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Lob von US-Militär: Ukraine kontert angeblich russischen Angriff auf Starlink

Russlands elektronische Kriegsführung bleibt hinter den Erwartungen des Pentagon zurück, trotzdem verlegt die US-Marine eine elektronische Angriffsstaffel nach Deutschland.

Artikel veröffentlicht am , Matthias Monroy
In Spangdahlem in der Eifel gibt es einen Stützpunkt der US-Luftwaffe, auf den nun sechs Kampfflugzeuge zur elektronischen Kampfführung verlegt wurden. (Bild: Maja Hitij / Getty Images)

Kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges hat der ukrainische Vizepremierminister und Minister für Digitales, Mychajlo Fedorow, den Milliardär Elon Musk um die Freischaltung seines Satellitendienstes Starlink gebeten. Im Falle eines Zusammenbruchs der digitalen Infrastruktur sollten Militär und Zivilbevölkerung trotzdem über Internet verfügen. Im März soll das System Ziel russischer elektronischer Angriffe gewesen sein, die aber wohl von der Ukraine vereitelt wurden.

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Dafür habe eine kleine Änderung im Programmcode der Steuerungssoftware ausgereicht, erklärte der Direktor für elektronische Kriegsführung im Büro des US-Verteidigungsministeriums, Dave Tremper auf der C4ISRNET-Konferenz am Mittwoch in Washington.

"Aus der Sicht eines Technologen für die elektronische Kriegsführung ist das fantastisch ... und wie sie das geschafft haben, war für mich atemberaubend", kommentierte Tremper. Die Vereinigten Staaten müssten ihre eigene schnelle Reaktion auf derartige Angriffe deshalb dringend verbessern, hieß es auch von anderen Teilnehmern der Konferenz.

Zahl russischer Angriffe bleibt überschaubar

Auch die Störung tausender Terminals des Breitband-Satellitendienstes Ka-Sat, die mit Kriegsbeginn am 24. Februar begann, geht wohl auf einen russischen Cyberangriff zurück. In zahlreichen Ländern Europas wurden Modems des US-amerikanischen Unternehmens Viasat durch Schadsoftware manipuliert, in Deutschland waren daraufhin Windkraftanlagen vom Internet abgekoppelt.

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Der US-Direktor für elektronische Kriegsführung ist jedoch überrascht, dass die Zahl der russischen Angriffe überschaubar bleibe. Das Pentagon habe von Russland einen "viel stärkeren" Auftritt erwartet. Weitere Aktivitäten seien aber zu erwarten.

US-Militär entwickelt "Störplattform der nächsten Generation"

C4ISRNET ist eine Medienplattform "für das Militär im nachrichtendienstlichen Zeitalter". Zu der Konferenz waren verschiedene US-Militärstrategen eingeladen, darunter auch Tad Clark, Direktor der Abteilung für elektromagnetische Spektralüberlegenheit der Luftwaffe. Der Brigadegeneral betonte, dass die USA neue Systeme entwickeln müssten, anstatt "einfach nur aktualisierte Versionen von Altsystemen zu kaufen".

Ein Beispiel ist das in der Entwicklung befindliche Flugzeug EC-37B, das bei der Luftwaffe den Namen Compass Call trägt. Es gilt als "taktische Störplattform der nächsten Generation" und kann aus großer Entfernung gegnerische Kommunikation, Radar- und Navigationssysteme lahmlegen.

Vermutlich als Reaktion auf die elektronischen Angriffe aus Russland hat das US-Militär Ende März sechs Boeing EA-18G "Growler" und das dazugehörige Personal auf den Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel verlegt.

Sie gehören zur elektronischen Angriffsstaffel der Marine. Die Stationierung nahe des Kriegsgebietes in Europa diene dazu, "die Einsatzbereitschaft zu erhöhen, die kollektive Verteidigungsposition der NATO zu stärken und die Integration mit unseren Verbündeten und Partnerstaaten weiter zu verbessern", erklärte dazu der Pentagon-Sprecher John F. Kirby.