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Lithiumvorkommen: Fördermenge in der Altmark auf 43 Millionen Tonnen beziffert

Die Zahl muss natürlich eingeordnet werden, aber für die Suche der EU nach kritischen Rohstoffen könnte es ein Glücksfall sein – und ein Test.
/ Mario Petzold
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Zinnwaldit, benannt nach der Stadt in der Sächsischen Schweiz, ist ein in Deutschland und Europa vergleichsweise häufiges, lithiumhaltiges Mineral. (Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Zinnwaldit, benannt nach der Stadt in der Sächsischen Schweiz, ist ein in Deutschland und Europa vergleichsweise häufiges, lithiumhaltiges Mineral. Bild: Getty Images/Sean Gallup

Nach Angaben des Unternehmens Neptune Energy(öffnet im neuen Fenster) befindet sich in der Altmark, einer Region im Norden Sachsen-Anhalts, ein auf 43 Millionen Tonnen beziffertes Lithiumvorkommen. Das soll die Pilotphase eines längerfristigen Projekts zur Extraktion von Lithium aus Thermalwasser ergeben haben. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk(öffnet im neuen Fenster) berichtete bereits.

Bei Neptune Energy handelt es sich um einen Öl- und Gasförderer, der vor allem in Deutschland Bohrstellen betreibt. Eine davon ist deckungsgleich mit der Erprobungsstelle in der Altmark, in der seit November 2024 Lithium versuchsweise extrahiert wurde.

Mengenangabe übertrieben, aber beachtlich

Bei den genannten 43 Millionen Tonnen handelt es sich allerdings um das Lithiumcarbonatäquivalent. Lithiumcarbonat ist eine der häufigsten Lithiumverbindungen, die sich aus lithiumhaltigem Tiefenwasser gewinnen lässt.

Der Massenanteil von Lithium darin liegt bei 19 Prozent, so dass 8 Millionen Tonnen reines Lithium übrig bleiben würden. Auch wenn unmöglich alles davon abgebaut werden kann, würde ein solches Vorkommen Deutschland in eine Liga mit Chile oder Australien befördern. Wobei die Angaben zu möglichen Ressourcen stets mit Skepsis zu betrachten sind.

So viel Lithium würde ungeachtet dessen für sehr viele Akkumulatoren reichen. Etwa 100 g davon werden für 1 Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität benötigt. Das ergäbe also 80 Milliarden kWh oder 80.000 Gigawattstunden (GWh). Laut RTWH Aachen(öffnet im neuen Fenster) werden derzeit in Deutschland in Heimspeichern, Großspeichern und Elektroautos zusammen weniger als 100 GWh genutzt. Es wird davon ausgegangen, dass sich der Wert im Zuge der Energiewende um das Hundertfache steigern wird – also weiterhin ein Bruchteil der potenziellen Reserven.

Prüfstein Abbau

Das eigentliche Problem ist der Abbau, nicht aus technischer Sicht, sondern mit Blick auf die Umweltverträglichkeit und die Anwohner. Genau deshalb wurden in Europa, aber auch in den USA zahlreiche Bergbauanlagen geschlossen.

Die Frage ist also, ob es gelingt, den eigenen Ansprüchen an Umweltstandards gerecht zu werden und dennoch konkurrenzfähig zu bleiben oder für den Bezug eines als kritisch eingestuften Rohstoffs auf einen der beiden Aspekte zu verzichten. Zeigen dürfte sich das bereits im kommenden Jahr, wenn der Bau einer ersten Extraktionsanlage in der Altmark starten soll.


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