Lulzsec: FBI soll von Anonymous-Hacks profitiert haben

Unterlagen aus dem Hammond-Prozess geben neue Einblicke in die Zusammenarbeit des Lulzsec-Hackers Sabu mit dem FBI. Die US-Bundespolizei soll die Anonymous-Hacker ausgenutzt haben.

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Anonymous-Hacker sollen vom FBI instrumentalisiert worden sein.
Anonymous-Hacker sollen vom FBI instrumentalisiert worden sein. (Bild: Roslan Rahman/AFP/Getty Images)

Der frühere Lulzsec-Hacker Hector Xavier Monsegur soll weltweit als FBI-Informant großangelegte Attacken auf Server orchestriert haben. Das geht einem Bericht der New York Times zufolge aus Gerichtsakten und Gesprächen mit Beteiligten hervor, darunter der verurteilte Hacker Jeremy Hammond. Der als Sabu bekanntgewordene Monsegur soll die Attacken auf Firmen sowie Regierungsseiten von Iran, Syrien, Brasilien und Pakistan koordiniert haben. Die erbeuteten Dokumente wurden auf einem Server abgelegt, den das FBI zur Verfügung stellte und überwachte.

Zwar geht laut Bericht aus den bislang geheim gehaltenen Gerichtsakten nicht hervor, ob die US-Bundespolizei die Attacken selbst in Auftrag gegeben hat. Sie legen aber den Schluss nahe, dass das FBI die Hacker für die Auslandsspionage benutzt hat. Das FBI soll Sabu bereits im Juni 2011 enttarnt haben, am 15. August 2011 hat er demnach ein Schuldeingeständnis abgelegt. Im Dezember 2011 erfolgte der Hack des Sicherheitsunternehmens Stratfor, für den Hammond im vergangenen Jahr zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Im März 2012 waren er und fünf weitere Anonymous-Mitglieder verhaftet worden.

Liste mit mehr als 2.000 verwundbaren Domains

Kurz nach dem Stratfor-Hack soll Hammond von Sabu mehrere Listen mit ausländischen Webseiten erhalten haben, die angreifbar seien, so der Bericht. "Nach Stratfor geriet das ziemlich außer Kontrolle, was die Ziele betrifft, auf die wir Zugriff hatten", sagte Hammond im Gespräch mit der New York Times in einem Gefängnis in Kansas. Mehr als 2.000 Domains soll die Liste enthalten haben. Das gehe aus der unzensierten Version eines Statements hervor, das Hammond zu seiner Verurteilung vor Gericht abgab. Zu den betroffenen Domains zählten auch die der polnischen Botschaft in London oder des irakischen Elektrizitätsministeriums. Laut Hammond wurde dabei eine Sicherheitslücke im Webhosting-Programm Plesk ausgenutzt, die direkten Zugang zu den Servern ohne Benutzername und Passwort erlaubte. Allerdings habe er nur bei bestimmten Betriebssystemen eine Hintertür einrichten können.

Dem unzensierten Statement zufolge soll Monsegur andere Hacker angeleitet haben, ihm ausführliche Daten von syrischen Regierungsseiten zu besorgen, einschließlich denen von Banken und Ministerien der Regierung von Baschar al-Assad. "Das FBI nutzte Hacker aus, die dem syrischen Volk gegen das Assad-Regime helfen wollten und stattdessen unwissentlich der US-Regierung Zugang zu syrischen Systemen verschafften", sagte Hammond demnach vor Gericht. Monsegur soll die Hacks nie selbst ausgeführt, jedoch Hammond nach der Sicherheitslücke bei Plesk ausgefragt haben. Die Autorin eines demnächst erscheinenden Buches über Anonymous, Gabriella Coleman von der McGill University, sieht darin einen Beweis, dass das FBI die US-Geheimdienste mit den Informationen aus der Hand von Hackern versorgt habe. Das sei nicht nur scheinheilig, sondern besorgniserregend. Sowohl das FBI als auch Anwälte von Monsegur und Hammond hätten eine Stellungnahme abgelehnt, schreibt die Zeitung.

Prozess verzögert sich

In einer Anhörung vom 5. August 2011 soll ein US-Staatsanwalt einem Richter gesagt haben, dass Monsegur "proaktiv mit der Regierung kooperiert" und "buchstäblich rund um die Uhr mit FBI-Agenten zusammengearbeitet" habe, um Informationen über andere Hacker zu liefern. In dieser Zeit sei Monsegur von der Regierung genau überwacht worden. "Wir haben eine Überwachungssoftware auf seinem Computer installiert. In seiner Wohnung gibt es zudem eine Videoüberwachung", sagte Staatsanwalt James Pastore nach Angaben von Medien, die die Protokolle ausgewertet hatten. Monsegur kümmerte sich in dieser Zeit um die beiden Töchter seiner inhaftierten Tante. Sein Prozess läuft derzeit noch. Monsegur ist wegen zwölf Delikten angeklagt, für die ihm eine Haftstrafe von mehr als 100 Jahren droht. Seine gerichtliche Anhörung über das Strafmaß wurde laut New York Times schon mehrfach verschoben. Es wird daher spekuliert, dass er weiter als Informant arbeitet.

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