Abo
  • IT-Karriere:

Lücken in Industrieanlagen: Nicht nur Banken und Webseiten sollen verteidigt werden

Hacker sollen sich nicht mehr um die Sicherheit des Geldes und Daten von anderen kümmern. Stattdessen gilt es, den Fokus auf Industrieanlagen zu richten, auch, um Menschenleben zu schützen.

Artikel veröffentlicht am ,
Ein Kontrollzentrum an der Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan 2008
Ein Kontrollzentrum an der Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan 2008 (Bild: Osman Kerimov/AFP/Getty Images)

Eireann Leverett sieht die Zukunft des Hackings in den Industrieanlagen. Scada, ICS und ähnliche Systeme gilt es zu untersuchen. Sicherheitslücken dort sind zahlreich, qualifiziertes Personal Mangelware und Sicherheitsforschung vergleichsweise selten. Und so kommt es, dass gefährliche Sicherheitslücken in solchen Industriesystemen wie etwa auch Switches in der Regel nach der Meldung erst einmal nicht gepatcht werden. Im Schnitt braucht ein Hersteller von Netzwerkhardware in der Industrie um die 18 Monate, um ein Problem zu beseitigen, dessen Ausnutzung mitunter Leben kosten kann.

Stellenmarkt
  1. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. AKDB, Regensburg

Und selbst wenn gepatcht wird: Bis dann der Anlagenbetreiber seine anfälligen Systeme auf einen aktuellen, sicheren Stand gebracht hat, vergehen noch einmal zwei bis drei Jahre. Schlimmstenfalls bleiben Anlagen also ein halbes Jahrzehnt offen für Angriffe.

Die Gefahren, die von solchen Systemen ausgehen, sind hoch. Erst kürzlich wurde etwa von kriminellen Hackern ein Hochofen bei einem Angriff stark beschädigt. Auch die Explosion einer Öl-Pipeline wird einem Angriff auf IT-Infrastruktur zugerechnet. Leverett berichtet von weiteren kritischeren Beispielen, wo etwa Switches, die er untersucht hat, Menschenleben gefährden könnten. So leiten die Switches in einigen Fällen etwa wichtige Signale in Unternehmen weiter. Für Arbeiter in Industrieanlagen, die mit Gasen hantieren, und sei es nur als Nebenprodukt, ist etwa die Erkennung gefährlicher Gase wichtig. Die wandern nicht etwa über dedizierte Leitungen, sondern über solche Industrieswitches und lösen die Alarmanlagen aus. Doch in solchen Switches fand er schnell viele Fehler. Einer der Fehler sorgt für einen Neustart des Geräts, ohne dass sich der Nutzer authentifizieren muss. Der Aufruf einer URL reichte aus. Auch im Webinterface des Switches fand er so viele Fehler, dass er nicht wusste, wie er den Switch eigentlich vollständig untersuchen soll.

Schlimmstenfalls könnte ein Angreifer demnach nicht nur Industrieanlagen beschädigen, sondern gleichzeitig die Warnsysteme ausschalten und so den Schaden weiter erhöhen und eine Schadensvermeidung aktiv verhindern. Ohne Alarm rückt beispielsweise auch nicht unbedingt die Feuerwehr aus.

Deswegen möchte Leverett, dass sich die Hacker auch um diese Probleme kümmern. Ein Problem ist auch, dass die Verantwortlichen die Problematik nicht unbedingt verstehen. Ein Hacker müsste potenzielle Probleme in einem Unternehmen erst einmal auf einem verständlichen Niveau kommunizieren. Das hat laut Leverett aber den Vorteil, dass sich so die Verbindung zwischen Hackern und den Verantwortlichen verbessert. Diese sind ihm zufolge auch dankbar. Das zeigt anscheinend jedoch auch, in welch schlechtem Zustand die Industrie ist.

Leverett hofft aber, dass sich das mit dem Druck der Hacker verbessert. "Ich kann träumen, oder?", sagte er. Er hofft auf die Einrichtung von Computer Emergency Response Teams bei den Herstellern der Industrienetzwerktechnik. Auch um "Das Schweigen der Hersteller" zu brechen. Er sieht es nicht mehr als wichtig an, das Geld anderer zu schützen, indem Banken untersucht oder die Leute vor Webseiten geschützt werden. Im Bereich der Industriesysteme fehlt noch viel Forschung in der Sicherheitstechnik.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

cry88 30. Dez 2014

Da hast du Recht. Das Problem an der Sache ist, dass die Wenigsten dieser Anlagenbauer...

DerVorhangZuUnd... 30. Dez 2014

War selber einige Jahre Inbetriebsetzer für Anlagensoftware bei einem der genannten...


Folgen Sie uns
       


Elektro-SUV Nio ES 8 Probe gefahren

Der ES8 ist ein SUV des chinesischen Herstellers Nio. Wir sind damit über die Alpen gefahren.

Elektro-SUV Nio ES 8 Probe gefahren Video aufrufen
Recruiting: Wenn das eigene Wachstum zur Herausforderung wird
Recruiting
Wenn das eigene Wachstum zur Herausforderung wird

Gerade im IT-Bereich können Unternehmen sehr schnell wachsen. Dabei können der Fachkräftemangel und das schnelle Onboarding von neuen Mitarbeitern zum Problem werden. Wir haben uns bei kleinen Startups und Großkonzernen umgehört, wie sie in so einer Situation mit den Herausforderungen umgehen.
Von Robert Meyer

  1. Recruiting Alle Einstellungsprozesse sind fehlerhaft
  2. LoL Was ein E-Sport-Trainer können muss
  3. IT-Arbeit Was fürs Auge

E-Auto: Byton zeigt die Produktionsversion des M-Byte
E-Auto
Byton zeigt die Produktionsversion des M-Byte

IAA 2019 Die Premiere von Byton in Frankfurt ist überraschend. Da der M-Byte im kommenden Jahr in China startet, ist die Vorstellung des produktionsreifen Elektroautos in Deutschland etwas Besonderes.
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. IAA 2019 PS-Wahn statt Visionen

Ryzen 7 3800X im Test: Der schluckt zu viel
Ryzen 7 3800X im Test
"Der schluckt zu viel"

Minimal mehr Takt, vor allem aber ein höheres Power-Budget für gestiegene Frequenzen unter Last: Das war unsere Vorstellung vor dem Test des Ryzen 7 3800X. Doch die Achtkern-CPU überrascht negativ, weil AMD es beim günstigeren 3700X bereits ziemlich gut meinte.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Agesa 1003abba Microcode-Update taktet Ryzen 3000 um 50 MHz höher
  2. Agesa 1003abb Viele ältere Platinen erhalten aktuelles UEFI für Ryzen 3000
  3. Ryzen 5 3400G und Ryzen 3 3200G im Test Picasso passt

    •  /