Google beobachtet, Anwälte prüfen, Entwickler verschieben

Ob und wie der VP10-Codec ebenfalls in die Mischung geworfen wird, ist derzeit aber noch völlig offen. Zwar verfolgt Google die Geschehnisse der Netvc-Arbeitsgruppe, ob sich die Entwickler des Unternehmens aber auch mittelfristig aktiv daran beteiligen werden, ließ sich auf der VDD nicht in Erfahrung bringen. Welche Rolle VP10 in der Aomedia einnehmen wird, bleibt ebenso abzuwarten.

Immerhin geschieht die laufende Entwicklung von VP10 für jeden nachvollziehbar öffentlich. Anders als bei VP9 läuft die Programmierung nicht bis kurz vor der Veröffentlichung in einem privaten Entwicklungszweig. Zudem kann die Entwicklung von VP10 über den Bugtracker und die Mailingliste von allen mitverfolgt werden.

Für Converse ist diese Änderung der Unternehmenspolitik ein großer Fortschritt. VLC-Chefentwickler Jean-Baptiste Kempf geht diese Offenheit aber immer noch nicht weit genug, was der für direkte und harsche Kritik bekannte Franzose am Ende des Vortrages von Converse auch deutlich zu erkennen gab, indem er sich wortstark über Googles Verhalten beschwerte.

Einige der Anwesenden auf der VDD hoffen derweil darauf, dass dank der angekündigten Kooperation mit anderen großen namhaften Unternehmen für Google kein Grund mehr besteht, die Entwicklung von VP10 wie geplant im kommenden Jahr abzuschließen und eine Standardbibliothek samt Spezifikation zu veröffentlichen. Nachfolger für das als Alternative zu H.265 alias HEVC positionierte VP9 wäre dann das neu entstandene Gemeinschaftsprodukt der Aomedia.

Langwierige Patentanalyse

Das Konsortium Aomedia ist aber nicht nur geschaffen worden, um die Erstellung eines neuen Videostandards industrieweit zu koordinieren. Damit soll außerdem eine Umgebung entstehen, in der die juristischen Abteilungen der beteiligten Unternehmen eine fundierte Analyse zu eventuellen Patentverletzungen gemeinsam durchführen können.

So erklärt Terriberry, dass sich die Anwälte der einzelnen Unternehmen innerhalb dieses Forums über ihre Erkenntnisse austauschen könnten, ohne Gefahr zu laufen, Mitbewerbern damit den Inhalt einer Patentklage vorzuformulieren. Denn wäre die Interpretation eines Herstellers zu einem bestimmten Patent öffentlich bekannt, könnte damit üblicherweise sehr gut eine Gegenargumentation aufgebaut werden. Die Zusammenarbeit in der Aomedia vermeide aber genau diese Situation.

Standardisierung durch die Ietf

Unabhängig von den Tätigkeiten der Aomedia werde die Netvc-Arbeitsgruppe der Ietf aber zunächst wie geplant fortfahren, bekräftigt Terriberry. Das heißt, an der Standardisierung eines neuen Videocodecs durch das Internetgremium ähnlich wie bei Opus als Audiocodec soll festgehalten werden.

Zurzeit sieht der Terminplan vor, dass bereits im Mai 2017 die Spezifikationen des Codecs sowie des dazugehörigen Speicherformats veröffentlicht werden. In jenem Jahr sollen auch ausführliche Testergebnisse erscheinen. Dazu merkt Terriberry allerdings an, dass sich in Softwareprojekten die Zeitpläne eigentlich nie nach vorn, sondern nur nach hinten verschieben würden. Möglicherweise wird der Videocodec also erst in drei Jahren eingesetzt werden können.

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 Lizenzkostenfreier Videocodec: Aus drei mach eins
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