Abo
  • Services:

Lithium: Der Berg erwacht

Lithium ist der Rohstoff der Zukunft, er wird für die Batterien von Elektroautos gebraucht. Im Erzgebirge liegen Europas größte Vorkommen. Nun sollen sie gehoben werden.

Artikel von Zacharias Zacharakis/Zeit Online veröffentlicht am
Der Förderturm des stillgelegten Bergwerks in Altenberg
Der Förderturm des stillgelegten Bergwerks in Altenberg (Bild: Zacharias Zacharakis)

Der Weg in die Zukunft führt immer tiefer hinein in die Vergangenheit, in einen dunklen Schacht, kaum zwei Meter hoch und breit. Thomas Dittrich, weißer Schutzhelm, neongelber Anorak, muss sich ständig bücken, damit sein Kopf nicht an das Granitgestein stößt, das scharfkantig in den Stollen ragt. Zügig wandert der Geologe auf einer schmalen Spur zwischen den alten Gleisen, auf denen jahrhundertelang Zinn aus diesem Bergwerk gefördert wurde: Erz aus dem Erzgebirge, am Südende von Sachsen. Die Grenze zu Tschechien kann hier unterirdisch überquert werden.

Das Licht im Schacht ist karg, die Luft haftet feucht und kühl an der Haut. "Dieser Stollen ist von 1686", ruft Dittrich über seine Schulter, während er weiter hineinläuft ins Gestein. Wir befinden uns unter der Ortschaft Zinnwald, die ihren Namen dem Bergbau zu verdanken hat. Seit dem Mittelalter bestimmte der hier alles. Die letzte Mine im benachbarten Altenberg schloss Anfang der 90er Jahre, kurz nach der Wende. Doch der Berg hat noch einiges zu bieten.

Nach ein paar Hundert Metern erreicht der Geologe einen Hohlraum, in dem man wieder aufrecht stehen kann. Er zückt einen Spitzhammer und klopft auf einen länglichen Streifen im Gestein, der anders aussieht als der bräunliche Granit drumherum: grau und silbrig glänzend. "Das ist Zinnwaldit", sagt Dittrich. "Darum geht es hier. Und daraus wird schließlich Lithium gewonnen." Er hackt noch vier-, fünfmal mit der Spitze in den Stein, bis ein faustgroßer Klumpen herausbricht. Das Erz liegt schwer in der Hand, ein Mineralgemenge aus Quarz, Eisen und eben Lithium.

Jetzt meldet sich Armin Müller zu Wort, er ist Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, für die auch der Geologe Dittrich arbeitet. Müller rückt seinen blauen Schutzhelm zurecht. Er rechnet vor, von welchen Dimensionen hier die Rede ist. "Wir sprechen von 500.000 Tonnen Lithiumcarbonat, das aus dieser Lagerstätte nur auf der deutschen Seite gewonnen werden kann", sagt Müller. "Die Batterie eines Elektroautos braucht etwa 50 Kilogramm dieses Materials. Das heißt, wir können mit diesen Vorkommen ungefähr zehn Millionen Fahrzeuge ausrüsten." Auf der tschechischen Seite der Grenze liegt noch einmal doppelt so viel.

Abbaulizenz auf 30 Jahre

Stellenmarkt
  1. über duerenhoff GmbH, Raum Köln (Home-Office möglich)
  2. BWI GmbH, Nürnberg, München, bundesweit

Dieser Berg birgt Europas größte Vorkommen jenes Rohstoffs, der in den kommenden Jahren noch sehr wichtig werden dürfte: Lithium. Es wird verwendet zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, die bislang in Mobiltelefonen oder Laptops verwendet werden und nun auch immer mehr in Elektroautos. Die größten Produzenten sind Australien und Chile, mit gewaltigen Lagerstätten. Sie verarbeiten den Rohstoff meist auch weiter zu Lithiumcarbonat, einem weißen Puder, das leicht körnig ist und aussieht wie Waschpulver.

In dieser raffinierten Form wird das Produkt verschifft in jene Länder, die Batteriezellen herstellen: vor allem China, Japan, USA und Südkorea. In Deutschland und in ganz Europa gibt es bisher keine solche Produktion, obwohl gerade die Batterieherstellung einen bedeutenden Anteil in der Wertschöpfung der Elektromobilität ausmacht: je stärker die Batterie, desto mehr Reichweite für das Auto. Will die heimische Industrie vom Umstieg auf den Elektromotor profitieren, muss sie hier nachziehen. Und genau darauf setzt Armin Müller mit seiner Deutsche Lithium GmbH, die seit einigen Wochen die Abbaulizenz für diese Lagerstätte auf 30 Jahre vom Sächsischen Oberbergamt erhalten hat. "Das ist ein Meilenstein", sagt Müller.

