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Locking Connector Specification 1.0: USB Typ C lässt sich verschrauben

Nahezu unbemerkt hat das USB IF den USB-Typ-C-Standard erweitert. Neue Stecker lassen sich mit entsprechend vorbereiteten Buchsen mit Schrauben fixieren. Es gibt allerdings zwei Methoden, die von Firmen wie Apple, Corning und Foxconn entwickelt wurden. Wir haben in die Spezifikationen geschaut.
/ Andreas Sebayang
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Verbindungen zu Displays können prinzipiell wieder verschraubt werden. (Bild: USB IF)
Verbindungen zu Displays können prinzipiell wieder verschraubt werden. Bild: USB IF

Für den USB-Typ-C-Standard gibt es eine verschraubbare Steckerverbindung. Die Standardisierung dafür lief allerdings weitgehend unbemerkt ab. Die Spezifikationen wurden erst im Mai 2016 bereitgestellt(öffnet im neuen Fenster) , die erste Version der 13 Seiten umfassenden "Universal Serial Bus Type-C Locking Connector Specification" ist sogar auf den 9. März 2016 datiert. Im Prinzip hat das standardgebende USB Implementers Forum (USB IF) den neuen Stecker mit ein paar kleinen weiteren Änderungen in der Dokumentation eingeführt, die Neuerung aber kaum bekanntgemacht.

Das geht sogar so weit, dass wir auf der vergangenen Computex-Messe Ende Mai 2016 zwar feststellten, dass es keine Probleme mehr bei der USB-C-Zubehörauswahl gab , wir die neuen Stecker und Buchsen aber nicht bemerkten – sollte es dort tatsächlich schon Kabel gegeben haben. Das ist verwunderlich, denn dort waren einige professionelle Einsatzzwecke zu sehen, auch wenn diese überwiegend für das Hospitality-Segment gedacht waren.

Gegen die lockeren Kabel

Für den industriellen Einsatz ist eine feste Verbindung allerdings wichtig. Hier verschraubt der Anwender, setzt Klemmen ein oder rastet Stecker ein, ohne dass sie leicht wieder entfernt werden können. Vibrationen oder auch manchmal notwendige kleine Bewegungen von Hardware dürfen keinesfalls dazu führen, dass sich die Stecker lösen und ein Gerät deswegen ausfällt. Dafür ist USB Typ C bisher ungeeignet. Schrauben lösen das Problem, am eigentlichen Steckvorgang ändert sich aber nichts. USB C bleibt ein leicht verwendbarer Stecker, auch wenn Schrauben daran sind.

Displayport über USB-C angesehen
Displayport über USB-C angesehen (01:10)

Etwas problematisch dürfte sein, dass sich das USB IF dafür entschieden hat, zwei unterschiedliche Schraubvarianten zuzulassen. Die eine Variante setzt voraus, dass die zwei Schrauben jeweils rechts und links vom Stecker eingesetzt werden. Die Schraubverbindung ist damit redundant aufgebaut und sicherer. Der Stecker erinnert ein wenig an Zeiten, als VGA/DSUB- oder DVI-I/A/D-Verbindungen noch fest mit Monitor und Grafikkarte verbunden wurden. Das Konzept ist sehr ähnlich.

USB Typ C funktioniert auch mit nur einer Schraube

Schraubtechnisch inkompatibel ist die Variante, die nur eine Schraube verwendet und diese oberhalb oder unterhalb der Verbindung positioniert. Aufgrund der Verdrehbarkeit des Steckers lassen sich oben oder unten nicht definieren. Die Variante mit nur einer Schraube soll vor allem dort helfen, wo es nur eine begrenzte Breite gibt, die Fixierung mit einer Schraube aber ausreichend ist.

Die neuen Stecker wie auch Buchsen sollen aber in jedem Falle kompatibel mit bestehender Hardware sein. Die Schrauben lassen sich deswegen komplett zurückziehen. Solange etwa ein Notebookhersteller nicht auf die Idee kommt, die Buchse zu versenken, gibt es keine Probleme. Besonders aufpassen müssen Entwickler der Buchsen und Stecker im Bereich der Präzision. Es gilt zu verhindern, dass eine zu fest eingedrehte Schraube Stecker oder Buchse beschädigt. Die Entwickler haben allerdings Freiräume, um entsprechende Entlastungsmechanismen einzubauen.

Apple hat am USB-C-Locking-Standard mitgewirkt

Die Liste sogenannten Contributors für die Locking Specification zeigt ein paar Auffälligkeiten. So hat Apple gleich drei Mitarbeiter dafür abgestellt. Hier stellt sich die Frage, warum der Konzern an einer industriellen Anwendung von USB Typ C so stark interessiert ist. Nur Dell ist als PC-Hersteller noch vertreten, der Hersteller ist aber durchaus für seine Industrielösungen bekannt , während Apple derzeit eher dadurch auffällt, das professionelle Umfeld zu vernachlässigen .

Industrie-Macs wird Apple wohl kaum anbieten wollen, vielmehr ist die Mitarbeit ein Hinweis darauf, dass Apple moderne und abgesicherte Steckverbindungen für etwas anderes benötigen könnte. Es ist zwar nur Spekulation, allerdings würde es zu dem Apple-Car-Project passen . Dass Apple daran arbeitet, ist ein offenes Geheimnis.

Ebenfalls recht viele Mitarbeiter hat Everpro gestellt, ein Joint Venture von YOFC und Via Technologies, das sich in letzter Zeit stark mit industriellen Lösungen beschäftigt und im Endkundengeschäft seine ehemals große Bedeutung weitestgehend verloren hat. Zudem ist die Japan Aviation Electronics Industry(öffnet im neuen Fenster) beteiligt gewesen. Das Unternehmen hat sich auf das Arbeiten an Steckverbindungen spezialisiert.

Die weitere Liste beinhaltet viele erwartbare Bekannte, darunter der für das Gorilla-Glas bekanntgewordene Hersteller Corning, Bizlink, Foxconn, National Instruments, Newnex, Seagate und natürlich Intel.

Den Massenmarkt werden die Kabel wohl so schnell nicht erreichen, auch wenn die Anzahl der USB-C-Verbindungen, die kaum gesteckt werden müssen, dies durchaus rechtfertigen würde. USB-C-Displayport-Verbindungen vom Minirechner zum Monitor oder von diversen USB-C-Dockingstations könnten damit ausgestattet werden. Erste Kabel listet der Hersteller Newnex bereits(öffnet im neuen Fenster) .


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