Luftwaffe in Afghanistan und Mali: "Meister eines Drohnensystems" mit schwerem Trauma

Erstmals berichtet ein deutscher Bediener von Drohnen über Belastungsstörungen und Depressionen - nur vom Zusehen aus der Luft.

Ein Bericht von Matthias Monroy veröffentlicht am
Die Drohne Heron 1 mit Aufklärungstechnik auf dem Rollfeld.
Die Drohne Heron 1 mit Aufklärungstechnik auf dem Rollfeld. (Bild: Bundeswehr/ Sebastian Wilke)

Nach rund einem Jahrzehnt Debatte beschloss der Bundestag im April 2022 die Bewaffnung von Drohnen für die Bundeswehr. Zuvor hatte das Verteidigungsministerium neben vielen Befürwortern auch einige Kritiker zu Anhörungen eingeladen.

Inhalt:
  1. Luftwaffe in Afghanistan und Mali: "Meister eines Drohnensystems" mit schwerem Trauma
  2. Keine Programme für Drohnenpersonal

Diese warnten unter anderem vor dem Risiko posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) für Piloten, vor allem aber für das Personal zur Bedienung der Sensortechnik. So berichteten es auch ehemalige Angehörige von US-Drohnenstaffeln - allerdings außerhalb der offiziellen Veranstaltungen des Verteidigungsministeriums, das auf deren Einladung bewusst verzichtete.

Mit André Hassan Khan äußert sich nun erstmals ein Drohnenbediener der Bundeswehr zu seiner PTBS, die einen schweren Verlauf genommen hat. Seit ihrer Einführung vor zwölf Jahren hatte er die optischen und radarbasierten Kameras der israelischen Aufklärungsdrohne Heron 1 bei der Luftwaffe in Afghanistan und später auch in Mali bedient. Khan ist Tactical Operator Meister eines Drohnensystems. So nennt sich der Ausbildungsgang beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 Immelmann in Schleswig-Holstein, das die Bundeswehrdrohnen betreibt.

Schüsse als Hitzesignaturen, Einschläge über Funk

Unter Khans nicht verarbeiteten Erfahrungen ist das Massaker in einem Feldlager der afghanischen Armee nahe dem ehemaligen deutschen Stützpunkt in Masar-e Sharif, bei dem Kämpfer der Taliban vor fünf Jahren 140 afghanische Soldaten beim traditionellen Freitagsgebet erschossen. So erzählte es der Drohnenmeister dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der darüber auf seiner Webseite berichtet. Khans Einheit kreiste demnach mit einer Heron 1 über dem Geschehen.

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Weitere Einsätze schildert Khan in einem Interview im Spiegel, das am 3. September erschien. Demnach verfolgte er in einem Fall fünf Taliban, die anschließend afghanische Truppen aus dem Hinterhalt beschossen. Auf dem Bildschirm seien die Schüsse als Hitzesignaturen zu erkennen gewesen, über Funk habe er die Einschläge gehört, berichtet Khan. Sein Hauptquartier habe daraufhin US-Luftunterstützung angefordert, die das Ziel "neutralisiert" habe.

In Mali hat Khan nach eigenen Angaben 2017 einen Anschlagsort in einem benachbarten Lager aufgeklärt, nachdem ein mit 300 Kilogramm Sprengstoff beladenes Fahrzeug durch das Tor bis in den Innenhof gefahren war. Der Wagen explodierte beim Morgenappell und tötete 70 malische Soldaten.

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Symptome "extrem" und "enorm"

Insgesamt war Khan 27-mal im Auslandseinsatz und absolvierte 3.000 Flugstunden mit der Heron 1. Nach den Massakern in Afghanistan und Mali begann er an Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Erregung bei Stress zu leiden. In dem Bericht des Volksbundes werden die Symptome als "extrem", "enorm" und "hoch" bezeichnet. Der Drohnenmeister kann demnach laute Geräusche und Menschenmengen nur noch schwer ertragen.

Einen Eindruck seiner Triggermomente gab Khan dem Spiegel: "Sobald er den Supermarkt betritt, erinnert es ihn nicht nur an den Krieg. Er ist wieder im Krieg", schreibt das Magazin. "Das letzte Mal hat er es bis zum Blumenstand geschafft. Dann bildete sich eine Schlange beim Bäcker, und André fürchtete eine Explosion, der dampfende, piepende Backofen erinnerte ihn an eine Sprengfalle."

Erst 2020 ging Khan den Berichten zufolge zum Arzt, eine Fachabteilung des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg diagnostizierte schließlich PTBS. Zu den weiteren Diagnosen gehören eine "sonstige Reaktion auf schwere Belastung" und eine "depressive Episode". Khan beendete seinen Dienst und begann eine von der Bundeswehr finanzierte Therapie. Sein Gehalt wird fortgezahlt, einen Assistenzhund muss er jedoch selbst bezahlen.

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Keine Programme für Drohnenpersonal 
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GoRun 24. Sep 2022 / Themenstart

Dann lies mal hier, was gerade jetzt in den von Russland in einem widerlichen...

tom.stein 18. Sep 2022 / Themenstart

Ich glaube, Soldaten haben als Beruf "Schutz der Heimat und der Bewohner" gewählt. Und...

schnedan 18. Sep 2022 / Themenstart

Das ist leicht: du darfst nur nicht so viel vorhalten, Haha - Krieg ist die Hölle https...

Transportsicherung 17. Sep 2022 / Themenstart

Sorry, aber was soll der Quatsch? Wenn ich die Kritiker richtig verstehe ist die Wahl...

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