Derzeit hält das kanadische Bergbauunternehmen Bacanora Minerals 50 Prozent der Deutsche Lithium. Es kaufte die Anteile Anfang des Jahres für fünf Millionen Euro von dem deutschen Solarzellenhersteller SolarWorld, der im Mai in die Insolvenz ging. Solarworld hatte das Projekt in Zinnwald initiert und hält noch die restlichen Anteile. Bacanora allerdings hat die Option, auch die übrigen 50 Prozent zu übernehmen. Um schließlich mit dem Abbau in Zinnwald zu beginnen, braucht seine Firma bis zu 120 Millionen Euro, sagt Müller. Etwa zur Hälfte soll das Geld dafür von Banken kommen, die das Projekt finanzieren können. Das Interesse, sagt Müller, sei jedenfalls groß.

Es geht wieder hinaus aus dem Schacht an das trübe Licht eines Herbsttages in Zinnwald. Müller und Dittrich steigen in ein Auto, lenken es durch die Gässchen des Dorfes, vorbei an Häusern mit schwarzen Schieferdächern, einige Hundert Meter weiter in etwa dieselbe Richtung, die sie vorhin unter der Erde durch den Stollen gelaufen sind.

Erkundungen 300 Meter tief ins Gestein 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 99,00€ (lieferbar ab 1. April, versandkostenfrei)
  2. 99,00€ (zzgl. 1,99€ Versand)
  3. (u. a. Bis zu 33% Rabatt auf iPhone 6 Ersatzteile)
  4. (u. a. Spider-Man Homecoming, Wonder Woman)

sudomalie 17. Nov 2017

Hahah so eine schwachsinnige Aussage! Das ist genauso als ob du sagen wuerdest: "Wem...

Adlerjohn 16. Nov 2017

Und genau das ist das Problem. In dieser Branche wird einfach noch zu wenig über neue...

Bautz 16. Nov 2017

Wärmepumpe, Solar, (erstmal auch Gas).

Nogul 16. Nov 2017

Greift da nicht FRAND? Soweit ich verstanden habe müssen Schlüsseltechnologien zu "fairen...

QuisCustodietIp... 15. Nov 2017

...da kann man danach gleich den ganzen Atommüll verklappen! Ist bestimmt supersicher...


Folgen Sie uns
       


Besuch im Testturm Rottweil von Thyssen-Krupp - Bericht

Thyssen-Krupp testet in Baden-Württemberg in einen Turm einen revolutionären Aufzug, der ohne Seile auskommt.

Besuch im Testturm Rottweil von Thyssen-Krupp - Bericht Video aufrufen
Uploadfilter: Voss stellt Existenz von Youtube infrage
Uploadfilter
Voss stellt Existenz von Youtube infrage

Gut zwei Wochen vor der endgültigen Abstimmung über Uploadfilter stehen sich Befürworter und Gegner weiter unversöhnlich gegenüber. Verhandlungsführer Voss hat offenbar kein Problem damit, wenn es Plattformen wie Youtube nicht mehr gäbe. Wissenschaftler sehen hingegen Gefahren durch die Reform.

  1. Uploadfilter Koalition findet ihren eigenen Kompromiss nicht so gut
  2. Uploadfilter Konservative EVP will Abstimmung doch nicht vorziehen
  3. Uploadfilter Spontane Demos gegen Schnellvotum angekündigt

Tom Clancy's The Division 2 im Test: Richtig guter Loot-Shooter
Tom Clancy's The Division 2 im Test
Richtig guter Loot-Shooter

Ubisofts neuer Online-Shooter beweist, dass komplexe Live-Spiele durchaus von Anfang an überzeugen können. Bis auf die schwache Geschichte und Gegner, denen selbst Dauerbeschuss kaum etwas anhaben kann, ist The Division 2 ein spektakuläres Spiel.
Von Jan Bojaryn

  1. Netztest Connect Netztest urteilt trotz Funklöchern zweimal sehr gut
  2. Netztest Chip verteilt viel Lob trotz Funklöchern

Geforce GTX 1660 im Test: Für 230 Euro eine faire Sache
Geforce GTX 1660 im Test
Für 230 Euro eine faire Sache

Die Geforce GTX 1660 - ohne Ti am Ende - rechnet so flott wie AMDs Radeon RX 590 und kostet in etwa das Gleiche. Der klare Vorteil der Nvidia-Grafikkarte ist die drastisch geringere Leistungsaufnahme.

  1. EC2 G4 AWS nutzt Nvidias Tesla T4 für Inferencing-Cloud
  2. Zotac Geforce GTX 1660 Ti im Test Gute 1440p-Karte für unter 300 Euro
  3. Nvidia Turing OBS unterstützt Encoder der Geforce RTX

    •  /