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Die Journalistin Astrid Geisler hat die Piratenpartei einem Praxistest unterzogen.
Die Journalistin Astrid Geisler hat die Piratenpartei einem Praxistest unterzogen. (Bild: Clemens von Wedemeyer)

Eine Stimme im Liquid Feedback kostet 48 Euro

Abgesehen davon, dass ich den Eindruck hatte, ich solle beschwichtigt werden, war der Bundesvorstand mit keinem Wort auf meinen Appell eingegangen, die Basis über die Zustände zu informieren. Genau das schrieb ich in meiner Antwort: Für die Nutzer sei es doch egal, ob sich das Leck im Liquid Feedback oder außerhalb befinde - entscheidend seien die möglicherweise chronisch falschen Abstimmungsergebnisse. Wenn es dumm laufe, genüge schließlich schon eine einzige Zusatzstimme, um ein Liquid-Feedback-Votum ins Gegenteil zu verkehren. Die Dubletten "regelmäßig" auszusortieren, sei deshalb auch keine Lösung. Es dürfe sie schlicht nicht geben, basta!

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Vier Tage später erreichte mich eine zweite Antwort von Klaus Peukert, in der er weitere Gegenargumente auflistete: Es könne ja selbst bei Bundestagswahlen passieren, dass "mal 50 Stimmen falsch gezählt werden. Wenn das auffällt, wird's korrigiert, fertig", auch jede Briefwahl sei anfällig für Manipulationen. Im Übrigen hätten die Abstimmungen im Liquid Feedback offiziell noch keine Verbindlichkeit. Am Ende der E-Mail versprach er, das "aber mal noch etwas ausführlicher" aufzuschreiben, und schlug vor, wir könnten uns ja vielleicht demnächst bei einer Liquid-Feedback-Tagung in Köln persönlich unterhalten.

Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Wozu dieser hanebüchene Vergleich mit der Bundestagswahl? Wollte mich dieser Parteifunktionär auf den Arm nehmen - oder hielt er das für sachdienlich? Soweit ich das als Neumitglied einschätzen konnte, stimmte auch seine Behauptung, Liquid-Feedback-Abstimmungen seien bisher unverbindlich, bestenfalls zur Hälfte. Die Berliner Piratenfraktion hatte beispielsweise in ihrer Satzung festgehalten, dass ihre Abgeordneten gehalten seien, Entscheidungen aus Liquid Feedback zu berücksichtigen. Auch der Bundesvorstand, dem Klaus Peukert selbst angehört, verwendete neuerdings Liquid Feedback, um Beschlüsse vorzubereiten.

Unter unverbindlichen Abstimmungsergebnissen stellte ich mir etwas anderes vor. Dass der Parteivorstand meinen Appell, die Probleme öffentlich zu thematisieren, bereits zum zweiten Mal überlesen hatte, überraschte mich jetzt nicht mehr.

"Liquid-Feedback-Sommerschlussverkauf!"

Gestern Abend hatte ich schließlich genug. Ein Berliner Pirat verbreitete via Mailingliste eine neue Analyse zur Manipulierbarkeit der Abstimmungen. Darin hieß es mit verblüffender Selbstverständlichkeit, eine Stimme im Liquid Feedback koste "ohne weitere Vorkehrungen (...) de facto 48,- im Jahr - das ist kein schöner Zustand". Ich staunte: Wieso folgte der Feststellung, dass man sich mit einem Jahresmitgliedsbeitrag eine Piratenstimme kaufen kann, eigentlich kein Aufschrei? Und warum sollte ich mich noch länger zurückhalten, wenn andere hier schon lässig über den Preis für eine Zusatzstimme räsonierten? Zumal das mit den 48 Euro nicht mal wirklich stimmte: Wer im Herbst Piratenmitglied wird, zahlt keinen vollen Jahresbeitrag mehr, sondern nur noch für die Restmonate - und bekommt also, wenn er will, die Stimmen im Liquid Feedback zum Schnäppchenpreis, quasi im Liquid-Feedback-Sommerschlussverkauf!

Auf dem Computerbildschirm vor mir steht nun die Twitter-Nachricht - noch immer nicht abgeschickt, aber immerhin geschrieben: "Demokratie 2.0: Ich habe einen Zweitaccount im LQFB - und finde das ein Unding." 79 Zeichen. Das muss reichen, denn mir reicht es auch.

Ich klicke auf den Twittern-Button. 15:37 Uhr. Und nun? Zur Sicherheit informiere ich Klaus Peukert per Mail. Er soll sich ja nicht übergangen fühlen.

Denis, der Kapitän meiner Crew,, reagiert als Erster auf meinen Pirat111-Tweet. "Argumentation vom BuVo from Hell", schreibt er in krudem Twitter-Deutsch. Offensichtlich hat er also gelesen, was ich in einem Piratenpad über Pirat111 aufgeschrieben habe, und teilt meine Empörung über die Argumente des Bundesvorstands. Denis hat meine Nachricht gleich auch als Retweet an alle seine Twitter-Abonnenten weiterverbreitet. Eigentlich könnte ich mich gerade freuen. Stattdessen bin ich nervös. Ich hätte jetzt nichts dagegen, wenn der Akku meines Smartphones spontan schlappmachen würde!

 Liquid Feedback: Piratenbraut mit Doppelleben'Eine Armee aus Hunderten Sockenpuppen' 

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Kasabian 14. Mär 2013

Das Land ist alt. Das Denken ebenso. Daran ändert auch ein iPad nichts. Allerdings würde...

Kasabian 14. Mär 2013

Im Ansatz finde ich die PP immer noch sehr erfreulich und erfrischend. Zumindest die Idee...

edoe96 12. Mär 2013

Im Kern haben die Piraten einfach keine Ahnung von Organisation. Sie haben jetzt lange...

edoe96 12. Mär 2013

Aufgeplustert haben die Liquid-Verfechter und zahlreiche ihrer Freunde in den Medien doch...

edoe96 12. Mär 2013

Der Artikel macht die technisch-organisatorischen Widersprüche bei der Liquid Sache noch...



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