Lufthansa Taxibot: Piloten schleppen ihre Flugzeuge bald selbst zur Startbahn
Die Lufthansa will in Zukunft ihre Flugzeuge umweltschonend und leise zur Startbahn bewegen. Der Taxibot, der bereits seit rund fünf Wochen im Testeinsatz ist, wurde von der Lufthansa jetzt als zukunftsweisende Lösung vorgestellt. Laut Lufthansa sind nun die letzten Zertifizierungstests abgeschlossen, so dass eine allgemeine Zulassung durch die Luftfahrtbehörde EASA möglich sei. Bisher fährt der Taxibot seine Testeinsätze auf dem Flughafen Frankfurt am Main (FRA/EDDF).
Der Schlepper wird nicht diesel-mechanisch sondern diesel-elektrisch angetrieben. Der Pusher zieht Flugzeuge mit 800 PS. Dabei übernimmt der Pilot die Kontrolle jedoch nicht sofort. Erst nach dem sogenannten Push-Back, dem Herausdrücken eines Flugzeugs vom Gate Richtung Rollweg (Taxiway), übernimmt der Pilot mit dem sogenannten Pilot Control Mode den Taxibot. Die Geschwindigkeit wird dabei durch die Vorgaben für die Rollwege im Taxibot begrenzt. Die Steuerung funktioniert genauso wie beim regulären Rollen. Der Pilot steuert über den sogenannten Tiller das Bugrad der Maschine. Da dieses jedoch angehoben ist, muss der Taxibot diese Bewegungen aufnehmen und in eine eigene Lenkbewegung konvertieren.
Interessanterweise bleibt Personal weiterhin an Bord des Flugzeugschleppers, wie Airliners bereits berichtete(öffnet im neuen Fenster) . Die Lufthansa nennt diesen Umstand in ihrer Erklärung nicht. Personalkosten werden also nicht gespart. Schließlich muss der Schlepper wieder zurück, um das nächste Flugzeug vom Gate herauszudrücken. Kurz vor der Startbahn wird der Schlepper vom Flugzeug wieder abgekoppelt und zurück zum nächsten Einsatz gefahren.
Vorfeldbewegungen werden leiser und benötigen kaum Kerosin
Allerdings betont die Lufthansa ohnehin andere Vorteile des Systems. Das Schleppen zur Startbahn sei leiser, da die Triebwerke erst kurz vor dem Start eingeschaltet würden, und das Flugzeug müsse für das Taxiing kein Kerosin verschwenden. Laut Airliners sind das immerhin 200 Kilogramm Kerosin, die bei einer Boeng 737 und 4 Kilometer Schleppweg nicht getankt werden müssten. Der Hersteller des Taxibot IAI verspricht zudem weniger Gefahren durch das Einsaugen von Objekten auf dem Vorfeld über die Triebwerke.
Dadurch, dass der Pilot die Steuerung des Schleppers übernimmt, ändert sich nichts am Prozedere auf dem Weg zur Startbahn. Ohnehin kommuniziert der Pilot mit dem Tower, um über die Rollwege zur Startbahn gelotst zu werden, und ohne Schlepper wäre es seine Aufgabe, per Triebwerksschub über die Rollwege zu nutzen. Mit dem Taxibot arbeitet der Pilot wie gehabt mit dem Flugzeug. Bremst der Pilot, merkt das der Taxibot und bremst verzögert ebenfalls mit, um das Bugrad keiner großen Belastung auszusetzen. Die Beschleunigung ist hingegen eine Aufgabe, die der Taxibot alleine durchführt.
Für das effizientere Rollen auf Flughäfen gibt es noch andere Ansätze. Im vergangenen Jahr hat etwa das Joint Venture Green Taxiing einen Elektromotorantrieb für das Fahrwerk vorgestellt. Der notwendige Strom für die Fortbewegung wird über das Hilfstriebwerk (APU) bereitgestellt. Der Vorteil liegt darin, dass auch bei der Landung der Weg zum Gate elektrisch betrieben durchgeführt werden kann, statt minutenlang noch mit dem Schub der Triebwerke zum Ziel zu rollen. Allerdings muss dafür ein Flugzeug aufwendig umgerüstet werden.
Im kleineren Maßstab arbeitet Airbus mit seinem akkubetriebenen E-Fan-Flugzeug ebenfalls an einem elektrisch betriebenen Fahrwerk. Obwohl das kleine Flugzeug an sich elektrisch fliegt, ist es auch hier effizienter, den zusätzlichen Motor am Fahrwerk zu nutzen, statt mit den elektrischen Triebwerken das Luftfahrzeug zu bewegen. Airbus geht sogar soweit, selbst während des Startvorgangs die Unterstützung des Fahrwerkmotors zu nutzen.
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