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Luftfahrt: ERC Systems testet Hybrid-Senkrechtstarter für Klinikflüge

Das Start-up ERC Systems testet mit Romeo einen elektrischen Flugdemonstrator. Das Serienmodell soll dank Hybridantrieb 800 km weit fliegen.
/ Nils Matthiesen
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Hybrid-Senkrechtstarter für Kliniken im Test (Bild: ERC  Systems)
Hybrid-Senkrechtstarter für Kliniken im Test Bild: ERC Systems

Das bayerische Start-up ERC Systems(öffnet im neuen Fenster) hat mit der Erprobung seines Flugdemonstrators Romeo einen wichtigen Punkt bei der Entwicklung neuer Rettungsfluggeräte erreicht. Während der aktuelle Prototyp als rein elektrischer Schwebedemonstrator konzipiert ist, setzt das Unternehmen für das spätere Serienmodell auf ein anderes technisches Konzept: Um die notwendige Ausdauer für den klinischen Einsatz zu gewährleisten, soll das Flugzeug einen Hybridantrieb erhalten. Ein Verbrennungsmotor dient dabei als Reichweitenverlängerung.

Das von der bayerischen IABG finanzierte Unternehmen zielt mit seinem Senkrechtstarter (eVTOL) primär auf den Sekundäreinsatz ab. Statt der klassischen Primärrettung am Unfallort steht der effiziente Patiententransport zwischen spezialisierten Kliniken im Fokus. Durch den Hybridantrieb soll das Serienmodell eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern erzielen, was den Aktionsradius im Vergleich zu rein batterieelektrischen Konkurrenten deutlich vergrößert.

Zertifizierung bis 2031 geplant

Technisch kombiniert das Gerät die senkrechte Startfähigkeit eines Hubschraubers mit der aerodynamischen Effizienz eines Starrflüglers. In der Reiseflugphase erzeugen die Tragflächen den Auftrieb, während der Verbrennungsmotor die elektrische Energie für die Triebwerke puffert. Dieser Ansatz soll nicht nur die Lärmmissionen im Vergleich zu herkömmlichen Helikoptern senken, sondern auch die Betriebskosten für Betreiber im Gesundheitswesen reduzieren.

Trotz der aktuellen Fortschritte in der Flugerprobung bleibt der Zeitplan für eine Markteinführung ambitioniert. Während frühere Schätzungen teils von 2029 ausgingen, wird die volle Einsatzreife und Zertifizierung des Serienmodells nun für das Jahr 2031 angestrebt. Die aktuellen Tests mit Romeo dienen primär der Validierung der Flugsteuerung und der Fly-by-Wire-Systeme, die später in das größere Serienmodell übernommen werden sollen.

Marktfokus auf Interhospitaltransfer

Die strategische Entscheidung für den Interhospitaltransfer trägt den Anforderungen der Luftrettung Rechnung. Hier sind verlässliche Reichweiten und eine hohe Verfügbarkeit wichtiger als die reine Emissionsfreiheit im Schwebeflug. Das Start-up profitiert dabei von der Expertise seines Investors IABG, einem etablierten Technologiekonzern aus Ottobrunn, der das Projekt sowohl finanziell als auch mit Testinfrastruktur unterstützt.

In den kommenden Jahren muss das System beweisen, dass die komplexe Kopplung zwischen Verbrennungsmotor und elektrischen Stellmotoren die strengen Sicherheitsauflagen der Luftfahrtbehörden erfüllt. Die Skalierung der Technologie und die Integration in bestehende Rettungsketten bilden die nächsten Hürden auf dem Weg zum kommerziellen Erstflug Anfang der 2030er Jahre.


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