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Logitech Spotlight: Mit einem Handschwung durch die Präsentation

Präsentieren wie mit einer Wii-Fernbedienung: Logitechs Spotlight soll durch Neigungssensoren und Software Präsentationen steuern können und bietet anpassbare Tasten und Makrofunktionen. Wir haben beim Testen des Presenters dadurch gleich weitere Anwendungsgebiete entdecken können.
/ Oliver Nickel
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Logitech Spotlight bietet drei frei konfigurierbare Tasten (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
Logitech Spotlight bietet drei frei konfigurierbare Tasten Bild: Martin Wolf / Golem.de

Wenn es um den Nischenmarkt für Presenter geht, ist seit mehreren Jahren die Zeit stehen geblieben, so scheint es. Bluetooth-Unterstützung war eine der letzten Aktualisierungen, welche die Fernbedienungen für Präsentationszwecke erfahren haben. Die Logitech Spotlight soll dies ändern. Dabei scheint sie auf den ersten Blick unscheinbar zu sein – hat sie doch sogar noch weniger Knöpfe als vergleichbare Geräte und nicht einmal einen Laser-Pointer.

Logitech Spotlight – Test
Logitech Spotlight – Test (01:47)

Logitechs Denkansatz ist hier denkbar einfach: Statt auf viele hardwareseitige Bedienelemente zu setzen, hat der Peripheriehersteller eine spezielle Software entwickelt, welche die meisten Funktionen virtuell auf dem Bildschirm umsetzen soll. Dazu zählt die Steuerung des Mauszeigers mit den eingebauten Neigungssensoren. Dieser kann durch einen Kreis hervorgehoben werden, während sich der Rest des Bildschirms abdunkelt, daher der Name Spotlight.

Verbunden wird die Fernbedienung per Bluetooth oder den dazugehörigen USB-Dongle. Logitech verspricht eine Reichweite von 30 Metern – und kann dieses Versprechen einhalten. Das Testgerät konnte noch über unseren etwa 25 Meter langen Büroflur mit dem Computer kommunizieren.

Hochwertige Materialien stehen ungeeigneter Haptik gegenüber

Der Presenter an sich ist sehr schlicht gehalten. Dies soll der Idee folgen, dass während einer Präsentation das Hauptaugenmerk nicht der Hardware gilt, sondern dem Präsentierten an sich. Das gelingt Logitech gut: Die simple Quaderform mit abgerundeten Kanten lenkt nicht ab und das verwendete anthrazitfarbene Aluminium vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Eine weiße LED dient für Statusanzeigen und fügt sich in das modern schlichte Gesamtkonzept ein, ebenso wie der USB-Adapter mit Schlaufe. Dieser wird bei Nichtbenutzung in der Unterseite des Presenters verstaut. Dort befindet sich auch die USB-Type-C-Ladebuchse. Obwohl diese tief innerhalb des Gehäuses verbaut ist, erreicht man sie gut mit gängigen Ladekabeln oder mit dem mitgelieferten Ladeadapter.

Das uniforme Design hat jedoch einen Nachteil. Beim längeren Halten der Fernbedienung wird diese durch die eigenen Hände etwas rutschig. Das gilt vor allem für den häufigen Fall von Nervosität und damit einhergehender Schweißproduktion in Präsentationssituationen und kann zu Problemen führen. Da hilft auch die gummierte Oberfläche der Antennenabdeckung nicht weiter.

Zusätzlich ist die Logitech Spotlight unergonomisch. Das fällt am stärksten beim Neigen und Schwenken auf. Beim Halten drückt dabei die untere Kante des Gerätes unangenehm in die Handfläche. Hier wäre ein funktionalerer Design-Ansatz wünschenswert gewesen.

Neigungssensoren im Stil einer Wii-Fernbedienung

Unabhängig davon funktionieren die Sensoren der Logitech Spotlight präzise. Die Fernbedienung verwendet zur Positionsbestimmung keine Anhaltspunkte wie etwa eine Nintendo Wii Remote und deren Sensorleiste. Stattdessen wird die Bewegung anhand der eingestellten Empfindlichkeit errechnet. Davon ausgehend lässt sich der Mauszeiger durch Schwenken der Fernbedienung steuern oder durch Kippen die Systemlautstärke anpassen.

Das funktioniert sowohl beim Zeigen auf den Bildschirm als auch hinter dem Rücken gut. Das erfordert jedoch etwas Übung und daher kommen wir am ehesten mit dem direkten Zeigen zurecht. Die Rotation der Fernbedienung um die eigene Achse wird dabei nicht berücksichtigt. Damit können wir sie in einer natürlichen Haltung oder sogar auf den Kopf gestellt verwenden.

Die Empfindlichkeit der Sensoren stellen wir in der mitgelieferten Software ein. Gut so: können wir damit doch verhindern, dass beim Präsentieren wilde, ablenkende Gesten bei zu niedriger Einstellung oder falsche Eingaben bei zu hoher Empfindlichkeit ausgeführt werden.

