Abo
  • IT-Karriere:

LoJax: UEFI-Rootkit in freier Wildbahn gesichtet

Die Sicherheitsfirma Eset hat das erste aktive UEFI-Rootkit entdeckt. Die Schadsoftware übersteht einen Austausch der Festplatte und wird der berüchtigten Hackergruppe APT28 zugeschrieben. Diese soll unter anderem für den Bundestagshack verantwortlich sein.

Artikel veröffentlicht am , Moritz Tremmel
Ob wohl unter der Tastatur ein UEFI-Rootkit lauert?
Ob wohl unter der Tastatur ein UEFI-Rootkit lauert? (Bild: Tadas Sar/unsplash)

Der Antivirenspezialist Eset hat zum ersten Mal ein UEFI-Rootkit entdeckt, das bereits beim Start des Rechners geladen wird und eine Ebene unter dem Betriebssystem agiert. Eset stellte die Schadsoftware am 27. September 2018 auf der Sicherheitskonferenz BlueHat von Microsoft vor. Voraussetzung für den Angriff ist ein älteres Gerät, dessen UEFI nicht aktualisiert wurde, sowie das Betriebssystem Windows. Der Angriff wird der Hackergruppe APT28 zugeordnet, die für ausgefeilte Hacks auf staatliche Institutionen bekannt ist. Die Software soll bisher in Ost- und Mitteleuropa zum Einsatz gekommen sein. Eine Adaption des Angriffs durch Kriminelle ist nicht auszuschließen.

Stellenmarkt
  1. Bechtle Onsite Services GmbH, Hechingen
  2. Hochschule Heilbronn, Heilbronn

Schadsoftware, die sich weit vor dem Betriebssystem in den Bootvorgang einnistet, gilt als besonders gefährlich. Sie läuft eine Ebene unter dem Betriebssystem, kann es kontrollieren und sich jeder Kontrolle durch dieses entziehen. Bisher wurden UEFI-Rootkits eher auf Sicherheitskonferenzen diskutiert oder die Existenz solcher Software bei der NSA und dem Schadsoftware-Hersteller HackingTeam wurde in geleakten Dokumenten erwähnt. Jetzt wurde das erste UEFI-Rootkit, das sich in der modernen Variante des BIOS namens Unified Extensible Firmware Interface im Einsatz befindet, entdeckt.

Eset nennt es LoJax, in Anlehnung an die PC-Ortungssoftware LoJack, die auch unter dem Namen Computrace bekannt ist. Anfang des Jahres war bekanntgeworden, dass die Software von derselben Hackergruppe so modifiziert wurde, dass sie anstelle von LoJack-Servern die Rechner von APT28 zum Datenaustausch verwendete.

LoJax befällt den Rechner, indem es die UEFI-Firmware aus Windows heraus ausliest, mit Schadcode infiziert und anschließend auf den UEFI-Speicherchip im Computer schreibt. Wird der Schreibzugriff auf den Chip durch Sicherheitsmaßnahmen unterbunden, versucht die Schadsoftware mit Hilfe einer vier Jahre alten Sicherheitslücke in UEFI, die Schreiboperation dennoch durchzuführen. Mit jedem Start des Rechners wird nun auch die Schadsoftware gestartet. Diese übersteht eine Neuinstallation des Betriebssystems oder den Wechsel der Festplatte, da sie bereits vor deren Verwendung gestartet wird.

Gegen LoJax hilft laut Eset sowohl eine aktuelle UEFI-Firmware, mit welcher der Speicherzugriff unterbunden wird, oder ein aktiviertes Secure-Boot, bei welchem die UEFI-Firmware nur signierte Firmware-Module startet. Da LoJax keine entsprechende Signatur enthält, kann es auch nicht geschrieben oder gestartet werden.

Eine Hackergruppe mit vielen Namen und staatlichen Zielen

Die Schadsoftware kann recht eindeutig der Hackergruppe APT28 zugeordnet werden, die auch unter den Namen Sednit, Fancy Bear, Strontium und Sofacy bekannt ist. Der Antivirenhersteller fand das Rootkit im Zusammenhang mit Tools und Command-and-Control-Servern, die der Hackergruppe zugeordnet werden.

