Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Low-Tech: Rotierender Stacheldraht gegen Glasfaserdrohnen

Glasfaser- Drohnen sind gegen Störmaßnahmen immun. Die Ukraine hat dennoch ein Gegenmittel gefunden und das kommt aus dem vorletzten Jahrhundert.
/ Michael Linden
50 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Motorisierter Stacheldraht (Bild: Militarnyi)
Motorisierter Stacheldraht Bild: Militarnyi

Ukrainische Streitkräfte haben eine mechanische Lösung gegen Glasfaserdrohnen entwickelt, die entlang der Frontlinie zunehmend Versorgungsrouten attackieren, wie Militarnyi berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Das System nutzt Stacheldraht mit Motorfunktion, um die Kommunikationskabel zu durchtrennen, die die unbemannten Fluggeräte während des Flugs hinter sich auslegen.

Aufnahmen des russischen Militärbloggers Ramzai(öffnet im neuen Fenster) zeigen das ukrainische System im Einsatz. Der Mechanismus spannt Stacheldraht über voraussichtliche Drohnen-Flugbahnen und rotiert kontinuierlich, um die dünnen Glasfaserkabel zwischen Drohne und Operator zu erfassen und zu zerreißen.

Glasfaserdrohnen legen ihre Kabel während des Flugs am Boden ab. Diese Eigenschaft schafft eine Schwachstelle, die das rotierende Drahtsystem ausnutzen soll. Die Drehbewegung verdrillt jedes Kabel, das mit der Barriere in Kontakt kommt, bis es reißt.

In einem Video beschreibt ein ukrainischer Soldat die 150-Meter-Barriere. Der Drehmechanismus arbeitet zyklisch: eine Minute Rotation, gefolgt von einer Minute Pause. Dieses Muster ermöglicht einen Betrieb von etwa zwölf Stunden mit einer Akkuladung.

Reichweiten-Wettrüsten auf beiden Seiten

Die Barrieren können keine vollständige Frontabdeckung bieten. Sie könnten jedoch Drohnenangriffe auf rückwärtige Stellungen und Logistikrouten eindämmen. Glasfaserdrohnen haben sich als fähig erwiesen, ukrainische Nachschubketten und Truppenbewegungen zu stören.

Beide Armeen setzen diese Drohnen mittlerweile für Angriffe bis zu 40 Kilometer von der Front entfernt ein. Im Mai sollen Drohnen-Operateure der Birds-of-Magyar-Brigade russische Panzerfahrzeuge in 42 Kilometern Entfernung zerstört haben – ein Rekord für diesen Waffentyp.

Russland testete kürzlich die Molnija-2, eine FPV-Drohne in Flugzeugbauweise mit 40-Kilometer-Glasfaserrolle. Die Starrflügel-Konfiguration bietet höhere Geschwindigkeiten als Quadcopter.

Auch ukrainische Hersteller haben Langstrecken-Varianten entwickelt. Im Juli stellten Entwickler einen Prototyp der zweimotorigen Darts-Drohne vor, die ein 50-Kilometer-Glasfaserkabel trägt. Der Prototyp befand sich zu diesem Zeitpunkt in ersten Flugtests und war noch nicht im Kampfeinsatz.

Die erhöhte Reichweite von Glasfaserdrohnen in Flugzeugbauweise bietet taktische Vorteile. Höhere Geschwindigkeiten bedeuten kürzere Expositionszeiten für die verwundbare Kabelverbindung. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit von Störungen durch Umweltfaktoren oder Gegenmaßnahmen.

Auch die Forschung zur Ortung von Glasfaser-Drohnen-Kontrollstationen hat Fortschritte gemacht. Ukrainische und russische Teams haben Methoden mit Lasern zur Identifizierung von den Bedienmannschaften erforscht.


Relevante Themen