LKA: Bundesweit mehr als 11.000 Fälle zu gefälschten Impfpässen

In den meisten Bundesländern ermittelt das LKA in hunderten oder tausenden Fällen von gefälschten Impfnachweisen.

Artikel veröffentlicht am ,
Wird immer häufiger gefälscht: Impfpass.
Wird immer häufiger gefälscht: Impfpass. (Bild: Dirk Vorderstraße/CC-BY 2.0)

Die Landeskriminalämter in den Bundesländern zählen mittlerweile mehr als 11.000 Fälle zu gefälschten Impfausweisen. Das berichtet die Tageszeitung Taz unter Berufung auf die Behörden. Einige der Fälle sollen obendrein eine Vielzahl von gefälschten Impfausweisen betreffen. Zudem sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen - also Fälschungen, die den Behörden nicht bekannt seien.

Auf Telegram werden gefälschte Impfausweise dem Bericht zufolge offen angeboten. Dort wird beispielsweise ein Impfausweis inseriert, "ohne Ihnen diesen tödlichen Stoff verabreichen zu lassen", wie es in dem Angebot heißt. Für den angeblich von Ärzten ausgestellten, gefälschten Impfausweis werden 150 Euro in einer Kryptowährung verlangt.

Versteckt ist demnach das Angebot nicht, es findet sich in einem öffentlichen Kanal mit 73.000 Abonnenten. Die Berliner Polizei weist darauf hin, dass die gefälschten Impfpässe nicht nur bei Telegram, sondern auch über Whatsapp sowie auf Ebay-Kleinanzeigen angeboten würden. Dafür würden Beträge zwischen 50 und 350 Euro verlangt - digitale Impfnachweise seien teurer als die gelben Papier-Impfbücher. Letztere sind vergleichsweise leicht zu fälschen.

Fälle häufen sich - auch bei Polizisten

In Nürnberg fand die Polizei erst kürzlich bei einem 42-Jährigen 400 gefälschte Impfausweise mit Stempeln von Arztpraxen sowie mehreren Tausend Chargenaufklebern der Impfstoffe. In Memmingen wurden am selben Tag bei einem als Reichsbürger bekannten 36-Jährigen 500 Blanko-Impfpässe entdeckt. In Kassel entdeckte ein Vermieter beim Ablesen des Stromzählers 800 gefälschte Impfpässe bei einem Gastronomiebetreiber.

Auch gegen Polizisten laufen Ermittlungen. So wurden bei einer Polizistin im Saarland Blanko-Impfpässe entdeckt, die sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten verkauft haben soll. Ein Polizist in Mecklenburg-Vorpommern wollte sich in einer Apotheke einen digitalen Impfnachweis ausstellen lassen - mit einem gefälschten Impfpass. Dem Beamten drohen neben strafrechtlichen auch dienstrechtliche Konsequenzen.

Allein das LKA Bayern führt laut Taz Ermittlungen in 3.070 Fällen zu gefälschten Impfpässen. Anfang September waren es erst 110. In Nordrhein-Westfalen sind es 2.495, in Berlin 1.028, in Rheinland-Pfalz 727 Fälle und in Hamburg 720. In Baden-Württemberg und Hessen liegt die Zahl im "unteren vierstelligen Bereich".

Hohe Dunkelziffer

"Die geltenden Beschränkungen für Nichtgeimpfte derart zu umgehen, bringt andere Menschen in Gefahr. Das ist unverantwortlich und nicht hinnehmbar", sagte Andreas Stenger, Präsident des LKA Baden-Württemberg.

Gleichzeitig muss von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden. So verzeichnet das LKA in Sachsen nur 126 Fälle, während das Bundesland die niedrigste Impfquote aufweist. Gerade hier dürfte - auch wegen der vielen Impfgegner - die Zahl der Dunkelfälle besonders hoch sein.

In Mecklenburg-Vorpommern hatte die Polizei bisher 119 Fälle aufgenommen, während der Stavenhagener Apotheker Arne Sandström angibt, in den vergangenen Wochen jeden Tag mindestens einen Fall aufgedeckt zu haben. Der Geschäftsführer der Apothekerkammer MV, Bernd Stahlhacke, wies darauf hin, dass Apotheker einer Schweigepflicht unterlägen und deshalb Betrugsversuche nicht ohne Weiteres anzeigen könnten.

Bis zu 5 Jahre Haft

Laut dem Taz-Bericht war die Nutzung gefälschter Impfpässe bis November 2021 nicht strafbewehrt. Seit November drohen jedoch Personen, die gefälschte Impfpässe verwenden, eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Für einen gewerbsmäßigen Handel mit den Fälschungen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

"Wer Impfpässe fälscht oder einen gefälschten Impfpass nutzt, gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern bringt auch Verwandte, Freunde, Nachbarn und Kollegen in Gefahr", sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands(DAV), Thomas Dittrich, und fügte hinzu: "Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat und bremst die Gesellschaft im Kampf gegen die Pandemie." Seit Mitte Dezember sollen Apotheken gefälschte Impfpässe leichter erkennen können, indem sie die Chargennummer der Impfungen über eine Software direkt abfragen.

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demon driver 30. Dez 2021

Wer was glaubt?

rphm 29. Dez 2021

Keine Ursache. War eine nette Unterhaltung. Bis dann

gunterkoenigsmann 29. Dez 2021

Beweisen kann ich nichts. Aber ich glaube, dass man der Sache bisher nur in Stichproben...

demon driver 28. Dez 2021

Vielleicht weil es sowas bisher gar nicht gab? Und auch niemand einen Anlass dafür hätte...



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