Abo
  • Services:

Löschpolitik: "Facebook ist eine Firma ohne Eigenschaften"

Was steckt hinter der Löschung kirchenkritischer Kommentare auf Facebook? Der Internet-Forscher Geert Lovink sieht "New-Age-Menschen" am Werk, deren Löschpolitik keiner Ethik folgt. Facebook sei als Forum für öffentliche Debatten ungeeignet.

Artikel veröffentlicht am , Alexander Wragge/iRights
Geert Lovink
Geert Lovink (Bild: Ziko van Dijk/GFDL)

Der Medienwissenschaftler und Aktivist Geert Lovink beschäftigt sich mit der Netzkultur, Gegenöffentlichkeiten im Internet und den Utopien der Internetwirtschaft. 2004 gründete Lovink mit dem Institute for Network Cultures in Amsterdam ein eigenes Institut. 2010 löschte er im Zuge der Aktion Quit Facebook Day seinen Facebook-Account.

Inhalt:
  1. Löschpolitik: "Facebook ist eine Firma ohne Eigenschaften"
  2. 'Es gibt keine moralischen Prinzipien'

iRights.info: Die Löschung kirchenkritischer Kommentare des WDR-Moderators Jürgen Domian auf Facebook hat in Deutschland Wirbel verursacht. Das Unternehmen erklärte, ein Facebook-Team müsse wöchentlich Hunderttausende Inhalte prüfen, um Menschen vor Missbrauch, Hassreden und Mobbing zu schützen, und habe dabei einen Fehler gemacht. Offenbar hatte jemand die Kommentare als Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen bei Facebook gemeldet. Wie bewerten Sie diesen Vorgang?

Geert Lovink: Man muss nicht Sigmund Freud studiert haben, um die Bedeutung von Fehlern zu kennen. Aus psychoanalytischer Sicht lehren uns Fehler etwas über den Normalzustand. Und hier erstaunt mich sehr, dass Facebook im Hintergrund wöchentlich offenbar Hunderttausende dieser Meldungen bekommt. Davon bekommen wir ja sonst nichts mit. Facebook ist ein recht geheimnisvolles Unternehmen. Wenn sich die Zahl nur auf Deutschland beziehen sollte, wäre sie unglaublich hoch. Dieses Denunziantentum müsste man dann dringend untersuchen. Der Fall würde für eine Art Blockwartmentalität in Deutschland sprechen, die sich online fortsetzt, für echte Probleme mit der Meinungsfreiheit.

"Wichtige Debatten nicht auf privaten Plattformen führen"

iRights.info: Könnte der Löschfehler dafür sprechen, dass letztlich Software die Meldungen automatisiert überprüft?

Stellenmarkt
  1. Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH, München
  2. Versicherungskammer Bayern, München

Geert Lovink: Ich weiß nicht, inwieweit Facebook hier Software, also Bots, einsetzt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Facebook genug Mitarbeiter hat, um Hunderttausende Meldungen in der Woche persönlich zu prüfen. Bots können sicherlich einzelne Wörter erkennen und sperren, aber meines Wissens komplexe Bedeutungszusammenhänge noch nicht fehlerfrei einschätzen. Es müsste Bots schwerfallen, zwischen einer Diskriminierung und einem Scherz über Diskriminierung zu unterscheiden.

iRights.info: Muss Facebook überhaupt den Zensor spielen?

Geert Lovink: Der entscheidende Punkt ist: Diese Frage hat uns gar nichts anzugehen. Facebook darf als private Firma mit den Inhalten auf den eigenen Servern machen, was es will. Der Dienst ist umsonst, und wir haben als Nutzer kein Recht darauf, dass unsere Inhalte dort bleiben. Ich bin deshalb dagegen, dass gesellschaftlich wichtige Debatten - vielleicht auch zum Papst - auf Plattformen privater Firmen ausgetragen werden. Wir sollten besser öffentliche, gemeinnützige Foren nutzen. Dann könnten die Diskussionsbeiträge auch archiviert werden und durchsuchbar sein, das geht bei Facebook ja alles nicht.

'Es gibt keine moralischen Prinzipien' 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)

Slas 22. Mär 2013

Die sind aber meistens beleidigend oder einfach nur bashing

hypron 22. Mär 2013

Naja in der Praxis machts aber keinen Unterschied oder liest du jeden Tag aufm Bolzplatz...

hypron 22. Mär 2013

Was ist das eigentlich für ne "Trollerei auf FB" von der ihr immer redet?

hypron 22. Mär 2013

Und ich kenne einige Leute, die nichtmal Internet haben und froh und zufrieden leben...

Remy 22. Mär 2013

Das habe ich mich auch gefragt.


Folgen Sie uns
       


LG G7 Thinq - Test

Das G7 Thinq ist LGs zweites Smartphone unter der Thinq-Dachmarke. Das Gerät hat eine Kamera, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz Bildinhalte analysiert und anhand der Analyseergebnisse die Bildeinstellungen verändert. Mit äußerster Vorsicht sollten Nutzer die Gesichtsentsperrung verwenden, da sie sich in der Standardeinstellung spielend leicht austricksen lässt.

LG G7 Thinq - Test Video aufrufen
Kreuzschifffahrt: Wie Brennstoffzellen Schiffe sauberer machen
Kreuzschifffahrt
Wie Brennstoffzellen Schiffe sauberer machen

Die Schifffahrtsbranche ist nicht gerade umweltfreundlich: Auf hoher See werden die Maschinen der großen Schiffe mit Schweröl befeuert, im Hafen verschmutzen Dieselabgase die Luft. Das sollen Brennstoffzellen ändern - wenigstens in der Kreuzschifffahrt.
Von Werner Pluta

  1. Roboat MIT-Forscher drucken autonom fahrende Boote
  2. Elektromobilität Norwegen baut mehr Elektrofähren
  3. Elektromobilität Norwegische Elektrofähre ist sauber und günstig

Game Workers Unite: Spieleentwickler aller Länder, vereinigt euch!
Game Workers Unite
Spieleentwickler aller Länder, vereinigt euch!

Weniger Crunchtime, mehr Lunchtime: Die Gewerkschaft Game Workers Unite will gegen schlechte Arbeitsbedingungen in der Spielebranche vorgehen - auch in Deutschland.
Von Daniel Ziegener

  1. Spielebranche Neue Konsole unter dem Markennamen Intellivision geplant
  2. The Irregular Corporation PC Building Simulator verkauft sich bereits 100.000 mal
  3. Spielemarkt Download-Anteil bei Games steigt auf 42 Prozent

Volocopter 2X: Das Flugtaxi, das noch nicht abheben darf
Volocopter 2X
Das Flugtaxi, das noch nicht abheben darf

Cebit 2018 Der Volocopter ist fertig - bleibt in Hannover aber noch am Boden. Im zweisitzigen Fluggerät stecken jede Menge Ideen, die autonomes Fliegen als Ergänzung zu anderen Nahverkehrsmitteln möglich machen soll. Golem.de hat Platz genommen und mit den Entwicklern gesprochen.
Von Nico Ernst

  1. Urban Air Mobility Airbus gründet neuen Geschäftsbereich für Lufttaxis
  2. Cityairbus Mit Siemens soll das Lufttaxi abheben
  3. Verkehr Porsche entwickelt Lufttaxi

    •  /