Linuxcon: Dem Linux-Kernel fehlen Maintainer

Auf der Linuxcon wird deutlich, dass dem Kernel viele Maintainer fehlen, um bestimmte Teile des Codes dauerhaft zu pflegen. Die große Verantwortung und Arbeitsbelastung hält wohl viele von dem Posten ab. Die Kernel-Hacker arbeiten aber vorsichtig an einer Lösung.

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Kernel-Maintainer auf einer Podiumsdiskussion bei der Linuxcon
Kernel-Maintainer auf einer Podiumsdiskussion bei der Linuxcon (Bild: Flickr.com, LinuxFoundation - CC-BY-2.0)

Neue Maintainer zu finden sei eines der größten Probleme, die der Linux-Kernel zurzeit habe, sagte Chefentwickler Linus Torvalds im Gespräch mit Intels Open-Source-Chef Dirk Hohndel auf der Linuxcon Europe in Dublin. Zwar wächst die Zahl der Beitragenden jedes Jahr. Doch offenbar fällt es dem Team sehr schwer, die Stellen für hauptverantwortliche Codepfleger zu besetzen.

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Torvalds zufolge gibt es einige Beitragende im Drive-By-Modus, die "kommen und gute Patches einreichen, aber dann wieder wegrennen". Es müssten sich demzufolge einfach mehr Leute finden, die den üblichen Weg vom Einreichen der Patches, zum Überprüfungsprozess neuer Patches und letztlich zum Maintainer gingen.

Gravierende Belastung der Maintainer

Torvalds hat eine Vermutung, warum so wenige den Sprung zum Maintainer machen wollen. Denn die Position bedeutet, "sieben Tage die Woche E-Mails zu lesen". Etwas scherzhaft fügte er hinzu: "Und das im Grunde für immer." Die enorme Belastung führte Sarah Sharp in ihrer Rücktrittsmeldung als einen der möglichen Gründe auf, warum die Maintainer einen so harschen Umgangston miteinander pflegen.

In einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz mit mehreren Kernel-Entwicklern, warnte der für Linaro tätige Kevin Hilman gar vor einem "Maintainer-Burnout". Die Beteiligten des Panels schienen sich aber auch einig zu sein, dass die Aufgabe eines Maintainer-Postens ein emotional sehr schwieriges Thema sei.

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Konferenz-Teilnehmer berichteten Golem.de davon, dass manche Maintainer mitunter wochenlang nicht vernünftig auf E-Mails oder eingereichte Patches reagierten und damit die Entwicklung behinderten. Um jedoch Ärger zu vermeiden, den solche Aussagen hervorrufen könnten, wollte sich niemand namentlich zitieren lassen.

Die noch weitreichendste öffentliche Äußerung in dieser Richtung auf der Konferenz stammt von dem Sony-Angestellten Tim Bird, der in seinem Vortrag davon sprach, dass die Maintainer des sogenannten Device Tree "überladen" seien. Diese zurückhaltende und eigentlich wenig aussagekräftige Beschreibung des Problems wird vielfach auf der Linuxcon wiederholt.

Rückzug ist sehr schwierig

Die Kernel-Community kann auf dieses Problem offenbar zurzeit nicht angemessen reagieren. Betroffene Entwickler umgingen derartige Maintainer oft, indem sie sich an den in der Hierarchie nächsthöheren Maintainer wendeten, um ihre Arbeit fortführen zu können, berichten sie.

Eine unabhängige Instanz, die mögliche Probleme der Maintainer beobachtet oder darauf hingewiesen wird und dann eventuell notwendige Schritte einleitet, gibt es in der Kernel-Community im Gegensatz zu anderen Projekten aber nicht. Dass es je dazu kommt, ist unwahrscheinlich. Diese Vorgehensweise passe nicht zur Organisationsstruktur der Kernel-Community, heißt es von einigen Konferenz-Teilnehmern.

Arbeit verteilen als erste Idee

Um zumindest die Arbeit einzelner Maintainer etwas zu reduzieren, sprechen sich unter anderen der für die Langzeitpflege zuständige Greg Kroah-Hartman sowie die Intel-Angestellte Kristen Accardi im Kernel-Panel dafür aus, die Maintainer einfach zu skalieren. Das heißt, statt einer Einzelperson übernehmen Gruppen die Pflege bestimmter Codebereiche.

Für die Zweige der Architekturunterstützung für x86 und ARM sei dies bereits geschehen, so Torvalds. Beim Aufbau dieser Teams mitzuwirken, ist laut Accardi auch vergleichsweise einfach. Allein schon das regelmäßige Überprüfen neu eingetroffener Patches durch mehrere Personen sei eine große Hilfe.

Das weitere Vorgehen kann von der Community beim Kernel-Summit in wenigen Wochen besprochen werden. Auf dieser Veranstaltung treffen sich nur "führende Kernentwickler des Kernels" und die Diskussion der Community untereinander steht dabei im Vordergrund.

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Clown 19. Okt 2015

Stimmt. Meine Gedanken während des Lesens: Er versucht mit aller Diskussionsgewalt sein...

quadronom 17. Okt 2015

Und dann ist da ja noch der Punkt, dass die Hochschule sich aussuchen kann, wie viel ein...

mnementh 09. Okt 2015

Monolithische Software ist üblicherweise einfacher zu entwickeln als Architekturen, da...

mnementh 09. Okt 2015

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