Die Art der Bewegungssteuerung gefällt und überzeugt uns in Präsentationen mit entsprechender Software. Offiziell unterstützt werden laut Logitech gängige Programme wie Apple Keynote, Google Slides, Microsoft Powerpoint oder Prezi. Wir konnten jedoch auch das kostenlose Libre Office Impress steuern. Dadurch, dass der Presenter einfach nur einen Tastendruck auf Pfeil nach rechts oder Pfeil nach links simuliert, sollte er mit vielen derart gesteuerten Präsentationsprogrammen kompatibel sein.

Steuerung des eigenen Media-Centers mit Stil

Die Handhabung des Presenters hat spontan einen neuen Verwendungszweck für das Gerät eröffnet: Wir haben die Fernbedienung testweise als Steuerung für einen Media-PC verwendet. Das drahtlose Bedienen des Mauszeigers per Spotlight funktioniert auch hier gut – und fühlt sich obendrein intuitiv an.

Wir konnten den VLC-Mediaplayer, den Windows Media Player, Kodi oder einfach nur den Internetbrowser bedienen. Mit der Lupenfunktion lassen sich auch kleine Texte ausfindig machen, wenn wir zum Beispiel weiter vom Bildschirm entfernt sitzen. Einzig die Möglichkeit, einen Rechtsklick zu tätigen, haben wir in manchen Situationen vermisst.

Frei belegbare Tasten mit Einschränkung und inkonsistente Software

Dafür kann die Software jeder der drei Tasten unterschiedliche Funktionen beim Gedrückthalten zuweisen. Die Standardfunktion beim einmaligen Klick ist aber vorgegeben. Die mit Pfeilen beschrifteten Knöpfe dienen immer dem Vor- und Zurücknavigieren durch Präsentationen. Der obere Highlight-Knopf führt immer einen Linksklick aus.

Das Verhalten jeder Taste beim langen Drücken kann in der Spotlight-Software selbst eingestellt werden. Speziell für Präsentationszwecke lässt sich auch ein Timer mit Vibrationsalarm konfigurieren. Das ist eine gut umgesetzte Funktion, da sich die Präsentationszeit manuell einstellen lässt und beim Erreichen der Fünf-Minuten-Marke und bei Ablauf der Zeit eine Vibration aktiviert wird. Das hat im Test mit Microsoft Powerpoint gut funktioniert, versagte jedoch in Libre Office Impress und Powerpoint Viewer 2007.

In der mitgelieferten Softwareversion sind einzelne Funktionen auf bestimmte Knöpfe begrenzt. Der obere Highlight-Knopf aktiviert beim Gedrückthalten immer die Maussteuerung. Hier können wir lediglich die Art der Zeigerhervorhebung einstellen. Dabei können wir zwischen einer Bildschirmlupe, einem einfachen Kreis oder dem Hervorheben eines runden Bereichs um den Zeiger bei gleichzeitigem Abdunkeln des restlichen Bildschirminhalts auswählen. Logitech erlaubt auch das gleichzeitige Aktivieren mehrerer Funktionen. Dann wird jedoch eine Funktion einfach ignoriert – eine fragwürdige Funktionsweise.

Schade ist auch, dass wir nicht mehrere verschiedene Darstellungsarten parallel nutzen können. Zum Wechsel ist immer der Schritt über das Einstellungsmenü notwendig. Gute Bedienbarkeit sieht anders aus.

Dem mittleren und dem unteren Knopf können die gleichen Funktionen zugewiesen werden. Leerer Bildschirm legt eine schwarze Ebene über das angezeigte Bild, auch außerhalb von Präsentationsprogrammen. Wir können auch eine Schnelldurchlauffunktion zuweisen. Damit lässt sich eine Präsentation von Anfang bis Ende vor- oder zurückspulen.

Interessant wird es bei der Scrollen-Funktion und der Lautstärke-Steuerung. Bei Gedrückthalten der zugewiesenen Taste und dem vertikalen Neigen des Presenters können wir durch Internetseiten scrollen oder die Systemlautstärke anpassen. Das eignet sich besonders für die Bedienung eines Media-PCs, ist jedoch für Präsentationszwecke eher zweitrangig. Hier wäre etwa eine komplette Stummschaltung der Lautstärke sinnvoller gewesen.

Flexibel ist die Logitech Spotlight einsetzbar, wenn wir die integrierte Makrofunktion bedenken. Wir können den zwei Navigationstasten individuelle Tastendrücke zuweisen. Das macht sich besonders für Programme gut, die abseits von Powerpoint und Co. bedient werden.

Wir fragen uns jedoch, warum Logitech den Presenter nicht mit einer vollen Anpassungsmöglichkeit über alle Knöpfe hinweg ausgestattet hat. Passend dazu wären mehr benutzbare Tasten sehr hilfreich. Dadurch haben wir das Gefühl, dass die potente Produktidee sich selbst unnötig im Weg steht.

Die Software ist minimalistisch, der Akku hält ewig

Betrachtet man die Presenter-Software alleine, fällt einem zuallererst die minimalistisch gehaltene Benutzeroberfläche auf. In dem kleinen Fenster lassen sich alle relevanten Funktionen übersichtlich einstellen. Dabei werden alle Änderungen in Echtzeit gespeichert.

