GTA-RPG als Big Business

Während unserer dreistündigen Stichprobe auf dem dürftig ins Deutsche übersetzten Server fielen Beleidigungen am laufenden Band, mehrere Male wurden wir ohne Ankündigung von unserem Mietroller geschossen oder von bunt blinkenden Lamborghinis überfahren. Die rund 1.000 gleichzeitigen Spieler pro Instanz verfolgen also eher das Credo eines regulären GTA-Online-Servers: Erst schießen, dann Fragen stellen.

Der größte Unterschied zu traditionellen Rollenspielservern ist allerdings nicht das Interaktionsniveau, sondern die Kommerzialisierung. Grand RP wirbt offensiv mit einem Ingame-Shop, in dem Spieler sich nach dem Pay-to-Win-Prinzip Vorteile erkaufen können.

Um noch mehr Geld in die Kassen zu spülen, umgarnen die Betreiber im großen Stil bekannte Twitch-Streamer wie Montana Black, der schon seit längerem mit Immortal RP, dem bis dato größten GTA-RP-Streamer-Server in Deutschland, unzufrieden ist.

Denn GTA RP ist bei Twitch im Trend, und mehr Zuschauer bedeutet mehr potenzielle Käufer von Lootboxen und Ingame-Währung. Die Twitch-Promis Trymacs oder MckyTV haben mittlerweile sogar ihre eigene Serverinstanz - und werden von Grand RP für das Streamen bezahlt.

Quo vadis, GTA-Rollenspielszene?

"Am Anfang hat mich das schon beschäftigt, das ist eine ganz andere Marktmacht", erklärt Marco, der seit 2019 den Reallife-Server Vio-V betreibt, auf dem vor dem Start von Grand RP rund 600, mittlerweile aber nur noch etwa 200 Spieler gleichzeitig spielen.

Obwohl das RP-Niveau des Servers laut eigener Aussage eher locker ist, müssen Spieler trotzdem eine praktische Fahrprüfung inklusive Einparken bestehen, um ihren Ingame-Führerschein zu bekommen.

"Wir brauchen gar nicht versuchen, da marketingtechnisch ranzukommen. Auf der Basis von kostenloser Arbeit ein Geschäftsmodell aufzubauen, finde ich moralisch nicht gut, aber es ist legitim, dass die Leute auf solchen Servern spielen wollen."

Auch Homestate-Betreiber Chriddel sieht Grand RP kritisch. "Bei diesen Servern wird das Ganze zu einem Business", findet er. "Es gibt Item-Shops, Streamer werden bevorzugt und bekommen gewisse Dinge, um ihre Reichweite auf den Server zu ziehen, und das sind alles Dinge, die entgegen unserer Werte sind."

Trotz der Konkurrenz machen sich die Betreiber von Vio-V, Homestate und StateV um die Zukunft von GTA-Rollenspiel wenig Sorgen. "Neulinge in der Szene suchen sich eher einen Server mit hohen Userzahlen", sagt StateV-Betreiber Klindworth. "Je nach Typ werden sie dann aber von der RP-Qualität enttäuscht und zu einem kleineren Server wechseln."

Für Chriddel ist das größte Problem der falsche Eindruck, der durch die Dominanz von Servern wie Grand RP von richtigem Rollenspiel vermittelt wird. Spielerabwanderung fürchtet er trotzdem nicht. "Unsere Zielgruppe sind Leute, die authentisches RP spielen wollen. Da ist es völlig egal, wie groß Server wie Grand RP sind", sagt der Homestate-Leiter.

Und auch Marco, der Kopf hinter Vio-V, denkt, dass authentischere Rollenspielserver ihre eigenen Vorteile bieten. "Wir gehen davon aus, dass unser Konzept Spielern ein deutlich besseres Erlebnis bietet als dieses 'Ich kaufe mir das mit echtem Geld und dann habe ich das schnell'", erklärt er. "Es geht darum, sich etwas zu erarbeiten."

Den Sprung aus der Nische werden Server wie StateV, Vio-V und Homestate so kaum schaffen. Aber durch ihre klare Ausrichtung und den moralischen Kompass dürften die Hobbyprojekte im Gegenzug auch den großen Streamer-Hype überdauern.

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 Nach dem Banküberfall ein paar Stunden Knast
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FireEmerald 17. Jul 2022

Definitiv ein gutes Beispiel für einen Artikel wo ich keinerlei Grund sehe sowas hinter...

Gokux 17. Jul 2022

Ein "spezielles" Thema ist es ja, aber wenn man jeden Tag ein ein Plusartikel raushauen...

Hotohori 16. Jul 2022

Gerade bei diesem kommerziellen Server frage ich mich wie eigentlich Take2 dazu steht...



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