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Lobbycloud: Die Lobbyisten überwachen

Re:publica 2014
Auf der neuen Plattform Lobbycloud sollen Dokumente von Lobbyisten gesammelt und indiziert werden. Mit Referenzierungen und einer Suchmaschine soll die Arbeit der Interessenvertreter in der EU für Politiker, Anwälte, Journalisten und Bürger transparenter gemacht werden.
/ Jörg Thoma
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Lobbycloud will die Arbeit von Lobbyisten in der EU transparenter machen. (Bild: Lobbycloud/Screenshot: Golem.de)
Lobbycloud will die Arbeit von Lobbyisten in der EU transparenter machen. Bild: Lobbycloud/Screenshot: Golem.de

Wer schreibt eigentlich unsere EU-Gesetze? Lobbyisten sind oft maßgeblich an der Formulierung der Gesetzesvorlagen beteiligt – die Webseite Lobbyplag(öffnet im neuen Fenster) hat konkret aufgedeckt, dass EU-Abgeordnete teils wortwörtlich Passagen aus den Schreiben der Interessenvertreter in Gesetzesvorlagen übernommen haben. Der Erfolg der für den Grimme Online Preis nominierten Webseite Lobbyplag soll jetzt mit Lobbycloud fortgeführt werden.

Lobbycloud(öffnet im neuen Fenster) will die Arbeit der Lobbyisten in der EU transparent machen, etwa welcher Interessenvertreter welche Organisation vertritt oder wie viele Lobbyisten von Unternehmen eingesetzt werden, um ihre Interessen durchzusetzen. Kurz: In Lobbycloud sollen sämtliche Dokumente der Interessenvertreter gesammelt werden, die EU-Parlamentarier täglich erhalten, egal ob sie von Industrievertretern oder Aktivisten stammen.

Eingaben per Drag-and-Drop

Lobbycloud will das Sammeln der Dokumente möglichst einfach machen. Per Drag-and-Drop können sie im Browser auf die Plattform hochgeladen werden, etwa im PDF-Format. Die Open-Source-Software wandelt sie in einfachen Text um, extrahiert vorhandene Metadaten und speichert das Originaldokument.

Darüber hinaus werden die extrahierten Daten referenziert und verschlagwortet. So sollen neben einer Volltextsuche auch mögliche Verknüpfungen zwischen den gesammelten Unterlagen hergestellt werden. Nach und nach soll ein umfassendes Bild der Lobbyarbeit in der EU entstehen, als Referenz für EU-Abgeordnete, aber auch für Anwälte, Journalisten und Bürger.

Code auf Github

Lobbycloud ist noch in der Betaphase. Der Code ist jedoch auf Github(öffnet im neuen Fenster) verfügbar. Für die Umwandlung der PDF-Dateien kommt Xpdf(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz, die Daten werden in MongoDB(öffnet im neuen Fenster) gespeichert und für die Suche wird Elastic Search(öffnet im neuen Fenster) verwendet.

Auf Github können Vorschläge zu weiteren Funktionen eingereicht oder der Code verbessert werden. Das Projektteam plant noch weitere Funktionen, etwa eine API für Blogger. Vielleicht kann Lobbycloud später auch als Plattform von Organisationen wie Transparecy International(öffnet im neuen Fenster) genutzt werden, hoffen Sebastian Vollnhals und Marco Maas, die ihr Projekt auf der Re:publica 2014 vorgestellt haben.

Unterstützung von EU-Parlamentariern

Dokumente können schon jetzt an die E-Mail-Adresse documents@lobbycloud.eu verschickt werden. Sie landen dann in der bereits weitgehend funktionierenden Plattform. Bislang haben die Abgeordneten der Grünen eine intensive Mitarbeit zugesichert. Die Partei finanziert das Projekt mit. Aber auch Abgeordnete der Linken, der Liberalen und der Piraten wollen die Plattform nutzen, wenn sie denn ins EU-Parlament einziehen sollten. Selbst einige Abgeordnete der konservativen Parteien hätten die Idee gut gefunden, sagte Vollnhals.

Sie wollten die Arbeit der Lobbyisten nicht verhindern oder einschränken, betonte Vollnhals. Lobbyismus sei ein legitimer Teil des demokratischen Prozesses. Lobbyplag habe aber gezeigt, wie sorglos einige Politiker die Wünsche der Interessenverbände übernähmen.


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