Lufthansa: "5G soll bei uns konkrete Probleme lösen"

Ein eigenes 5G-Netz gilt derzeit als schick in der deutschen Industrie. Doch was man eigentlich damit machen kann, ist beeindruckend.

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5G hilft, schneller umzubauen.
5G hilft, schneller umzubauen. (Bild: Lufthansa Technik)

Lufthansa Technik setzt 5G nicht nur ein, um bei einer neuen Technik dabei zu sein. Das sagte Maik Voigt, IT Project Manager 5G Mobile Network bei Lufthansa Technik, im Gespräch mit Golem.de. "Wir nutzen 5G nicht um 5G willen. Wir wollen es nicht nur testen, sondern es sollte Mehrwert schaffen." Und das gelang dem weltweit führenden Anbieter für Flugzeuginstandhaltung auch bei zwei ersten Anwendungen.

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Auf den Einsatz kam man durch Technologie-Scouting. "Das war Anfang 2019 und wir sahen viel Potenzial. Wir wollten wissen, wo steht 5G jetzt und wo wird es mal sein. Wir haben uns viele realisierte Campusnetze angeschaut, die primär noch mit 4G liefen", erklärte Voigt.

Im Januar 2020 habe Lufthansa Technik nach eigenen Angaben das erste 5G-SA-(Stand-Alone-)Netz außerhalb Asiens in der Industrie in Betrieb genommen und nutze die 5G-Netze seit diesem Zeitraum durchgängig für reale Zwecke. "Für uns war es wichtig, die Technik so zu implementieren, dass sie aktuelle Probleme lösen kann. Und das tut sie bei uns", sagte Claudius Noack, IT Consultant bei Lufthansa Industry Solutions Golem.de.

Ein Netz war auch schon im Kern 5G, also 5G SA. Ein anderes Netz wurde in der vergangenen Woche auch von NSA (Non Stand Alone) auf SA (Stand Alone) angehoben. "In diesem Netz finden auch schon aktuell mehrmals die Woche Videocalls statt", erklärte Noack. Das 5G-NSA-Netz, das jüngst ein Upgrade erhielt, hat Lufthansa Technik mit Hardware von Nokia errichtet, das ursprüngliche Stand-Alone-Netz zusammen mit Vodafone.

Was man mit eigenen 5G-Netzen anfangen kann

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Nach den Worten von Noack wird in einem der beiden 5G-Netze eine "virtuelle Inspektion von Triebwerksteilen mit unseren Airline-Kunden durchgeführt", die in dem Unternehmen Table Inspection genannt wird. "Vor der Pandemie wurde das vor Ort mit dem persönlich anwesenden Kunden und entsprechendem Reiseaufwand gemacht. Seit Reisen durch Corona schwer bis gar nicht mehr möglich ist, machen wir das über einen Videostream. Der benötigt eine dauerhaft hohe Auflösung, da hier oft kleinste Kratzer an den Triebwerksteilen begutachtet werden. Für diesen Stream hin zu unserem Kunden benötigen wir eine stabile Verbindung mit hoher Uploadbandbreite."

Das könne man auch mit WLAN lösen, aber in dem Fall würde man sich durch eine 8.000 m² große Halle von Access Point zu Access Point bewegen. "Dabei gibt es mit unserem Wi-Fi-5 Aussetzer, die für uns nicht tragbar sind", erklärte Noack. Bei den Entscheidungen zur Triebwerksüberholung gehe es oft um Auftragsentscheidungen im sechsstelligen Euro-Bereich, da wären Aussetzer oder eine degradierte Auflösung für die Kunden ein absolutes No-Go. Die WLAN-Architektur habe hier aber einfach Grenzen, besonders beim nahtlosen Handover.

Das private 5G-Netz löse das Problem dagegen seit rund einem Jahr, da das Roaming zwischen den einzelnen 5G Small Cells ohne Latenzerhöhung funktioniere. "Wir sprechen hier nicht von 1 ms, die überall proklamiert wird, sondern von stabilen 15 ms im Durchschnitt", sagte Noack. "Für diesen Anwendungsfall ist das für uns optimal. Das ist für uns enorm wichtig, um diese Inspektionen weiterhin virtuell durchführen zu können."

Schönes klares Bild mit 5G

Hauptsächlich werden dabei Daten hochgeladen. Der Videocodec versuche zudem, immer die beste Verbindung aufzubauen und reiße ab, wenn das nicht möglich sei. Mehr WLAN Access Points verstärkten das Problem noch, da öfter zwischen den Access Points gewechselt werde. Doch mit 5G bekämen die Kunden dauerhaft ein "schönes klares Bild".

Eine weitere 5G-Anwendung bei Lufthansa Technik betrifft die Innenausstattung von speziellen Flugzeugen von Regierungen, VIPs oder der Bundeswehr mit Hilfe von Augmented Reality. Hier gehe es darum, ein Tablet ins Kabineninnere zu halten und darauf genau zu sehen, wo etwa ein neue Tisch oder ein Display platziert werden könne, sagte Noack. "Dafür haben wir im Hangar eine 5G-Antenne aufgehängt und benötigten für den Download sehr hohe Datenraten, die bei CAD-Daten schon mal ein Volumen von 10 GByte haben. Und das Ganze auch noch im Inneren eines Flugzeugrumpfes." Auch hier habe man sehr gute Erfahrungen gemacht.

Hier sei auch die Security sehr wichtig, wodurch bei einem Campusnetz die Daten nie den Premise verlassen würden. Gerade bei Regierungen oder VIPs müssten die Daten auf dem Gelände bleiben und "dürfen auf keinen Fall woanders hin", betonte Noack. Das werde von den Kunden erwartet.

Weitere Ideen von Lufthansa Technik mit späteren 5G-Releases sind unter anderem die genaue Lokalisierung von großen Werkzeugen wie Flugzeugtreppen und Schleppstangen oder die Indoor-Lokalisierung. "Wir schauen immer vorher, welche Technologien sich eignen, ob Wi-Fi 6, ein zuverlässiges Glasfaserkabel oder 5G."

"Einige große Hersteller haben aktuell vor allem Lösungen, die einfach von den Public-Netzen herunterskaliert sind", meinte Noack. "Das passt aber in den meisten Fällen weder für die Lufthansa Technik noch für andere Industrien. Da treffen einfach zwei unterschiedliche Welten aufeinander und es müssen zielführende Lösungen für die Industrie gefunden werden." Deshalb will Lufthansa Technik unbedingt eigene Erfahrungen bei der Errichtung von 5G-Netzen sammeln.

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Poison Nuke 25. Mär 2021

in der Realität ist das aber schon lange nicht mehr so. Die Technik ist gut genug um...

CmdrJameson 24. Mär 2021

Ich habe viele Wlan-Netzwerke mit Hardware diverser Hersteller im Enterprise-Sektor...

beta 24. Mär 2021

Zwischen 4G und 5G liegen realistisch 15-30%. Als Quelle dient mir Verizon und Swisscom...



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