Die seit mindestens 2004 aktive Hackergruppe zielt auf staatliche Institutionen und Sicherheitsunternehmen. Ihr werden unter anderem Angriffe auf das Netzwerk des Bundestages im Jahr 2015 und der Bundesregierung im Jahr 2017 sowie auf Mailkonten der Demokratischen Partei im US-Wahlkampf zugerechnet.

APT28 wird in der Nähe russischer Geheimdienste oder des Militärs verortet. Allerdings gilt, dass Angriffe und Schadsoftware nur schwer und häufig auf Basis von Indizien, Hackergruppen, Staaten oder staatlichen Institutionen wie Geheimdiensten oder dem Militär zugewiesen werden können. Eset unterlässt daher eine geopolitische Einordnung explizit.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,99€
  2. 2,99€
  3. 2,99€
  4. 3,99€

FreiGeistler 03. Okt 2018

Das spricht ja nicht per se gegen den Hardware-Schalter, weil dieser gegen mehr gegen...

FreiGeistler 03. Okt 2018

Ironischerweise sind die Chromebooks mit Coreboot/Seabios weitaus sicherer als jeder...

morecomp 30. Sep 2018

Der Staat ist doch dran, seid nicht naiv. Wollt ihr Sicherheit, muss es hardwareseitig...

Kleba 29. Sep 2018

+1! Bei nicht zeitkritischen Nachrichten ist doch ziemlich unerheblich, ob die nun am...

Schattenwerk 28. Sep 2018

Windows löschen und nur Arch verwenden. Schon ist die Welt, in vielfacher Hinsicht, besser ;)


Folgen Sie uns
       


iPad Mini (2019) - Fazit

Nach vier Jahren hat Apple ein neues iPad Mini vorgestellt. Das neue Modell hat wieder einen 7,9 Zoll großen Bildschirm und unterstützt dieses Mal auch den Apple Pencil.

iPad Mini (2019) - Fazit Video aufrufen
e.Go Life: Ein Auto, das lächelt
e.Go Life
Ein Auto, das lächelt

Das Auto ist zwar klein, bringt aber sogar gestandene Rennfahrer ins Schwärmen: Das Aachener Unternehmen e.Go Mobile hat seine ersten Elektroautos ausgeliefert. In einer Probefahrt erweist sich der Kleinwagen als sehr dynamisch.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Elektroauto Skoda Citigo e iV soll 265 km weit fahren
  2. Eon-Studie Netzausbau kostet maximal 400 Euro pro Elektroauto
  3. EZ-Pod Renault-Miniauto soll Stadtverkehr in Kolonne fahren

Homeoffice: Wenn der Arbeitsplatz so anonym ist wie das Internet selbst
Homeoffice
Wenn der Arbeitsplatz so anonym ist wie das Internet selbst

Homeoffice verspricht Freiheit und Flexibilität für die Mitarbeiter und Effizienzsteigerung fürs Unternehmen - und die IT-Branche ist dafür bestens geeignet. Doch der reine Online-Kontakt bringt auch Probleme mit sich.
Ein Erfahrungsbericht von Marvin Engel

  1. Bundesagentur für Arbeit Informatikjobs bleiben 132 Tage unbesetzt
  2. IT-Headhunter ReactJS- und PHP-Experten verzweifelt gesucht
  3. IT-Berufe Bin ich Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Lightyear One: Luxus-Elektroauto fährt auch mit Solarstrom
Lightyear One
Luxus-Elektroauto fährt auch mit Solarstrom

Ein niederländisches Jungunternehmen hat ein ungewöhnliches Fahrzeug entwickelt, das Luxus und Umweltfreundlichkeit kombiniert. Solarzellen auf dem Dach erhöhen die Reichweite um bis zu 220 Kilometer.
Von Wolfgang Kempkens

  1. Elektromobilität EnBW will weitere 2.000 Schnellladepunkte errichten
  2. Elektromobilität Verkehrsminister will Elektroautos länger und mehr fördern
  3. Elektroautos e.GO Mobile liefert erste Fahrzeuge aus

    •  /