Lootboxen: EA will Spieler gezielt in die Fifa-FUT-Falle locken

Dem kanadischen Sender CBC sind interne Unterlagen von Electronic Arts zugespielt worden, in denen es unter anderem um den umstrittenen Modus Fifa Ultimate Team (FUT) aus dem Vollpreisspiel Fifa 21 und früheren Fußballsimulationen geht.
Aus den Dokumenten geht vor allem hervor, dass EA die Nutzer sehr bewusst und gezielt dazu bringen möchte, FUT anstelle anderer Modi zu spielen. Unter anderem ist zu lesen, dass "FUT der Eckpfeiler" von Fifa sei. "Wir machen alles, was wir können, um Spieler dorthin zu bringen" , heißt es.
Der Grund für die Bedeutung von FUT für Electronic Arts ist ziemlich offensichtlich: Mit dem Modus verdient der Publisher durch den Verkauf von Lootboxen viel Geld.
Im Jahr 2020 hat EA mit derlei Extraangeboten in allen seinen Sportspielen rund 1,49 Milliarden US-Dollar eingenommen - 2015 waren es noch 587 Millionen US-Dollar.
In FUT erstellen Spieler von Fifa eine Mannschaft, mit der sie in mehreren Modi und Wettbewerben antreten. Um an besonders gute Spieler zu kommen, ist man mehr oder weniger darauf angewiesen, Glück beim Öffnen der Lootboxen zu haben.
Zwar sind leistungsstarke Athleten mit hohen Werten in den Partien nicht allein entscheidend, aber bei ungefähr gleich gutem Können am Gamepad dürfte so gut wie immer der mit dem besten virtuellen Kickern gewinnen.
Es gibt also in FUT einen starken Anreiz, Geld auszugeben. EA nennt diese finanzielle Komponente in dem nun geleakten Dokument "Grind Money" - was eine abfällige Bezeichnung dafür ist, dass die Spieler irgendwann lieber Euro oder Dollar ausgeben, statt weiter mit langweiligen Standardaufgaben an die Ingame-Währung zu kommen.

In Foren und im sozialen Netz haben die Dokumente zu Diskussionen rund um EA geführt. Inzwischen hat das Unternehmen reagiert und eine Erklärung ins Netz gestellt(öffnet im neuen Fenster) . Seinen Angaben zufolge seien die kritisierten Stellen aus dem Zusammenhang gerissen.
Es gebe keinen "Druck" in Richtung FUT und überhaupt sei man sehr bemüht, die Spieler zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu bewegen. Mit Glücksspiel habe das alles sowieso nichts zu tun. Das mag formal alles korrekt sein, in weiten Teilen der Community dürfte das aber anders wahrgenommen werden.
Langfristig könnte das Geschäftsmodell mit FUT auch durch die Politik unter Druck geraten: Anfang März 2021 hat der Bundestag ein neues Jugendschutzgesetz verabschiedet, das die Vermarktung von Lootboxen erschweren könnte.



