Nach dem Banküberfall ein paar Stunden Knast

Das ist es, was einen Rollenspielserver wie Homestate von einer normalen GTA-Online-Instanz unterscheidet. Wer hier sein Auto gegen einen Baum setzt, fährt nicht einfach weiter, sondern wartet auf die Sanitäter. Wer AFK gehen muss, überlegt sich besser eine gute Ingame-Ausrede wie einen Anruf auf dem Handy und aktiviert im Spiel die entsprechende Animation.

Und wer ein Geschäft ausraubt und dabei von den ebenfalls von Spielern verkörperten Polizisten erwischt wird, muss mehrere Stunden im Knast absitzen.

Im Gegenzug bieten derartige Server oft von Grund auf neu gestaltete Locations und Skripte, die das Spielerlebnis von eigenen Ingame-Social-Media-Apps bis hin zu Freizeitbeschäftigungen wie Golfen stark individualisieren.

Zwischen Bewerbungsgespräch und Undercover-Arbeit

Weil die Welt bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich von menschlichen Spielern bevölkert ist, sind die Straßen von Los Santos deutlich leerer als in GTA Online. Aber wenn etwas passiert, hinterlässt es aufgrund der Realitätsnähe mehr Eindruck als in anderen Onlinerollenspielen.

"Ich finde es schön, dass man eine ähnliche Welt aus anderer Perspektive betrachten kann", sagt Chriddel. "Wenn jemand etwa einen Sanitäter spielt, es gibt eine Schießerei und du bekommst über Funk die Informationen, dass es zwölf Verletzte gibt. Dann fragst du dich 'Oh Gott, wie spiele ich diese Situation jetzt aus?'"

Dagegen setzt StateV, ein seit 2017 existierender Hardcore-Rollenspielserver mit im Schnitt 300 aktiven Spielern, auf Realismus und eine spielergetriebene Wirtschaft inklusive ausgefeilter Warenkreisläufe mit mehreren Produktionsschritten und dazugehörigen Rohstoffmärkten. Die meisten Interaktionen entstehen allerdings in Alltagssituationen, die mal mehr, mal weniger spannend sind.

So konnte Golem.de bei Stippvisiten beispielsweise ein banales Vorstellungsgespräch einer neuen Thekenkraft bei einer Kneipe irgendwo im Nirgendwo mitverfolgen, das mit einem abgeschleppten Auto und Machtspielchen zwischen Besitzer und Managerin der Bar endete.

An anderer Stelle versuchten zwei Undercover-Polizisten, den organisierten Drogenhandel mittels sogenannter "Obsttaxis" zu unterwandern - alles spielergesteuert, also ohne Vorgaben vom Server.

Das Verhältnis zwischen Kriminellen, Justiz und Zivilbevölkerung hält sich erstaunlicherweise sowohl auf Homestate als auch auf StateV die Balance. "Die Mehrheit spielt nichts außergewöhnliches", sagt Serverleiter Eike Klindworth. "Das Verhältnis Normalo zu Kriminell ist eigentlich sehr ausgeglichen, es driften aber üblicherweise mehr Leute in die Kriminalität ab als umgekehrt."

Die Möglichkeit, frei über seine Charakterentwicklung zu entscheiden, ist es auch, was laut Klindworth den Reiz von Rollenspiel in einer realitätsnahen Welt ausmacht. "Man kann verkörpern, wen oder was man will", sagt er. "In einer Fantasywelt müsste man sich sicher mehr Gedanken darüber machen, was man sagt."

Wenn das Hobby zum Geschäft wird

Dass Rollenspiel aber auch in der Welt von GTA nicht gleich Rollenspiel ist, zeigt eine relativ junge Entwicklung, die von alteingesessenen Serverbetreibern argwöhnisch begutachtet wird: Die zunehmende Beliebtheit von RP-Servern, die eigentlich nichts mit richtigem Rollenspiel zu tun haben.

Das derzeit bekannteste Beispiel ist das polnische Servernetzwerk Grand RP, das im November 2020 gegründet wurdet und im Januar 2021 startete. Wie wenig Wert bei Grand RP auf das Verkörpern einer Rolle gelegt wird, wird schnell deutlich.

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 Los Santos: GTA 5 als echtes RollenspielGTA-RPG als Big Business 
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FireEmerald 17. Jul 2022

Definitiv ein gutes Beispiel für einen Artikel wo ich keinerlei Grund sehe sowas hinter...

Gokux 17. Jul 2022

Ein "spezielles" Thema ist es ja, aber wenn man jeden Tag ein ein Plusartikel raushauen...

Hotohori 16. Jul 2022

Gerade bei diesem kommerziellen Server frage ich mich wie eigentlich Take2 dazu steht...



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