Luftaufklärung: Ukrainisches Militär nutzt Selbstbau-Drohnen und Starlink

Nutzer sozialer Medien sehen seit Wochen immer wieder einfache Drohnenaufnahmen aus dem Krieg in der Ukraine. Auch viele Nachrichtenmedien übernehmen die Bilder, etwa von dem kilometerlangen und wohl liegengebliebenen Konvoi russischer Truppen vor den Toren der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw. Die Aufnahmen stammen dabei meist von der ukrainischen Luftaufklärung (Aerorozvidka), die vor einigen Jahren von Freiwilligen gegründet wurde, wie der Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Die Einheit begann ihre Arbeit demnach vor acht Jahren, also wohl in Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland und den Donbas-Konflikt. Als Flagge und Farben seines Emblems nutzt die Einheit nicht die Farben der aktuellen ukrainischen Staatsflagge, sondern jene der Ukrainischen Aufständischen Armee(öffnet im neuen Fenster) (UPA) aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Die UPA versuchte anfangs mit dem Dritten Reich zu kooperieren und war später an Massakern gegen die polnischsprachige Zivilbevölkerung beteiligt.
Die Luftaufklärungseinheit hat sich laut dem Guardian zu Beginn aus freiwilligen IT-Spezialisten und Bastlern zusammengefunden und sich inzwischen zu einem "essenziellen" Bestandteil in der Verteidigung der Ukraine entwickelt. Das Equipment der Gruppe wird dem wohl aber nicht gerecht.
Hard- und Software im Eigenbau
Zwar verfügt die Ukraine auch über militärische Drohnen vom Typ Bayraktar TB2(öffnet im neuen Fenster) aus der Türkei, die für Angriffe genutzt werden sowie über inzwischen zahlreiche weitere moderne Waffen auch aus Nato-Beständen. Doch im Gegensatz dazu ist die Einheit der Luftaufklärung laut dem Bericht auf Crowdfunding und ein enges persönliches Netzwerk angewiesen, um seine Operationen aufrechtzuerhalten.
Darüber hinaus soll zu Beginn der Einsätze, wie etwa 2015 im Donbas, noch auf kommerziell erhältliche Drohnen gesetzt worden sein. Inzwischen soll das Team aus Ingenieuren, Software-Entwicklern und Hobby-Drohnen-Piloten eigene Designs umgesetzt haben. Die mittlerweile gebauten Designs reichen demnach von kleinen Drohnen mit Nachtsichtkameras zur Luftaufklärung bis hin zu großen Geräten mit 1,5 Meter Durchmesser, die in der Lage sein sollen, kleine Bomben und Granaten abzuwerfen oder gar Raketen zu starten.
Hinzu kommt ein selbstgeschriebenes Software-System, das Delta genannt wird und über das der britische Telegraph bereits berichtete(öffnet im neuen Fenster) . Ziel dieses System sei es, eine bessere Situationsanalyse durchführen zu können. Neben eigenen Luftaufnahmen würden dazu auch Sensordaten, Satellitenbilder oder Geheimdienstinformationen in Delta integriert, wie es heißt. Dies werde dann grafisch auf einer Karte ausgewertet.
Starlink beim Militär
Um diese Informationen zügig weiterreichen und schnell und vergleichsweise ungehindert von Störmaßnahmen agieren zu können, setzt die Luftaufklärung eigenen Angaben zufolge auch auf das Starlink-Satellitennetzwerk. Schon kurz nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine setzte sich Elon Musk dafür ein , dem Land Starlink-Satellitenschüsseln zu überlassen und den Dienst in der Ukraine nutzbar zu machen.
Der Einsatz des Starlink-System birgt jedoch einige Risiken. So könnten die Einsatzorte durch die Kommunikation mit den Satelliten vergleichsweise leicht lokalisiert werden, weshalb auch Musk selbst vor einem Einsatz warnt . Dass Privatpersonen Starlink dauerhaft in der Ukraine einsetzen, erscheint deshalb unwahrscheinlich.
Alle aktuellen Golem.de-Artikel und weitere News zum Ukraine-Krieg finden sich in unserem Liveblog .



