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Luc Verhaegen: "Der Markt zwingt ARM zu mehr Offenheit"

Noch verstecke sich ARM hinter vielen Ausreden, warum es keine offenen Grafiktreiber für die Mali-GPUs entwickele, schreibt Linux-Hacker Luc Verhaegen. Doch der Marktdruck werde dies schon bald ändern.
/ Sebastian Grüner
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Der Exynos 5 verwendet die Mali-GPU. (Bild: Samsung)
Der Exynos 5 verwendet die Mali-GPU. Bild: Samsung

Vor wenigen Wochen hatte die US-Webseite Anandtech den Chef der ARM-Grafikabteilung, Jem Davies, in einer offenen Fragerunde zu Gast. Der Linux-Entwickler Luc Verhaegen, der freie Treiber für die Mali-GPUs von ARM per Reverse Engineering erstellt, bezeichnet die dort von Davies getroffenen Aussagen nun in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) als Ausflüchte. Immerhin würde der Konzern selbst freie Treiber erstellen können, auch wenn dies anders dargestellt werde.

Zu wenig Ressourcen

Davies sagte Anandtech(öffnet im neuen Fenster) : "Wir haben wirklich nichts gegen Open-Source-Treiber." Die damit verbundenen Probleme seien aber sehr komplex. "Als vergleichsweise kleines Unternehmen mit einem auf Partner ausgelegten Geschäftsmodell, müssen die Ressourcen, die wir haben, so auf die Projekte verteilt werden, dass diese den Ansprüchen unserer Partner gerecht werden" .

Zwar räumt Verhaegen ein, dass die Entwicklung freier Mali-Treiber sehr viele Ressourcen beanspruchen würde und dies mit Einnahmen in der Grafiksparte von ARM finanziert werden müsse. Trotzdem sei die Kosten-Nutzen-Rechnung von Davies zu kurz gedacht und beachte keine weiteren Effekte, die freie Treiber auslösen könnten, meint Verhaegen.

Freie Treiber als Marktstrategie

Denn die verweigernde Haltung gegenüber den freien Treibern werde wohl langfristig auch die Verkaufszahlen schmälern. So begännen derzeit direkte Konkurrenten wie etwa Nvidia und Broadcom damit, freie Treiber für ihre GPUs in ARM SoCs selbst zu erstellen.

"Unternehmen, die noch zu sehr an dem Embedded-Gedanken hängen, müssten nun mehr und mehr wie klassische PC-Hardware-Hersteller vorgehen." Es sei also nur eine Frage der Zeit, bis auch ARM diesem Trend folgen müsse, so Verhaegen.

Abstellgleis Linaro

Als Argument für die Unterstützung von Open-Source-Software führt Davies das Engagement ARMs in dem Linaro-Konsortium an. Dieses soll die Unterstützung von ARM-Architekturen in Projekten wie dem Linux-Kernel oder der GNU Compiler Collection erhöhen. Die Grafikabteilung von ARM trage aber nur in sehr geringem Maße zu Linaro bei, wie Verhaegen schreibt.

Zudem nutzten viele Linaro einfach dafür, dort " weniger wichtige Leute zu parken und Privilegien zu erhalten" . Denn das Verhalten einiger bei Linaro organisierter Unternehmen zeige, dass diese ihre Beteiligung oft nur als Werbung benutzten. Es gebe immer noch Linaro-Mitglieder, die große Schwierigkeiten damit hätten, sich voll an die Richtlinien der GPL zu halten und den Code frei bereitzustellen.

"GPU-Patente sind Ausreden"

Auch mögliche Verwicklungen in Patentstreitigkeiten durch das Offenlegen der Treiber lässt Verhaegen nicht als Argument zu. Er sei sogar überrascht, dass immer noch versucht werde, damit zu überzeugen. Sollten offene Treiber tatsächlich so viel über die inneren Mechanismen der Hardware preisgeben, dass dadurch Patentverletzungen gefunden werden könnten, liege das Problem doch in der Hardware, nicht in der Software.

Darüber hinaus seien Patente auch "keine besonders große Sache" . Denn wäre dem so, sollte doch zu erwarten sein, dass ein Grafikexperte im Reverse Engineering kontaktiert werde, um eventuelle Patentprobleme ausfindig zu machen. Weder er selbst, noch irgendjemand, den er kenne, sei aber jemals deswegen angefragt worden.

Sollte ARM freie Treiber für Mali bereitstellen, würde das viele Probleme lösen und den verschiedenen Bedürfnissen von Geräte- und Chip-Herstellern sowie Anwendern entgegenkommen. Verhaegen glaubt aber auch nicht, dass Top-Smartphones in kurzer Zeit mit offenen Treibern verkauft würden.


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