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Liquid Feedback: Piratenbraut mit Doppelleben

Sie wollte mitmachen in der Mitmachpartei und durfte es mehr als erhofft: Die Journalistin Astrid Geisler hat bei den Piraten gleich zwei Zugänge zu Liquid Feedback bekommen - und das publik gemacht.

Artikel veröffentlicht am , Astrid Geisler
Die Journalistin Astrid Geisler hat die Piratenpartei einem Praxistest unterzogen.
Die Journalistin Astrid Geisler hat die Piratenpartei einem Praxistest unterzogen. (Bild: Clemens von Wedemeyer)

Die Demokratie updaten, die Politik ins Internetzeitalter überführen, Transparenz schaffen und basisdemokratisch entscheiden: Die Piratenpartei will viel, die Journalistin Astrid Geisler hat sie beim Wort genommen. 203 Tage lang hat sie versucht, als Mitglied die Partei mitzugestalten. Unversehens wurde sie sogar gleich doppelt Mitglied - mit zwei Mitgliedsnummern und entsprechend zwiefachem Zugang zur Abstimmungsplattform Liquid Feedback, einmal unter ihrem tatsächlichen Namen, einmal als "Pirat 111". In ihrem Buch "Piratenbraut. Meine Erlebnisse in der wildesten Partei Deutschlands", das am 9. März 2013 erscheint, schildert sie ihre Erlebnisse in der Partei der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Auszug.

Gerade mal 140 Zeichen stehen mir zur Verfügung, um der Welt via Twitter mitzuteilen: Ich habe im Selbstversuch herausgefunden, wie leicht man sich in der Meinungsbildungssoftware der Piratenpartei eine zweite Stimme ergaunern kann. Und weil ich in diesem Tweet auch noch einen Screenshot meines zweiten Liquid-Feedback-Accounts verlinken und einen Verweis auf ein Piratenpad unterbringen will, in dem ich die Geschichte von Pirat111 genauer aufgeschrieben habe, bleiben mir gerade mal 99 Zeichen.

Ich will nichts dem Zufall überlassen. Zu sachlich darf der Hinweis nicht sein, sonst überliest er sich zu leicht, aber allzu alarmistisch soll er auch nicht klingen. Ich bin ja nicht die Bild-Zeitung. Ich möchte auf ein Problem aufmerksam machen und hoffe auf eine Lösung. Seit ich mir bewiesen habe, wie einfach sich Voten im Liquid Feedback verfälschen lassen, leide ich an den Piraten. Ihr Umgang mit der Software kommt mir zunehmend dubios vor.

  • "Piratenbraut. Meine Erlebnisse in der wildesten Partei Deutschlands" erscheint am 9. März 2013 bei Kiepenheuer & Witsch. (Bild: Kiepenheuer & Witsch)
"Piratenbraut. Meine Erlebnisse in der wildesten Partei Deutschlands" erscheint am 9. März 2013 bei Kiepenheuer & Witsch. (Bild: Kiepenheuer & Witsch)

Natürlich hatte ich geahnt, dass die Manipulationsmöglichkeiten der Parteispitze längst bekannt sein dürften. Sicher war ich mir aber erst, als ich eines Morgens einen Blogbeitrag der Softwarefachleute las, die Liquid Feedback für die Piratenpartei programmiert hatten. Geradezu wütend distanzierten sie sich darin vom Umgang der Partei mit dem Programm und versicherten: Sie wollten "nicht für die gesellschaftliche Etablierung von scheinbar demokratischen Verfahren stehen".

"Warum unternehmt ihr nichts dagegen?"

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Ich hatte mich zunächst entschieden, eine E-Mail an den Bundesvorstand meiner Partei zu schicken. Das Schreiben war eine Mischung aus Selbstanzeige und Appell. Ich schilderte, wie ich an meinen Zweitaccount geraten war, um anschließend den Parteivorstand aufzufordern, der Basis dieses Problem und seinen Umgang damit schleunigst unmissverständlich zu vermitteln. Immerhin konnte so ein drastisches Sicherheitsproblem von der Partei nicht einfach hingenommen, ja öffentlich sogar klein- beziehungsweise weggeredet werden. Und nachdem ich mich ein wenig in Rage geschrieben hatte, fügte ich noch hinzu: "Warum unternehmt ihr nichts dagegen?"

Nur zwei Stunden später bekam ich eine Antwort. Der für Liquid Feedback zuständige Parteivorstand Klaus Peukert, im Netz unter dem Namen Tarzun bekannt, schrieb mir überaus umfänglich und freundlich im Ton. Der 35 Jahre alte IT-Fachmann aus Leipzig, der im Frühjahr 2012 als Beisitzer in das höchste Parteigremium gewählt worden war, dankte mir für meine Ehrlichkeit, versicherte, der Vorstand bemühe sich bereits um eine Reihe von Gegenmaßnahmen, und listete einige auf. Genauso hatte ich mir das von einem Piratenvorstand gewünscht!

Leider enthielt die Mail noch eine zweite Botschaft. Ich hatte das Gefühl, der Parteivorstand wolle mir indirekt bedeuten: Das mit dem Leck sei halb so wild. Peukerts Mail zufolge war das Problem nämlich "keines von Liquid Feedback", sondern irgendwie außerhalb der Software zu suchen. Außerdem, so schrieb er, gebe es in jedem Landesverband der Piratenpartei nur "eine ein- bis gering zweistellige Anzahl von Dubletten in der Mitgliederdatenbank". Die würden, wie er mir versicherte, schon jetzt "regelmäßig ermittelt und korrigiert". Schließlich bemerkte er noch, seine E-Mail habe hoffentlich einige meiner Bedenken zerstreut. Hatte sie leider nicht.

Eine Stimme im Liquid Feedback kostet 48 Euro 
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Kasabian 14. Mär 2013

Das Land ist alt. Das Denken ebenso. Daran ändert auch ein iPad nichts. Allerdings würde...

Kasabian 14. Mär 2013

Im Ansatz finde ich die PP immer noch sehr erfreulich und erfrischend. Zumindest die Idee...

edoe96 12. Mär 2013

Im Kern haben die Piraten einfach keine Ahnung von Organisation. Sie haben jetzt lange...

edoe96 12. Mär 2013

Aufgeplustert haben die Liquid-Verfechter und zahlreiche ihrer Freunde in den Medien doch...

edoe96 12. Mär 2013

Der Artikel macht die technisch-organisatorischen Widersprüche bei der Liquid Sache noch...


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