Linuxcon: Echtzeit-Linux bekommt endlich stabile Finanzierung

Nach jahrelangen Problemen und Finanzierungslücken wird der Echtzeit-Zweig des Linux-Kernel künftig als kollaboratives Projekt der Linux Foundation geführt. Hauptentwickler Gleixner bekommt einen Posten ähnlich zu Torvalds oder Kroah-Hartman.

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Echtzeit-Linux wird ein kollaboratives Projekt der Linux Foundation.
Echtzeit-Linux wird ein kollaboratives Projekt der Linux Foundation. (Bild: Ken Funakoshi, CC BY-SA 2.0)

Im Juli 2014 kündigte der Linux-Kernel-Entwickler Thomas Gleixner an, dass dem Echtzeit-Zweig Sponsoren zur Fortführung fehlten. Damit stand das Projekt, das hauptverantwortlich von Gleixner gepflegt wurde, vor dem Aus. Kurze Zeit später stufte der Programmierer seine Arbeit daran als Hobby ein. Nun übernimmt die Linux Foundation (LF) den Echtzeit-Zweig als kollaboratives Projekt, wie Jim Zemlin, Geschäftsführer der LF, zur Linuxcon Europe in Dublin ankündigt.

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Darüber hinaus wird Gleixner künftig sogenannter Fellow der LF. Das heißt, der Maintainer bekommt einen Posten ähnlich zu denen von Linus Torvalds als Kernel-Chef oder Greg Kroah-Hartman, der einen großen Teil der Langzeitpflege übernimmt. Die Arbeit an Echtzeit-Linux ist damit industrieübergreifend und unabhängig von einzelnen Sponsoren.

Unternehmensinteressen behinderten das Projekt

Bereits vor mehr als zwei Jahren äußerte Gleixner Bedenken mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Projekts, doch auch nach dem Aufruf nach aktiven Sponsoren im Sommer des vergangenen Jahres fand sich keine stabile Finanzierung. Entsprechend enttäuscht zeigte sich Gleixner damals. Immerhin hätten viele Unternehmen starkes Interesse an dem Code gezeigt.

Gleixner stellte dazu fest, er habe außerdem das Gefühl, die Industrie spiele Mikado, "wo der verliert, der sich zuerst bewegt". Ebenso sei er gefragt worden, wann er seine Position als Maintainer aufgebe - und fragte sich dann öffentlich, ob eine Firma nur darauf warte, die Position und damit die Kontrolle über den Code zu übernehmen. Das Verhalten der beteiligten Unternehmen regte Gleixner schließlich zu dem harschen Kommentar an, er sei die "Politik, die offensichtlichen Lügen und den Marketing-Bullshit" leid.

LF sorgt für Unabhängigkeit

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Dieses dem Projekt unwürdige Geschacher um den Code und die Frage nach der Leitung scheinen mit der Gründung des kollaborativen Projekts der LF nun überwunden. Die Finanzierung durch verschiedene Sponsoren sollte damit gesichert sein, und Gleixner kann seine Arbeit in Vollzeit fortsetzen. Ein weiteres kollaboratives Projekt der LF ist die in diesem Jahr gegründete Node.js-Stiftung. Auch diese half dabei, die Streitereien und verschiedenen Unternehmensinteressen innerhalb der Community beizulegen.

Klares Ziel für Gleixner und alle anderen Beteiligten sollte es nun sein, den Echtzeit-Zweig vollständig in den Hauptzweig von Linux einzupflegen. Dies ist in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert worden, konnte wohl wegen der beschriebenen Probleme aber nie erreicht werden. Zemlin fragt in seinem Vortrag scherzhaft, ob "die nächsten sechs Monate" dafür ausreichten. Ganz so schnell wird dies wahrscheinlich nicht umgesetzt, allerdings scheint es dank des kollaborativen Projekts nun endlich erreichbar.

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