Knackt die NSA 1.024 Bit?

Zuletzt machen sich die Autoren einige Gedanken über den Diffie-Hellman-Austausch mit größeren, aber dennoch problematischen Gruppen mit 768 oder 1.024 Bit. Ein Angriff auf 768 Bit ist sehr aufwendig, wäre aber noch im Bereich dessen, was ein gut finanziertes Forschungsinstitut durchführen könnte. Ein Angriff auf 1.024 Bit ist im Bereich des Möglichen, die Kosten lägen aber bei mehreren Hundert Millionen Dollar.

Stellenmarkt
  1. Informatiker/in, Wirtschaftsinformatiker/in o. ä. (w/m/d)
    DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Braunschweig
  2. Backend Entwickler TYPO3 (w/m/d)
    DMK E-BUSINESS GmbH, Chemnitz, Berlin-Potsdam, Köln
Detailsuche

Die Schätzungen für einen Angriff auf 1.024 Bit gestalteten sich als relativ schwierig. Die bestehende Forschung dazu ist laut den Autoren in vielen Fällen ungenau, insofern handelt es sich auch nur um relativ ungenaue Werte. Für einige Schritte des Angriffs gibt es die Möglichkeit, diese mit ASIC-Spezialhardware deutlich zu beschleunigen. Für einen wichtigen Schritt des Zahlkörpersiebs existieren jedoch bislang keine Forschungsarbeiten, wie dieser auf Spezialchips umgesetzt werden könnte.

Verbindungen zum NSA-Programm TURMOIL?

Aufgrund des Milliardenbudgets der NSA gehen die Autoren davon aus, dass ein derartiger Angriff für den US-Geheimdienst im Bereich des Möglichen liegt. Ein Dokument aus den Snowden-Veröffentlichungen, das der Spiegel im vergangenen Jahr veröffentlicht hat, deutet darauf hin, dass die NSA in der Lage ist, bestimmte IPSEC-Verbindungen zu entschlüsseln. Darin ist ein Programm namens TURMOIL beschrieben. Die Autoren des Logjam-Angriffs vermuten, dass TURMOIL auf einem Angriff auf Diffie-Hellman basiert.

Bei IPSEC werden - anders als bei TLS - festgelegte Gruppen verwendet. Eine Vorberechnung wäre somit in jedem Fall möglich. Die große Mehrzahl der im Internet erreichbaren IPSEC-Endpunkte nutzt eine 1.024-Bit-Gruppe namens Oakley Group 2, die im RFC 2409 spezifiziert wurde.

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals
    23.-24. September 2021, online
  2. Microsoft 365 Security Workshop
    27.-29. Oktober 2021, Online
  3. IT-Fachseminare der Golem Akademie
    Live-Workshops zu Schlüsselqualifikationen
Weitere IT-Trainings

Auch für SSH könnte Oakley Group 2 ein Problem darstellen. Fast alle Server unterstützen diese Gruppe, sie wird aber nicht zwangsweise auch genutzt. Mit einer aktuellen OpenSSH-Version nutzte aber immerhin noch ein Viertel der Server diese problematische Gruppe.

Alte Apache-Versionen sind ein Problem

Während die Abschaffung von Gruppen kleiner als 1.024 Bit wohl relativ praktikabel ist, gestaltet sich das bei 1.024 Bit schwieriger. Sehr viele Webserver nutzen noch derartige Gruppen. Apache unterstützt erst seit der Version 2.4.7 größere Gruppen. Viele Server nutzen allerdings noch Apache 2.2, da ältere Versionen von Debian und Red Hat nur diesen alten Versionszweig ausliefern. Ältere Java-Clients unterstützen ebenfalls nur 1.024 Bit, erst Java 8 unterstützt größere Gruppen. OpenSSH hat die unsicheren Gruppen erst in der Version 6.5 deaktiviert, die Anfang 2014 veröffentlicht wurde.

Nicht betroffen von all diesen Problemen sind Schlüsselaustauschverfahren auf Basis elliptischer Kurven. Doch auch dafür möchten die Autoren von Logjam keine uneingeschränkte Empfehlung geben: Die weit verbreiteten elliptischen Kurven wurden von der NSA generiert. Zwar gibt es keine bekannten Angriffe, das Verfahren, mit dem diese Kurven generiert wurden, lässt aber einige Fragen offen.

Neben einigen Empfehlungen für Serverkonfigurationen gibt es auch eine politische Empfehlung der Autoren: Man solle sich davor hüten, Kryptographie bewusst unsicher zu gestalten. Damit verweisen sie indirekt auf jüngste politische Debatten, in denen Politiker und Sicherheitsbehörden Hintertüren in Verschlüsselungsverfahren gefordert hatten. Ähnlich wie Freak sei der Angriff eine Warnung vor den Langzeiteffekten von bewusst unsicher gemachter Kryptographie.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Unsichere Primzahlen und falsche Parameter
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Apple
Macbook-Nutzer berichten über gesprungene Displays

Zahlreiche Besitzer von Macbooks mit M1-Chip berichten über plötzlich gesprungene Displays - Apple geht von Fremdverschulden aus.

Apple: Macbook-Nutzer berichten über gesprungene Displays
Artikel
  1. Gesetz tritt in Kraft: Die Uploadfilter sind da
    Gesetz tritt in Kraft
    Die Uploadfilter sind da

    Ab sofort haften große Plattformen für die Uploads ihrer Nutzer. Zu mehr Lizenzvereinbarungen hat das bei der Gema noch nicht geführt.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

  2. Mercedes-Benz: Daimler rechnet mit Abbau von Arbeitsplätzen durch E-Autos
    Mercedes-Benz
    Daimler rechnet mit Abbau von Arbeitsplätzen durch E-Autos

    Mehr Elektroautos bei Daimler bedeuten nach Ansicht der Chefetage weniger Arbeitsplätze. Grund sei der einfachere Einbau eines Elektromotors.

  3. VW, BMW, Daimler: Jedes sechste Elektroauto ist von deutschem Hersteller
    VW, BMW, Daimler
    Jedes sechste Elektroauto ist von deutschem Hersteller

    Das Elektroauto gewinnt an Fahrt bei den deutschen Herstellern und Autokäufern. Bei Angebot und Nachfrage dominiert China.

executor85 21. Mai 2015

Ja, meine die gleiche Gruppe. Da hast du wirklich recht. Müsste man mal ausrechnen...

JeGr 21. Mai 2015

Da hast du prinzipiell recht, aber: Gerade bei einem Web-Stack aus Webserver...

SelfEsteem 20. Mai 2015

Irgendwas interpretierst du da ein wenig arg falsch. Man kann der NSA jetzt nicht alles...

Tobias Grund 20. Mai 2015

Oder man schaltet diese total unsinnige HTTPS-Scanning einfach ab ^^



Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Acer XB323UGP (WQHD, 170Hz) 580,43€ • Acer XV340CKP (UWQHD, 144 Hz) 465,78€ • Razer BlackShark V2 + Base Station V2 Chroma 94,98€ • Mega-Marken-Sparen bei MM • Saturn: 1 Produkt zahlen, 2 erhalten • Alternate (u. a. AKRacing Core EX-Wide SE 248,99€) • Fallout 4 GOTY 9,99€ [Werbung]
    •  /