Videos bei 30 fps auf.
Überzeichnete Farben
Die Farben der Aufnahmen wirken natürlich, aber etwas überzeichnet. Vor allem das Rot sticht deutlich hervor. Das deutet darauf hin, dass hier auch die Kamera-Firmware nachhilft. Selbst bei der 38-Megapixel-Aufnahme ist ein Grundrauschen sichtbar. Je kräftiger die Farbe, desto höher das Rauschen. In schattigen Umgebungen mit Sonnenlicht wirkt der Hintergrund überbelichtet und deshalb verwaschen. Bei weitwinkligen Aufnahmen gehen Details schnell verloren und wirken gemalt statt fotografiert, vor allem wenn in die Aufnahme hineingezoomt wird. Im automatischen Modus hat die Kamera zudem Schwierigkeiten mit dem Weißabgleich. Das lässt sich jedoch später anpassen. In unserer Bildergalerie haben wir Ausschnitte von Vergleichsfotos eingebaut. Sie stammen vom Lumia 1020 mit maximaler Auflösung, der Digitalkamera WB200F von Samsung und der 5d Mark III von Canon.
In dunklen Umgebungen ohne Blitz macht die Kamera des Lumia 1020 dank des lichtempfindlichen Sensors detailreiche Aufnahmen. Das Smartphone ist zusätzlich mit einer LED-Leuchte und einem Xenon-Blitz ausgestattet. In der Kamera-App lassen sich Weißabgleich, ISO-Wert, Belichtungszeit und die Schärfe einstellen. Die Blende von F2.2 lässt sich aber nicht ändern. Auf zusätzliche Effekte hat Nokia in seiner Kamera-App verzichtet. Dem Smartphone ist die App Kreativstudio beigelegt worden, mit der Collagen erstellt werden und Hintergründe unscharf gemacht werden können, um 3D-Effekte zu erhalten und mit den Farben von Aufnahmen gespielt werden kann.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Lumia 1020 kostet etwa 700 Euro und ist in den drei Farben Gelb, Schwarz und Weiß verfügbar. Neben einem Aufsatz für das drahtlose Aufladen gibt es noch einen weiteren, der mit einem speziellen Griff das Fotografieren erleichtern soll. Dieser Zusatz hat auch einen zusätzlichen Akku, der die Laufzeit um nochmals die Hälfte erhöhen soll.
Fazit
Mit vielen Megapixeln will Nokia sein Smartphone auch als Kamera bewerben. Tatsächlich sind die mit dem Lumia 1020 aufgenommenen Fotos besser als die anderer Smartphones. Sie sehen auch auf dem Gerät selbst toll aus. Allerdings verlieren sie etwas von ihrem Glanz, wenn sie auf einem herkömmlichen Monitor angesehen werden.
Ein Grundrauschen ist auf allen Aufnahmen erkennbar und beim Hineinzoomen verlieren die Fotos schnell an Details. Selbst mittelpreisige Digitalkameras machen bessere Aufnahmen. Zu bemängeln wäre auch der automatische Weißabgleich. Der lässt sich aber im Nachhinein mit gängiger Fotobearbeitungssoftware anpassen. Die Aufnahmen bei schummerigem Umgebungslicht sind allerdings recht gut und der Blitz funktioniert bestens.
Das Gerät ist einwandfrei verbaut. Es wirkt auf den ersten Blick zwar etwas klobig, liegt aber doch gut in der Hand. Dank des polarisierten Displayglases lässt sich das Lumia 1020 auch draußen bei Sonnenlicht gut nutzen. Die mittelmäßige Akkulaufzeit und der fehlende Steckplatz für eine Speicherkarte trüben das Bild.
Mit dem Lumia 1020 hat Nokia aber insgesamt ein gutes und solides Smartphone geliefert.



