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Loitering-Munition: Bundeswehr plant Einsatz von Kamikazedrohnen bis Jahresende

Die deutschen Streitkräfte bereiten sich auf den Einsatz von Loitering-Munition vor.
/ Michael Linden
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Hero Munition (Symbolbild) (Bild: Rheinmetall)
Hero Munition (Symbolbild) Bild: Rheinmetall

Generalinspekteur Carsten Breuer kündigte gegenüber dem Spiegel(öffnet im neuen Fenster) an, dass die Bundeswehr noch in diesem Jahr mit scharfen Schüssen mit Loitering-Munition beginnen könnte. Die Entscheidung für diese Kamikazedrohnen war bereits im März gefallen.

Breuer betonte die Notwendigkeit neuer Abwehrsysteme gegen Drohnenbedrohungen. Der ranghöchste deutsche Soldat verwies auf die massiven Drohneneinsätze Russlands gegen die Ukraine. Eine wirksame Verteidigung sei nur durch einen Mix verschiedener Fähigkeiten möglich.

Die sogenannte Loitering-Munition besteht aus Drohnen, die mit Sprengköpfen ausgerüstet werden. Es handelt sich nicht um eine Erfindung Russlands oder der Ukraine.

Was macht Loitering-Munition überhaupt?

Loitering-Munition, auch als Kamikazedrohne bezeichnet, stellt eine spezielle Waffenkategorie dar, die zunächst über Zielgebieten verweilt und dort patrouilliert. Diese Systeme können auf Angriffsbefehle warten, bevor sie zum Einsatz kommen. Als Einwegwaffen konzipiert, unterscheiden sie sich grundlegend von wiederverwendbaren Drohnen.

In dynamischen Kampfumgebungen zeigen diese Waffensysteme ihre besonderen Stärken. Sie bieten deutlich mehr taktische Flexibilität als herkömmliche Marschflugkörper. Die Möglichkeit zur Neuzuweisung von Zielen, zum Abbruch von Angriffen oder zum Abwarten günstiger Gelegenheiten macht sie zu vielseitigen Einsatzmitteln.

Diese Waffen können sich an veränderte Situationen anpassen und ermöglichen eine flexible Reaktion auf unvorhergesehene Entwicklungen im Gefechtsfeld. Ihre Fähigkeit zum längeren Verweilen über Zielgebieten unterscheidet sie von konventionellen Präzisionswaffen mit festgelegten Flugbahnen.

Diese können in größerer Anzahl auf Ziele gelenkt werden oder mittels künstlicher Intelligenz selbstständig nach Zielen suchen. Die Bundeswehr setzt auf diese Technologie als Teil ihrer Modernisierungsstrategie.

Parallel dazu treibt die Bundeswehr den Kampf zwischen Drohnen voran. Breuer erklärte, dass dieser Bereich mit dem gleichen hohen Tempo wie die Einführung der Loitering-Munition entwickelt werde. Am Ende werde es vermutlich darauf hinauslaufen, Drohnen gegen Drohnen einzusetzen. Inwieweit das Angebot der Ukraine, direkt bei diesen Entwicklungen und Einsatztaktiken zu helfen, angenommen wurde, ist nicht bekannt.

Luftraumverletzungen verstärken Sicherheitsbedenken

Die jüngsten Ereignisse an der Nato-Ostflanke unterstreichen die Dringlichkeit verbesserter Abwehrsysteme. In den vergangenen zwei Wochen kam es vermehrt zu russischen Luftraumverletzungen bei Nato-Verbündeten. Polen meldete das Eindringen einer größeren Anzahl von Drohnen in den eigenen Luftraum.

Estland beklagte am vergangenen Freitag eine Verletzung seines Luftraums durch drei russische Kampfjets. Die Nato hatte bereits zuvor die Operation Eastern Sentry gestartet, um den Schutz der Ostflanke durch Luftverteidigung und Aufklärung zu verstärken. Diese Maßnahme soll die Sicherheit der östlichen Bündnispartner gewährleisten.

Russland testet Reaktionsverhalten der Nato auf Provokationen

Der Generalinspekteur sieht in den Luftraumverletzungen einen Test Russlands für die Allianz. Unabhängig davon, ob die Verletzungen beabsichtigt oder unabsichtlich waren, werde Russland die Reaktion des Bündnisses genau beobachten.

Neben Drohnen müssen laut Breuer weiterhin Marschflugkörper, Raketen und andere Luftfahrzeuge als Bedrohung berücksichtigt werden. Die Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen sei zwar zentral für die Verteidigungsfähigkeit, dürfe aber nicht zu einer Vernachlässigung anderer Gefahren führen.


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