''Ich wurde wie ein Filmstar behandelt''

Nach dem Training begann die Zeit des Reisens. Lois und Kao stellten die Schreibmaschine zunächst in den großen Metropolen der USA vor. Mit rot lackierten Fingernägeln und Nylonstrümpfen entsprach Lois Lew nicht dem Stereotyp einer chinesischen Frau dieser Zeit. Entsprechend großes Aufsehen erregten sie und die Schreibmaschine.

Stellenmarkt
  1. IT Sales Consultant (w/m/d)
    SSI SCHÄFER IT Solutions GmbH, Giebelstadt, Dortmund
  2. IT Security Officer (m/w/d)
    HABA Group B.V. & Co. KG, Bad Rodach bei Coburg, Berlin
Detailsuche

Im Herbst 1947 ging es sogar nach China. "Ich wurde wie ein Filmstar behandelt", erinnerte sich Lois Lew später. Sie, die mitreisenden IBM-Techniker und natürlich der Schreibmaschinen-Erfinder Chung-chin Kao stiegen in den besten Hotels ab und dinierten in den feinsten Restaurants. Hochrangige Regierungsvertreter empfingen sie, über jeden ihrer Schritte wurde in der Presse berichtet.

Kao hatte eine regelrechte Kriegskasse für die Promotion - und wohl auch für Bestechungen - dabei. Es war jedenfalls buchstäblich eine Kiste voller Geld, denn er hatte Dollar in chinesische Yuan getauscht.

Vorführung vor 3.000 Zuschauern in Nanjing

In Nanjing wurde die Maschine sogar vor 3.000 Zuschauern vorgeführt. Lois hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon an den Rummel gewöhnt und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen - obwohl eine schwierige Aufgabe zu bewältigen war. Ihr wurden nämlich Zeitungsartikel gereicht, die sie live in den Vierzahlen-Code übersetzen, diesen dann im Gedächtnis behalten und umgehend eingeben musste. Außerdem wurde von ihr erwartet, dass sie in dieser Zeit graziös dasitzen und möglichst lächeln sollte.

Lois schaffte alles bravourös - an ihr lag es nicht, dass die Schriftzeichen-Maschine nicht zum erhofften Erfolg wurde. In China hatte die Kulturrevolution begonnen. Kao gehörte der Kuomintang an, der nationalen Volkspartei, deren Mitglieder nach Maos Machtübernahme und der Gründung der Volksrepublik 1949 mehrheitlich ins Exil nach Taiwan geflohen waren. Der Erfinder der chinesischen Schreibmaschine war staatenlos, wurde aber von den USA immerhin mit einem Diplomatenpass ausgestattet. Über sein weiteres Leben ist nicht sehr viel bekannt.

Rückkehr in das normale Leben

Lois Lew kehrte nach Rochester zurück, wo sie zusammen mit ihrem Mann einen Waschsalon eröffnete. 1968 investierte das Paar die Ersparnisse unter anderem von Lois' IBM-Job in ein ganz neues Projekt namens Cathay Pagoda. Das Restaurant bot gehobene chinesische Küche, im Interview mit Democrat and Chronicle sagte Lois Lew 2017: "Wir beschäftigten zeitweise allein zwölf Köche und boten 300 Gästen Platz." Viele Prominente wie Katherine Hepburn und der junge Ozzy Osbourne waren darunter, denn das Restaurant war nur wenige Gehminuten vom berühmten Eastman Theatre entfernt.

2007 starb Lois Mann Yuen. Mehr als 80 Jahre habe er von Kindesbeinen an gearbeitet, heißt es in seinem Nachruf. Im gleichen Jahr schloss die Witwe das Restaurant. Lois ist heute 95 Jahre alt, sie lebt ebenso wie ihre Kinder weiterhin in Rochester.

Neues Apple MacBook Pro mit Apple M1 Chip (13", 8 GB RAM, 512 GB SSD) - Space Grau (Neustes Modell)

Die eine perfekte Lösung für Tastaturen mit chinesischen Schriftzeichen gibt es übrigens immer noch nicht, heute werden in China hauptsächlich amerikanische QWERTY-Tastaturen verwendet. Damit chinesische Zeichen zu schreiben, ist immer noch recht kompliziert - zumal mehrere Methoden zur Verfügung stehen.

(Hinweis der Redaktion: An dieser Stelle stand ursprünglich ein missverständlich formulierter Absatz. Er besagte, dass die vielen unterschiedlichen Dialekte, die in China gesprochen werden, für die diversen Eingabemethoden verantwortlich sind. Das ist so nicht richtig, wie ein Leser bereits angemerkt hat: Die Grammatik ist nämlich überall gleich. Die früher sehr komplizierten Schriftzeichen wurden von der Kommunistischen Partei Chinas in den 1950er Jahren vereinfacht, um mehr Menschen zu ermöglichen, lesen und schreiben zu lernen. In Taiwan und Hongkong wurden die traditionellen Schriftzeichen dagegen beibehalten.)

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Eine Schreibmaschinen-Tastatur mit 80.000 Zeichen?Phonetisch, kalligraphisch, ''groß und einfach'' 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Hubble
Uralttechnik ohne Ersatz versagt im Orbit

Das Hubble-Teleskop ist außer Betrieb. Die Speicherbänke aus den 1980er Jahren lassen sich nicht mit der CPU von 1974 ansprechen, die auf einer Platine zusammengelötet wurde.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Hubble: Uralttechnik ohne Ersatz versagt im Orbit
Artikel
  1. Batteriezellfabrik: Porsche will Hochleistungsakkus mit Silizium-Anoden bauen
    Batteriezellfabrik
    Porsche will Hochleistungsakkus mit Silizium-Anoden bauen

    Akkus für nur 1.000 Elektroautos im Jahr will Porsche mit der neuen Tochterfirma Cellforce bauen. Vor allem für den Motorsport.

  2. Pornografie: Hostprovider soll Xhamster sperren
    Pornografie
    Hostprovider soll Xhamster sperren

    Medienwächter haben den Hostprovider von Xhamster ausfindig gemacht. Dieser soll das Pornoportal für deutsche Nutzer sperren.

  3. SSDs und Monitore zum Knallerpreis beim Amazon Prime Day
     
    SSDs und Monitore zum Knallerpreis beim Amazon Prime Day

    Wer auf der Suche nach neuer Hardware ist, sollte den Prime Day von Amazon nutzen. Hier warten Rabatte auf alle möglichen Artikel.
    Ausgewählte Angebote des E-Commerce-Teams

stan__lemur 19. Jun 2021 / Themenstart

Kurzer Einwurf: Das spielt nur eine Rolle, wenn die Augen bewegt werden müssen, um die...

peterbruells 10. Jun 2021 / Themenstart

Also so wie Sächsisch und Bayrisch?

peterbruells 10. Jun 2021 / Themenstart

Ja, aber eigentlich folgt die Kalligraphie da wohl bestimmten Regeln. Fun fact: Das...

Morons MORONS 09. Jun 2021 / Themenstart

Yep, schöner Artikel.

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Amazon Prime Day • SSDs (u. a. Crucial MX500 1TB 75,04€) • Gaming-Monitore • RAM von Crucial • Fire TV Stick 4K 28,99€/Lite 18,99€ • Bosch Professional • Dualsense + Pulse 3D Headset 139,99€ • Gaming-Chairs von Razer uvm. • HyperX Cloud II 51,29€ • iPhone 12 128GB 769€ • TV OLED & QLED [Werbung]
    •  /