Das Programm blendet bei eingeschaltetem Timer und geöffneter Präsentation ein entsprechendes Zeitfenster auf dem Hauptbildschirm ein. Dieser startet beim Öffnen der zweiten Folie und färbt sich gelb beim Unterschreiten der Fünf-Minuten-Marke. Der Timer funktioniert im Test präzise und bietet in Präsentationssituationen einen echten Mehrwert, vor allem für längere Präsentationen.

Die uns zur Verfügung gestellte Software lässt jedoch inkonsistente Einstellungen wie das gleichzeitige Nutzen von Hervorhebungsmethoden zu, obwohl diese nicht parallel funktionieren. Abgesehen davon lässt sich das Programm jedoch fehlerfrei bedienen. Einen fatalen Fehler oder einen Systemabsturz konnten wir während des Tests nicht feststellen.

Die CPU-Auslastung kann bei älteren oder unter Last befindlichen Computern zu Problemen führen. Obwohl die Software im Leerlauf nahezu gar keine Kapazitäten benötigt, lastet die Steuerung des Mauszeigers etwa zehn Prozent unseres Core i5-7200U aus. Dafür ist das Programm sparsam in der Nutzung des Arbeitsspeichers: Knapp 40 MByte genehmigt sich die Benutzeroberfläche maximal, im Leerlauf sind es etwa 25 MByte – ein guter Wert.

Unabhängig von der Software ist die Logitech Spotlight in Sachen Akkulaufzeit überzeugend. Das Unternehmen gibt eine Laufzeit von drei Monaten bei voller Ladung an, Fünf Minuten Ladezeit sollen drei Stunden Präsentationszeit entsprechen. Und tatsächlich: während unseres mehrtägigen Testes hat die Akkuanzeige nicht einen Balken verloren. Mehrere Monate Laufzeit scheinen also durchaus realistisch zu sein.

Verfügbarkeit und Fazit

Für alle Interessenten der Logitech Spotlight soll es diese ab dem 01. Februar 2017 in den Farben anthrazit, gold und silber zu kaufen geben. Die silberne Variante wird exklusiv in Apple Stores und auf der Logitech-Produktseite vertrieben. Allen Varianten ist der Preis gemein: 130 Euro werden herstellerseitig angegeben. Vergleichen wir diesen Preis mit anderen Presentern, ist er sehr hoch angesetzt. Allerdings gibt es zum jetzigen Zeitpunkt zu Spotlight keine Alternative mit vergleichbaren Funktionen.

Fazit

Logitech bietet mit Spotlight ein Produkt an, das mit seinen Alleinstellungsmerkmalen den stagnierenden Markt der Presenter ergänzen soll. Das gelingt zu großen Teilen gut: Die Steuerung des Mauszeigers und die teilweise Individualisierung der drei Tasten können überzeugen und Zusatzfunktionen wie ein Vibrationsalarm eignen sich besonders für lange Präsentationen. Wir könnten uns jedoch noch weitere Tasten und eine freiere Belegung dieser vorstellen.

Obwohl dadurch die Logitech Spotlight in Sachen Individualisierung eingeschränkt wird, bleibt dennoch genug Raum für eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten. Das Konzept lässt sich sogar über das Präsentieren hinaus anwenden. Die Steuerung von Media-Centern oder einem Browser geht leicht von der Hand und gefällt uns sehr gut.

Ergänzt wird die Fernbedienung durch eine stabile drahtlose Verbindung selbst über 25 Meter, egal ob über Bluetooth Low Energy oder mit der 2,4-GHz-Verbindung per USB-Empfänger. Auch die Akkuleistung ist gut: Mehrere Monate bei einer vollen Ladung sind durchaus machbar.

Auf der negativen Seite steht eine nicht optimale Haptik und eine im Auslieferungszustand inkonsistente Software. Obwohl die Spotlight äußerlich ansprechend gestaltet wurde, werden Abstriche bei der Ergonomie gemacht. Das Material lässt den Presenter bei längerem Halten rutschig werden und das quaderförmige Gehäuse liegt unangenehm in der Hand.

Auch die Software hat anfänglich mit kleinen Problemen zu kämpfen. Die Zeigereinstellung ist noch fehlerhaft und übernimmt nur eine der drei Hervorhebungsmethoden. Bei Verwendung dieser Funktion ist die Prozessorauslastung zusätzlich relativ hoch. Die Benutzeroberfläche ist hingegen selbsterklärend und einfach bedienbar und der Hintergrundprozess verwendet wenig Arbeitsspeicher.

Zusammenfassend birgt das Konzept von Logitech Spotlight viel Potenzial auch außerhalb von Präsentationen, wobei es ausschließlich für diese eigentlich schon viel zu viel bietet. Als Fernsteuerung für andere Programme eignet sich das Produkt wiederum gut. Für 130 Euro wären mehr Anpassungsmöglichkeiten und eine optimierte Ergonomie aber wünschenswert gewesen.


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