London Metropolitan Police: Wissenschaftler kritisieren Gesichtserkennung hart

Keine rechtliche Grundlage, wenig Feingefühl für Privatsphäre und dazu auch noch grottenschlechte Ergebnisse: Zwei britische Wissenschaftler haben den Einsatz von Echtzeit-Gesichtserkennung durch die Londoner Polizei untersucht. Die sollte wohl darauf hoffen, dass sich kein Gericht damit befasst.

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Gesichtserkennung: Justizirrtümer und unrechtmäßige Verhaftungen
Gesichtserkennung: Justizirrtümer und unrechtmäßige Verhaftungen (Bild: Michigan State University)

Nur jeder fünfte Erkannte ist wirklich ein Gesuchter: Wissenschaftler aus England haben das Echtzeit-Gesichtserkennungssystem (Live Facial Recognition, LFR) untersucht, das die Polizei in London einsetzt. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Das System liegt in über 80 Prozent der Fälle falsch.

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Die Metropolitan Police nutzt LFR an mehreren Stellen in London. Die LFR-Systeme sollen unter den Passanten gesuchte Personen erkennen. Dabei waren sie alledings nicht sehr erfolgreich: Sie lieferten 42 Treffer. Davon waren jedoch die meisten sogenannte False Positives, also falsch erkannte Personen. Von den vermeintlich identifizierten 42 Personen standen nur acht tatsächlich auf der Liste der Gesuchten. David Davis, Abgeordneter der Conservative Party, sagte der britischen Tageszeitung The Guardian, ein solches System könne "zu Justizirrtümern und unrechtmäßigen Verhaftungen führen". Das stelle ein "ernstes Problem für die Demokratie" dar.

Pete Fussey und Daragh Murray vom Human Rights, Big Data & Technology Project der University of Essex in Colchester haben das System an sechs Einsatzorten in den Londoner Stadtteilen Soho, Romford und Stratford untersucht. Es ist nach ihren Angaben die erste unabhängig finanzierte, akademische Untersuchung der Nutzung von LFR-Technologie durch die britische Polizei.

Die Wissenschaftler kritisierten aber nicht nur die Unzulänglichkeit des System. Aktuell gebe es keine ausdrückliche rechtliche Grundlage dafür, sagen sie. Der ganze Prozess sei unzureichend. So habe es keine ausreichende Planung und Konzeption vor dem Test gegeben. Die Polizei habe sich hauptsächlich um die technischen Aspekte der Versuche gekümmert und zu wenig um die nicht-technischen.

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So sei etwa die Thematik Menschenrechte und Privatsphäre vernachlässigt worden. Die Polizei habe die LFR-Technik ähnlich wie herkömmliche Überwachungskameras behandelt. "Dabei werden Faktoren wie der übergriffige Charakter von LFR und des Einsatzes biometrischer Verfahren nicht berücksichtigt", monieren die Forscher. Als Folge dessen sei auch keine detaillierte Abschätzung der Folgen durchgeführt worden. Die Kriterien, nach denen Menschen in die Suchliste aufgenommen worden seien, seien nicht klar definiert gewesen.

Schließlich habe es während des Tests diverse operative Fehler gegeben, darunter Inkonsistenzen, wie die Beamten Treffer des Systems überprüften, oder die Art und Weise, wie die Polizisten Personen angesprochen hätten. Die Daten seien nicht immer aktualisiert worden, so dass Personen noch einmal gestoppt wurden, obwohl ihr Fall bereits behandelt wurde. Es sei deshalb "sehr wahrscheinlich", dass ein Gericht, wenn es darüber entscheiden müsse, den Einsatz von LFR untersagen werde.

Polizeien testen Gesichtserkennung

Die Metropolitan Police hat LFR erstmals beim Notting Hill Carnival 2016 eingesetzt. Weitere Tests folgten. Auch in anderen britischen Städten, darunter Manchester und Leicester, nutzt die Polizei Gesichtserkennung. Eingesetzt wird entsprechende Technik aber schon länger: Einen ersten Test gab es bereits vor knapp 20 Jahren durch die Stadtverwaltung in Newham im Londoner East End. In Deutschland hat die Bundespolizei Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz ein Jahr lang getestet.

Die Metropolitan Police nutzt das System Neoface von NEC. Das hatten zwei US-Forscher nach dem Anschlag auf den Boston Marathon anhand von Fotos der beiden Täter getestet. Ihr Resümee war seinerzeit, dass dessen Ergebnisse nicht so exakt seien, dass dem System bei einem Einsatz in der Strafverfolgung blind vertraut werden könne. Im kommenden Jahr wollen die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele in Tokio das System für die Authentifizierung von Athleten und anderen einsetzen.

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