Luftverkehr: Risiko für Zusammenstöße mit Multicoptern soll gering sein

Wissenschaftler haben sich mit der Gefahr von Zusammenstößen zwischen Freizeit-Multicoptern und Flugzeugen auseinandergesetzt - und keine nennenswerte Gefahr erkennen können. Ihre Betrachtungen vernachlässigen aber den menschlichen Faktor stark.

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Die Gefahr von Multicoptern für die Luftfahrt halten Forscher der George-Mason-Universität für gering.
Die Gefahr von Multicoptern für die Luftfahrt halten Forscher der George-Mason-Universität für gering. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Die Wissenschaftler Eli Dourado und Samuel Hammond vom Mercatus Center der George-Mason-Universität haben eine Studie zur Gefahr des Luftverkehrs durch Multicopter vorgelegt. Das Risiko, dass Freizeitdrohnen gefährlich für Flugzeuge werden können, halten die beiden Forscher für gering.

Hobbypiloten in den USA müssen sich registrieren

Hintergrund der Studie ist eine obligatorische Registrierungpflicht privater Copter-Piloten in den USA, die seit Anfang 2016 gilt. Wer seitdem in den USA eine Drohne mit einem Gewicht von über 250 Gramm kauft - was im Grunde alle ernstzunehmenden Fluggeräte einschließt -, muss sich bei den Behörden melden. Die zugewiesene Identifikationsnummer muss auf dem Fluggerät angebracht werden.

Für ihre Studie haben Dourado und Hammond die US-Statistiken der letzten 25 Jahre zu Unfällen durch Vogelschlag ausgewertet. Ihr Ansatz: Wenn sich bei 10 Milliarden Vögeln im Luftraum der USA keine statistisch signifikante Gefahr für den Luftverkehr feststellen lässt, sollte dies für eine merklich geringere Anzahl von Multicoptern erst recht gelten.

Vogelschlag passiert - ist aber selten für die Passagiere tödlich

Und tatsächlich führen Vogelschlagunfälle nur in seltenen Fällen zu Verletzten oder Toten. Ein berühmtes Beispiel ist die Notwasserung des US-Airways-Fluges 1549, der 2009 nach einem Vogelschlag in beiden Triebwerken auf dem Hudson River notwassern musste. Tote hat es hier allerdings nicht gegeben.

Ihren Berechnungen zufolge ist unter einer Million Vögeln einer, der mit einem Flugzeug zusammenstößt. Selbst bei einer Menge von einer Million Multicoptern gehen die Forscher aber nicht davon aus, dass es auch hier ein Fluggerät gäbe, das einen Unfall herbeiführt - eher weniger. Als Gründe geben die Wissenschaftler an, dass menschliche Piloten zum einen besser als Vögel Situationen einschätzen und reagieren würden. Zum anderen haben Drohnen meist nur eine kurze Flugzeit.

Angst vor Zusammenstößen ist übertrieben

Daher sei die Angst vor möglichen Zusammenstößen von Multicoptern und Flugzeugen überzogen. Dourado und Hammond führen außerdem an, dass in der von der US-amerikanischen Flugaufsichtsbehörde FAA angeführten Statistik, auf der die Registrierungspflicht beruht, auch Begegnungen von Flugzeugen und Multicoptern gezählt werden, bei denen Piloten die Fluggeräte aus einer sicheren und erlaubten Distanz gesehen hätten. Nur 3,5 Prozent der gemeldeten Vorfälle seien tatsächlich Beinahezusammenstöße gewesen.

Dourado und Hammond geben allerdings zu, dass sie die Schwere der Folgen eines Zusammenstoßes zwischen Multicopter und Flugzeug nicht in ihren Betrachtungen berücksichtigen. Eine in ein Triebwerk gesaugte Drohne richtet unter Umständen mehr Schaden an als ein im Verhältnis weicherer Vogelkörper.

Wie gut sind menschliche Piloten tatsächlich?

Die Berücksichtigung des menschlichen Faktors erscheint zudem etwas problematisch: Automatisch davon auszugehen, dass menschliche Piloten Situationen besser als Vögel einschätzen können, ist optimistisch. Viele Hobbypiloten kennen sich häufig noch nicht besonders gut mit der Steuerung ihres Fluggerätes aus, geschweige denn mit den Regularien der Luftfahrt. Sollte es dann zu einer brenzligen Situation kommen, handeln diese Hobbyflieger möglicherweise viel weniger rational als gedacht.

Die Annahme des klugen Piloten mag auf erfahrene Drohnenflieger zutreffen; mögliche Zwischenfälle, die auf falschen Einschätzungen und aus Unwissenheit getroffenen Entscheidungen basieren, lassen sich nicht einfach mittels einer Statistik vorhersagen. Das Resultat, dass Kollisionen kein Problem für die Luftfahrt darstellen, ist daher möglicherweise etwas vorschnell getroffen worden.

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