Lois Lew: Die berühmteste Sekretärin, die IBM je hatte

Lois Lew war Sekretärin bei IBM, als sie die Chance bekam, auf eine große Werbetour zu gehen. Dabei stellte sich heraus: Sie ist ein Gedächtnisgenie.

Ein Porträt von Elke Wittich veröffentlicht am
Ein Bild, das in den 1940ern für Aufsehen sorgte: Lois Lew an der ersten Schreibmaschine mit chinesischen Zeichen
Ein Bild, das in den 1940ern für Aufsehen sorgte: Lois Lew an der ersten Schreibmaschine mit chinesischen Zeichen (Bild: IBM/Montage: Golem.de)

Hoch konzentriert, perfekt geschminkt und schick angezogen sitzt eine junge chinesischstämmige Frau an einem fahrbaren Rohrgestelltisch und tippt in die winzige Tastatur eines riesigen Apparats. Die Szene ist auf alten Schwarz-Weiß-Fotos zu sehen, die Ende der 1940er Jahre für Aufsehen sorgten. Denn der Apparat, an dem die Frau saß, war die erste Schreibmaschine mit chinesischen Schriftzeichen.

Die Frau auf den Bildern heißt Lois Lew, war damals Sekretärin bei IBM und eine Art Werbefigur. Sie war aber noch viel mehr: Denn um mittels der elektrischen Schreibmaschine chinesische Buchstaben aufs Papier zu bringen, musste sie eine schier unglaubliche Gedächtnisleistung erbringen - nämlich mehrere Tausend vierstellige Zahlenkombinationen auswendig können.

Geboren wurde die später fast wie ein Filmstar gefeierte Lois am 21. Dezember 1924 als Tochter der aus China eingewanderten Familie Eng in Troy im Bundesstaat New York. Die Stadt hatte damals rund 70.000 Einwohner, heute sind es um die 50.000.

An der Eisenbahnlinie zwischen New York und Chicago gelegen, hatten sich in Troy Stahl- und Textillindustrie angesiedelt, zur Zeit von Lois' Geburt war die Abwanderung dieser Industrien aber schon länger im Gange. Mit Beginn der Prohibition im Jahr 1920 entdeckten Gangster wie Legs Diamond die Stadt, die sich gut als Drehscheibe des Alkoholschmuggels zwischen Kanada und den USA eignete.

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Vielleicht wurden Familie Eng die später auch in Büchern von Kurt Vonnegut beschriebenen Zustände in Troy zu gefährlich. Jedenfalls kehrte sie 1925 nach China zurück.

Ein paar Jahre später, als am 7. Juli 1937 die japanische Invasion Chinas begann, musste Familie Eng jedoch fliehen. Zu Fuß schlug sie sich vom Norden des Landes in das britische Hongkong durch, Lois musste zeitweise eines der kleineren Kinder auf dem Rücken tragen, wie sie kürzlich in einem Interview mit dem Stanforder Geschichtsprofessor Tom Mullaney sagte.

Wie es den Engs in Hongkong erging, ist nicht bekannt. Allerdings flüchteten in den ersten Jahren nach Beginn des Krieges mehrere Hunderttausend Menschen in die Stadt, deren Einwohnerzahl von einer auf 1,6 Millionen stieg. Wohnraum und Nahrung waren knapp.

Lois' Mutter setzte alles daran, die Töchter gut zu verheiraten. In der neuen Nachbarschaft war ihr eine Familie als gut situiert aufgefallen, außerdem lebten einige der Söhne in den USA. Sie ging also zu einem Heiratsvermittler, bat um Hilfe und bekam sie auch: Eine Tochter wurde an einen Mann in Chicago, eine weitere nach San Francisco vermittelt. Lois sollte einen wohlhabenden Mann in Rochester heiraten. Ob die Schwestern überhaupt gefragt wurden, ob sie die Männer ehelichen wollten, ist nicht bekannt.

Zum Heiraten in die USA

1940 war es dann so weit: Mit gerade einmal 16 Jahren und ohne Englischkenntnisse machte sich Lois als erste der Schwestern allein auf die Reise zu ihrem Zukünftigen. Es ging erst per Schiff, dann mit dem Zug nach Chicago, wo ihr Schwager in spe sie empfing und nach Rochester brachte.

Dort wartete jedoch eine große Enttäuschung auf sie: Yuen Lew war kein reicher Geschäftsmann. Er besaß zwar eine kleine Wäscherei, aber darüber hinaus keine eigene Wohnung und schon gar kein Haus. Er schlief im Hinterzimmer seines Ladens, wie auch seine Schwester Gay. Mit 16 war Lois zu jung, um im Bundesstaat New York legal heiraten zu dürfen, deswegen musste das Paar zunächst nach New Jersey reisen, wo die Heiratsgesetze anders waren.

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Es folgte eine weitere Enttäuschung für Lois: Während ihre Schwägerin bald die Highschool besuchen durfte, wurde es ihr verboten. So etwas schicke sich nicht für eine verheiratete Frau, lautete die Begründung. Im Gegensatz zu Schulbildung war Arbeiten allerdings erlaubt - Lois fand rasch einen Job als Sekretärin bei IBM.

Im Interview mit Tom Mullaney zeigte sich die heute 95-Jährige überzeugt davon, dass sie hauptsächlich wegen ihres Aussehens eingestellt wurde: "Es gab damals nicht viele chinesischstämmige junge Frauen in der Gegend, sie wollten uns wohl hauptsächlich zum Herzeigen haben: Schaut mal, chinesische Mädchen benutzen amerikanische Schreibmaschinen."

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peterbruells 10. Jun 2021 / Themenstart

Geht ja letztlich auch mit lateinischer Schrift, die auch von Tauben und Stummen...

peterbruells 10. Jun 2021 / Themenstart

Also so wie Sächsisch und Bayrisch?

peterbruells 10. Jun 2021 / Themenstart

Ja, aber eigentlich folgt die Kalligraphie da wohl bestimmten Regeln. Fun fact: Das...

Morons MORONS 09. Jun 2021 / Themenstart

Yep, schöner Artikel.

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