Luftfahrt: Boeing-Mitarbeiter berichten von gravierenden Mängeln

Der US-Senat hat einen Bericht über die Situation bei Boeing veröffentlicht. Laut mehreren Whistleblowern sind die Qualitäts- und Sicherheitsmängel nicht behoben.

Artikel veröffentlicht am ,
Prototyp der Boeing 787 (bei der Luftahrtmesse in Farnborough)
Prototyp der Boeing 787 (bei der Luftahrtmesse in Farnborough) (Bild: MilborneOne/Wikipedia/CC-BY-SA 3.0)

Die Probleme bei Boeing hören nicht auf: Der US-Senat hat einen Bericht veröffentlicht, laut dem bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern eine gefährliche Firmenkultur herrscht. An den Problemen ist aber nicht nur Boeing allein schuld.

Der 97 Seiten lange Bericht des zuständigen Senatsausschusses beruht auf sieben internen Quellen: Drei davon arbeiten bei Boeing selbst, eine beim Triebwerkshersteller General Electric (GE) Aviation und schließlich drei bei der Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA). Sie kritisieren die Firmenkultur bei Boeing, aber auch die mangelnde Aufsicht durch die FAA.

Der aus Deutschland stammende Martin Bickeböller etwa sagte, die Firmenkultur sei nicht förderlich für die nötige Sicherheit von Luftfahrtprodukten. Das Top-Management übernehme keine Verantwortung für die Effektivität des Qualitätsmanagements. Der Ingenieur ist für die Qualitätskontrolle bei den Zulieferern für die 787 Dreamliner zuständig.

Schnell ist wichtiger als sicher

Die Probleme mit der Lieferkette der 787, heißt es in dem Senatsbericht unter Berufung auf Bickeböller, gingen "auf den Termindruck zurück und stehen damit in direktem Zusammenhang mit den derzeitigen Produktionsthemen bei diesem Flugzeug". Schon früher hatten Mitarbeiter kritisiert, dass bei der 787 mehr Wert auf Schnelligkeit als auf Sorgfalt und Sicherheit gelegt werde.

Die Sicherheitsmängel betreffen aber auch die 737 Max: Zwei Maschinen dieses Typs waren im Oktober 2018 und im März 2019 abgestürzt. Ursache war ein Fehler im Maneuvering Characteristics Augmentation Systems (MCAS), eine Software zur Flugsteuerung. Laut dem Bericht hatten Boeing-Mitarbeiter schon Jahre vor den Unglücken vor dem MCAS gewarnt.

Der Bericht enthält auch Aussagen des ehemaligen Boeing-Managers Ed Pierson, der schon früher Sicherheitsbedenken geäußert hatte. Pierson berichtete vor dem Ausschuss von 13 Vorfällen bezüglich der Sicherheit, die nichts mit dem MCAS zu tun hatten.

Es gab im Schnitt zwei Vorfälle im Monat

"Am schockierendsten ist, dass sich 11 dieser 13 Sicherheitsvorfälle in den fünf Monaten zwischen dem Absturz der Lion Air und dem Absturz der Ethiopian Airlines ereigneten", sagte Pierson. "Also zu einer Zeit, in der Boeing und die FAA nach dem Lion-Air-Absturz ein extrem erhöhtes Sicherheitsbewusstsein hätten haben müssen, kam es bei der Max in den fünf Monaten vor dem Ethiopian-Airlines-Absturz weiterhin zu durchschnittlich zwei Sicherheitsvorfällen pro Monat."

Von "extremem Druck, Einschüchterung und Nötigung" berichtete auch ein ehemaliger Mitarbeiter von GE Aviation, der die Entwicklung eines Triebwerks für Boeing für die FAA überwachte. Als Probleme und Verzögerungen auftraten, habe sein Arbeitgeber versucht, seine Arbeit einzuschränken.

Die Senatoren dankten den Whistleblowern für ihre Hinweise. Boeing hingegen erklärte auf eine Anfrage des Nachrichtenmagazins Der Spiegel (Paywall), Sicherheit und Qualität hätten "bei Boeing höchste Priorität". Der Konzern nehme interne Hinweise ernst und ermittle sorgfältig.

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LoopOfShame 17. Dez 2021

...nachdem ihnen die BWLer vorgerechnet haben, dass die technisch saubere Lösung zu...

AllDayPiano 16. Dez 2021

Was ich mich allerdings schon frage, ist, warum bei den Max das TCAS nicht eingegriffen...

forenuser 16. Dez 2021

Oh, die übernehmen durchaus die volle Verantwortung. Das kann aber jeder andere...

Sharra 15. Dez 2021

0 gemalt. Nicht tauschbar.



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