Lisa Pathfinder: Die Technik zur Gravitationswellenmessung funktioniert

Es kann losgehen mit dem Messen der Gravitationswellen im Weltall: Die Technik funktioniert besser als gedacht, wie die Testmission ergeben hat. Allerdings ist dennoch Geduld gefragt.

Artikel veröffentlicht am ,
Lisa Pathfinder: Erwartungen bei weitem übertroffen
Lisa Pathfinder: Erwartungen bei weitem übertroffen (Bild: ESAľC.Carreau)

Es war eine wissenschaftliche Sensation, als Anfang des Jahres Astrophysiker vom Ligo-Observatorium in den USA erkl├Ąrten, Gravitationswellen nachgewiesen zu haben. Europ├Ąische Forscher wollen k├╝nftig Gravitationswellen vom Weltall aus erforschen. Die Technik daf├╝r scheint sehr gut zu funktionieren.

Laser Interferometre Space Antenna (Lisa) Pathfinder hei├čt die Sonde, die die Europ├Ąische Raumfahrtagentur (European Space Agency, Esa) im Dezember 2015 ins All geschossen hat. Sie soll die Technik f├╝r die k├╝nftige Forschungsmission Elisa erproben.

Lisa befindet sich am Lagrange-Punkt 1

Der Lisa Pathfinder erreichte Ende Januar seinen Orbit am Lagrange-Punkt 1, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, und ist seit dem 1. M├Ąrz im Einsatz. Im Inneren der Sonde befinden zwei W├╝rfel aus Gold, die 46 Millimeter gro├č sind und 2 Kilogramm wiegen. Am Lagrange-Punkt 1 heben sich die Anziehungskr├Ąfte von Sonne und Erde gegenseitig auf. Das bedeutet, die W├╝rfel befinden sich in einem freien Fall und schweben in einem Abstand von 38 Zentimetern in der Sonde.

Die Steuerd├╝sen von Lisa sorgen daf├╝r, dass die Sonde ihre Position h├Ąlt - und die W├╝rfel in ihrem Inneren. Ein Laserinterferometer misst st├Ąndig den Abstand zwischen den beiden W├╝rfeln und ihre Ausrichtung zueinander. Die Genauigkeit dieser Messungen liegt im Pikometerbereich.

Die W├╝rfel sind im freien Fall

Die Messergebnisse zeigten, dass die beiden Testmassen frei im Weltall fielen und nur dem Einfluss der Schwerkraft unterl├Ągen, schreiben die Forscher des Lisa-Teams in der Fachzeitschrift Physical Review Letters. Die Isolation von ├Ąu├čeren St├Ârkr├Ąften sei f├╝nfmal besser als erwartet. "Mit Lisa Pathfinder haben wir den ruhigsten der Menschheit bekannten Ort geschaffen", sagt Karsten Danzmann, Direktor des Max-Planck-Institut f├╝r Gravitationsphysik in Hannover. "Die Leistung der Mission ist spektakul├Ąr und ├╝bertrifft alle unsere Erwartungen bei weitem."

Mitte der 2030er Jahre will die Esa das Gravitationswellen-Observatorium Elisa ins All schicken. Es soll aus drei Sonden bestehen, von der jede zwei dieser W├╝rfel an Bord haben wird. Die drei Sonden werden etwa eine Million Kilometer voneinander entfernt im All positioniert. Gemessen wird jeweils die Entfernung zwischen den W├╝rfeln benachbarter Sonden.

Elisa soll niederfrequente Wellen erfassen

L├Ąuft eine Gravitationswelle, also eine St├Ârung der Raumzeit, durch die Konstellation hindurch, l├Ąsst sich das messen. Elisa soll Gravitationswellen im Bereich von 0,1 Millihertz bis 1 Hertz nachweisen. Gravitationswellen in diesem Bereich lassen sich auf der Erde nicht erfassen. Sie sollen beispielsweise bei der Verschmelzung von extrem massereichen schwarzen L├Âchern entstehen. M├Âglicherweise kann Elisa auch Gravitationswellen des Urknalls nachweisen.

Albert Einstein hatte Gravitationswellen in seiner allgemeinen Relativit├Ątstheorie vorausgesagt. Erst in diesem Jahr konnte sie experimentell nachgewiesen werden.

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bvdb 09. Jun 2016

Eine solche sehr theoretische Definition von "Freier Fall" meinte ich nicht. Sondern die...

chefin 09. Jun 2016

Der Nutzen war gefragt Und der Nutzen von Grundlagenforschung ist nunmal Die Grundlagen...

lestard 08. Jun 2016

Eine einzelne dieser Sonden kann ja keine Gravitationswellen messen, auch nicht...

rtlgrmpf 08. Jun 2016

Stimmt lat├╝rnich. Lisa ist ja am Erde-Sonne-L1. Es d├╝rfte dort auch noch etwas ruhiger...



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