Louis Gerstner: "Retter von IBM" mit 83 Jahren verstorben

Der US-amerikanische Manager Louis Gerstner ist im Alter von 83 Jahren verstorben, wie verschiedene Medien berichten(öffnet im neuen Fenster) . Gerstner war von 1993 bis 2002 CEO von IBM und gilt als "Retter von IBM" . Er führte das Unternehmen als erster (und bisher einziger) CEO, der nicht aus den Reihen von IBM selbst stammte.
Gerstner war vor seiner Zeit bei IBM bei McKinsey und dem Tabak- und Lebensmittelkonzern RJR Nabisco angestellt, bevor er von 1978 bis 1989 bei American Express in der Abteilung für Reiseangelegenheiten arbeitete. Unter ihm wurden bei Amex unter anderem die Gold Card und die Platinum Card eingeführt, die sich mit verschiedenen Vorteilen an vermögendere Kunden richten.
Als Gerstner 1993 IBM als CEO übernahm und damit das IBM-Urgestein John Akers als erster externer Firmenchef ablöste, lag das Unternehmen mit zahlreichen Problemen am Boden. Die Konkurrenz im Hardware-Bereich hatte IBM ab den späten 1980er Jahren stark zugesetzt, das Monopol im PC-Markt konnte das Unternehmen nicht halten.
IBM sollte aufgespalten werden
Als Gerstner IBM übernahm, stand das Unternehmen kurz vor der Aufspaltung: Die verschiedenen Bereiche sollten als sogenannte Baby Blues – in Referenz zu IBMs Spitznamen "Big Blue" – als eigenständige Geschäftsbereiche agieren, um der Konkurrenz besser entgegentreten zu können. Gerstner verwarf diese Pläne mit dem Hintergedanken, dass IBM ein solch diverses Portfolio hat, dass es im Gegensatz zu anderen Unternehmen Gesamtlösungen anbieten könne.
Auch Produkte wie das Betriebssystem OS/2 wurden als kostenintensives Problem identifiziert. OS/2 wurde als Konkurrenz zu Windows entwickelt, von den Kunden aber nicht angenommen. Entsprechend verabschiedete sich IBM unter Gerstner aus der Betriebssystementwicklung und überließ dieses Feld der stärkeren Konkurrenz.
35.000 der 300.000 Mitarbeiter, die sich auf eine lebenslange Beschäftigung eingestellt hatten, mussten zu Beginn seiner Amtszeit gehen. Als Gerstner 2002 den Vorsitz an Sam Palmisano übergab, hatte IBM allerdings wieder mehr als 300.000 Mitarbeiter.
E-Business als Zukunftsgeschäft
Gerstner hatte das E-Business-Geschäft als zukunftsträchtig identifiziert: IBM bot unter ihm seinen Kunden Gesamtlösungen an, die aus Servern und passender Datenbanksoftware bestand. Als Gerstner im Jahr 2002 als CEO zurücktrat, hatte IBM seine Marktkapitalisierung von 29 Milliarden US-Dollar im Jahr 1993 auf 168 Milliarden US-Dollar mehr als verfünffacht.
Nach IBM hatte Gerstner weitere Aufsichtsratsposten inne und gründete eine eigene philanthropische Stiftung. Louis Gerstner ist am 27. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren gestorben und hinterlässt seine Frau Robin und ein Kind.